#210 – Dr. Philipp Misselwitz, Bauhaus Earth: Vom Klimakiller zum Klimaheiler
Shownotes
Bis zum Jahr 2050 werden rund 68 Prozent der Menschheit in Städten leben, zwei bis drei Milliarden mehr als heute. Wenn weiterhin vorwiegend mit Stahl und Beton gebaut wird, sind die globalen Klimaziele nicht zu erreichen. Dr. Philipp Misselwitz, Architekt und Geschäftsführer von Bauhaus Erde, arbeitet deshalb mit Partner*innen im globalen Süden an Alternativen. Biobasierte Baustoffe wie Lehm, Holz oder Bambus spielen dort derzeit nur in zwei Nischen eine Rolle: in prekären Armutssituationen und bei ökologisch orientierten Eliten. Erst wenn sie als fortschrittliche Materialien anerkannt werden, erreichen sie den breiten Markt und ermöglichen den Erfolg der weltweiten Bauwende. Ein Gespräch über europäische Verantwortung, globales Netzwerken und wie Bauen vom Klimakiller zum Klimaheiler wird. Foto © Nikolaus Brade bauhauserde.org Teilnahme Heinze ArchitekturAWARD 2026 Anmeldung ArchitekTOUR
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00:00:03: Architekturfunk, der Heinze Podcast.
00:00:08: Herzlich willkommen zur Architektorfunk dem Heinze podcast über ArchitekTour das Bauen und die Persönlichkeiten hinter den Werken.
00:00:16: Der Podcast begleitet Veranstaltungen von Heinze.
00:00:19: Und wir starten heute, am neunzehnten April, mit der Heinz-Architektur virtuell.
00:00:26: So klang es vor fünf Jahren als die erste Episode erschienen ist!
00:00:30: Ja – der Architekturfunk ist in diesem Monat genau fünf Jahre alt.
00:00:34: Herzlich willkommen zur Jubiläumsausgabe, Episode twohundertzehn, am dreißigsten April, zwei tausend sechsundzwanzig.
00:00:41: In der Coronazeit, als Liveveranstaltung ausgefallen sind und nur noch online stattfinden konnten, wurde der Podcast ins Leben gerufen als tägliche Begleitung zur Heinze Architektur virtuell.
00:00:53: Das war eine gute Entscheidung – Corona ist gegangen und der Podcast ist geblieben!
00:00:58: Und wer mich mal richtig lange und viel reden hören will kann sich die ersten dreizehn Episoden nochmal anhören.
00:01:05: da rede ich nämlich komplett durch.
00:01:07: Kein Gast kommt zu Wort.
00:01:09: ein spezielles Format für spezielle Zeiten.
00:01:12: Die Architektur gibt es übrigens natürlich längst wieder live und mit einem neuen Konzept, ArchitekTour Projects XXVI heißt das in diesem Jahr.
00:01:21: Den Link dazu findet ihr an den Shownotes.
00:01:23: Und einen anderen Link findet ihr auch in den ShowNotes und der führt euch zum Heinz-Architekturaward!
00:01:29: Das Wettbewerbsjahr läuft – die ersten Projekte sind bereits im Rennen um ein Gesamtpreisgeld von forty tausend Euro.
00:01:36: Macht mit unter heinze.de.
00:01:38: slash award.
00:01:40: Mein Name ist Kerstin Kunekath und mein heutiger Gast ist Philipp Misselwitz.
00:01:45: Wir steigen ein ins Gespräch!
00:01:47: In den letzten Jahren hat sich die Diskussion über Architektur verschoben, der einst abstrakte Begriff der Ökologie Nachhaltigkeit – also das war vielleicht in den Neunzigerjahren definitiv noch so – ist heute konkreter und wird von jeder Mann- und jeder Frau selbstverständlich genutzt.
00:02:02: Im Vordergrund steht dabei meist die technische Frage und Umsetzung der Bauwende.
00:02:09: Um Lösungen zu finden zur Klimaproblematik, die sich in Zahlen so ausdrückt etwa die Hälfte der weltweit abgebauten Rohstoffe wird in der Bauindustrie verwendet.
00:02:18: das Bauwesen verursacht geschätzt ein Drittel des globalen Abfalls und mindestens vierzig Prozent der weltweiten Kohlendioxidemissionen.
00:02:26: diese Zahlen sind mittlerweile bekannt werden veröffentlicht und vermittelt in unserer Branche E. Und der Architekturfunk hat in den letzten Jahren auch viele Gespräche über die Transformation der gebauten Umwelt geführt.
00:02:38: Heute möchte ich einmal einen Schritt zurücktreten und fragen, welche Rolle spielt Architektur eigentlich in dieser großen geplanten Veränderung oder in der großen angestrebten Veränderungen lokal- und global.
00:02:51: Und für die Gesellschaft?
00:02:53: Mein Gast heute ist Dr.
00:02:54: Philipp Misselwitz, Architek, Stadtplaner, Experte für globale Urbanisierung Professor an der TU also Technischen Universität Berlin, Leiter der Habitat Unit am Institut für Architektur und CEO des Bauhaus Erde.
00:03:12: Herzlich willkommen Philipp Misselwitz!
00:03:14: Ja schon dass wir uns hier unterhalten
00:03:15: können.
00:03:16: Du hast Architektor studiert aber relativ früh gemerkt das du die klassische Tätigkeit im Architekturbüro etwas zu eng vielleicht findest Und, dass du dich stärker für die gesellschaftlichen und urbanen Prozesse rund um Architektur interessiert.
00:03:29: Warum oder beziehungsweise wie hat dieser Perspektivwechsel?
00:03:32: Dein Verständnis von Architektor geprägt?
00:03:35: erst mal!
00:03:36: Ich habe in den neunzehnten Jahren Architeektur studiert in England und wenn ich ehrlich bin war Arbeiten im Büro so als klassischer Architek eigentlich für uns gar keine Option.
00:03:50: nicht weil wir das nicht wollten sondern weil es gar keine Arbeit gab.
00:03:55: Wir hatten enorm zu tun, praktikal mit Büros zu finden.
00:04:01: Die waren meistens unbezahlt.
00:04:03: Wir sind also so ein Stück weit in einen Arbeitskontext reingewachsen, in den Architektur und Planungen in Europa schon ziemlich in der Krise waren.
00:04:16: Ich habe in Chemisch und London studiert und war oft in Berlin und hatte hier auch mein Freundeskreis.
00:04:23: Da entstand dann die Idee eigentlich zu überlegen, wir haben ja gemerkt.
00:04:28: Die Stadt verändert sich trotzdem und es passieren tolle Sachen in einer Stadt wie Berlin, obwohl viel geplant wurde und überhaupt nichts umgesetzt wurde.
00:04:36: Und uns hat das dann interessiert dem näher auf den Grund zu gehen.
00:04:40: und so entstand, initiiert von Philipp Oswald und Klaus Obermeier ein spannendes Forschungsprojekt, das hieß Urban Catalyst an der TU Berlin.
00:04:47: Es war ein europäisches Forschungs-Projekt indem wir eigentlich andere Formen der Raumpraxis untersucht haben.
00:04:55: Also, wir haben das dann Nutzer getragene Stadtentwicklung genannt.
00:04:57: Berlin ist ja so zu einem unfreiwilligen Labor geworden.
00:05:01: man könnte sagen weil vielleicht auch ein Stück weit weil die klassische Planung und Vermarktung von dem vielen derstand in vielen Transformationsorten gescheitert ist.
00:05:11: es gab einfach keine Nachfrage entstanden plötzlich Freiräume in die ganz andere Akteure reintreten konnten.
00:05:21: Das waren Akteure aus der Kunst- und Kulturwelt, die sich Orte angeeignet haben mit einfachen oft improvisierten Taktiken und Strategien.
00:05:31: und da entstand eine unglaublich bunte und vielfältige Stadt, die auch ein Stück weit eigentlich Berlin ganz neu definiert hat eben nicht durch Gebäude und sogenannte Signature Architektur sondern eigentlich durch Nutzer selbst in der Musik, in der Kunst aber auch in ganz vielfältigen Kulturwelten und auch in ganzen anderen Feldern.
00:05:58: Und diese Stadt von unten, diese angeeigete Stadt die Nutzer getragene Stadt das war für mich so ein spannendes Lernlaborer und da bin ich sozusagen reingeschlättet in eine Situation wo die Architektin oder Architek gar nicht so die entscheidende Person war bei den Veränderungsprozessen von Städten.
00:06:20: Ihr habt euch auch für europäische Städte interessiert an der Stelle direkt.
00:06:23: Also ihr wart nicht nur auf Berlin?
00:06:25: Ja, das war ein Forschungsprojekt was von der Europäischen Union gefördert wurde.
00:06:31: da war Amsterdam und Helsinki und Wien dabei und auch Neapel und wir haben durch den Vergleich dieser ganz unterschiedlichen Städter in unterschiedlichen Rahmenbedingungen unterschiedliche Veränderungstynamiken die alle Nutzer initiiert waren untersucht ... spannend war, wie die Städte damit umgegangen sind.
00:06:53: Berlin war... Die offizielle Planung, die Bezirksverwaltung, diese Nahtverwaltungen waren relativ hilflos am Anfang und betrachtete das Ganze eigentlich als ein Scheitern oder vielleicht ein... Ja, notwendiges Übel, einen Übergang während anderer Städten wie Wien damit viel offener und auch Amsterdam viel offene umgegangen sind.
00:07:13: Und wir überlegt haben, wie kann eigentlich diese Stadt von unten und die Stadt von oben also die offizielle geplante Stadt?
00:07:22: Wie kann das eigentlich zusammenkommen?
00:07:24: Und war dieses hilflose in Berlin auch dem Fall der Mauer dann geschuldet?
00:07:27: Es war sicher eine komplette Überforderung, auch eine Planungskultur, die gewöhnt war – über Jahrzehnte endlose Ressourcen zur Verfügung gestellt zu bekommen für Planung und Umsetzung.
00:07:43: Und diese Berlin-Zulagen, Sonderbudgets auch für Westberlin waren weggebrochen und man hatte auch vorkommen das Wachstumspotenzial, das ökonomische Potenzial der Stadt erst mal überschätzt.
00:07:58: Man hatte riesige Stadterweiterungsgebiete für Wohnen, für Gewerbe geplant und dafür viel Geld ausgegeben um dann festzustellen, dass der Bedarf gar nicht da ist und das die Stadt eigentlich von ihren Einwohnern geschrumpft war.
00:08:14: Und so entstanden also eine Planung an der Realität vorbei – die Dinge scheinbar zusätzlich blockierte.
00:08:24: aber wir haben dann das Positive daran gesehen, dass dadurch eben Öffnungen entstanden für andere Formen der Aneignung.
00:08:31: Über dieses Forschungsprojekt mit Philipp Oswald und Klaus Uwemeyer konnten dazu beitragen, mit vielen anderen Akteuren auch diese andere Stadtentwicklung sichtbar zu machen in dem politischen Raum.
00:08:43: Mit hineinzutragen und Debatten anzuregen.
00:08:46: Wir haben dann als ein Forschungsprojekt am lebendigen Leib sozusagen mitgeholfen den Palastere publikkulturell anzueignen.
00:08:58: das war für uns... da waren wir zusammen mit den Sofiensehen als Theater und anderen Akteuren dabei eigentlich einen großen Leerstands, eine Leerstandsressource in der Stadt zu erschließen und für kulturelle Nutzungen zu öffnen.
00:09:16: Eier spannend!
00:09:16: Also hast du schon früh den Kontakt auch zu Künstlerinnen gesucht?
00:09:20: Alles bei Bauhochserde ja auch noch eine Rolle spielt.
00:09:24: aber bleiben wir nochmal kurz bei dieser Zwischennutzung.
00:09:27: welche Rolle spielen solche offenen oft informellen Prozesse heute denn noch für den Diskurs über Transformationen- und Bauwende?
00:09:35: Also ich habe dann nach meiner intensiven Zeit bei dem Forschungsprojekt Urban Catalyst bin ich dann aus privaten Gründen in den Nahen Osten gezogen und hab sehr viel über mehrere Jahre hinweg auch andere Stadtkontexte kennengelernt.
00:09:49: Und gesehen, wie in anderen Kulturen ganz andere Planungseinsätze Städte verändern bzw die Planung und auch die Rolle von Architekten eine grundsätzlich ganz andere ist.
00:10:03: also was in Berlin vielleicht so ein bestimmter Moment war, ist in Städten wie Cairo oder Amman oder auch Istanbul niemals Realität gewesen.
00:10:17: Dort gab es niemals die Erwartung des Planungs sozusagen alles regelt und so habe ich also die informellen Städte kennengelernt – die Slums, die informellen Siedlungen, die sich aus ganz anderen Gründen als in Berlin eigentlich selbst versorgt haben mit Wohnraum und ich fand das wahnsinnig spannend.
00:10:38: Und habe da auch durchaus die Bezüge gesehen, Aneignungen in Berlin unter Bedingung einer gescheiterten kapitalisten Wirtschaftsweise in prekären, auch sehr armutsgeprägten Kontexten wie Istanbul oder Cairo entstätten die wahnsinnig schnell wachsen und in denen die Menschen einfach gar nicht auf den Start warten sondern selber ihren Alltag regeln und ihrem Bedarf bauen.
00:11:07: Das fand ich sehr, sehr spannend.
00:11:08: das hat mich dann... ...hat mir den Heutzut auch geweitet und ich habe auch in solchen Kontexte dann überlegt wie man strategisch planen kann um die vielleicht viel weniger vorhandenen staatlichen Ressourcen eben auf das Wesentliche zu lenken und auch in solchen Kontexten lebenswertem Wohnraum zu schaffen.
00:11:29: Also verstehe ich das dann richtig, dass dort an den Städten, die du genannt hast gerade keine falsche Planung passiert ist und nur Wohnraum entstanden ist der sozusagen auch gebraucht wird aber ohne Architektinnen und Architekten?
00:11:43: Und
00:11:44: hier sozusagen ausgebildete Architektinnen und Architekten oder beziehungsweise auf politischer Ebene Entscheidungen getroffen wurden, die er zu Dingen geführt haben, die nicht unbedingt gebraucht werden.
00:11:53: Ist ja auch schräg!
00:11:54: Ja ich denke in Europa hat man eher den vielleicht ja der Bedeutung von Verlust von Architekten und Planern erlebt...
00:12:03: Gibt es denn denn?
00:12:04: Also ich meine dass es denen hier sozusagen gibt, das ist nochmal ein anderes Thema.
00:12:08: aber ist es so, dass in den Städten die du genannt hast, dass Architekte an Architeken dort tatsächlich keine Rolle spielen
00:12:14: in dem Sinne Nicht in dem Maße wie in der westlichen liberalen Demokratie oder auch in sozialistischen Städten, wo es immer zumindest nach dem Zweiten Weltkrieg mit dem Durchbruch der Moderne diesen Anspruch der Gesamtgestaltung des großen Masterplans immer gab.
00:12:34: Und ich finde das ein sehr spannendes Erbe und auch ein sehr interessantes Erbe sicher auch problematisches Erbe.
00:12:41: aber was da bei dem Fokus auch, wenn wir uns diese Geschichte erzählen über den Akteuerarchitekt und Architekten dann gerät immer aus dem Blick das vielleicht ganz andere Prozesse und andere Dynamiken die Stadt eben mit gestalten.
00:12:55: Und vielleicht dass es immer auch eine Chimere war des Architekten- und Planer sozusagen in Kontrolle waren.
00:13:01: auf jeden Fall ist es so, dass sie als parallel zu der europäischen Modernisierung nach dem Zweiten Weltkrieg gab es ja den Beginn der großen Urbanisierungswelle auch im globalen Süden, in den unabhängig werdenden Kolonien und die waren gleich von Anfang an eigentlich im wenigsten Fällen Planungs geleitet.
00:13:27: Und vor allem durch eben den unglaublichen Zustrom von Menschen aus ländlichen Gebieten in die Städte geprägt.
00:13:36: Können Sie das gar nicht vorstellen, wenn eine Stadt fünfhunderttausend Einwohner pro Jahr wächst?
00:13:40: Wie Istanbul in den siebziger-achtzigerjahren oder Cairo.
00:13:44: Da gibt es überhaupt keinen Ansatz mit den Werkzeugen die wir in Europa voraussetzen zu steuern.
00:13:51: Hier würde es auch Panik geben bei solchen Zahlen.
00:13:54: Ja das sind wir einfach nicht gewohnt und das sind Kontexte in denen sich staatliches handeln vor allem auf Platon vielleicht von Infrastruktur und auch Industrieansiedlungen konzentriert hat.
00:14:06: Und so im Beispiel der Türkei, von Anfang an gar nicht auf das Wohnen für die breiten Massen.
00:14:15: Okay du bist ja jetzt wieder hier schon länger und Urban Catalyst gibt es ja auch als GmbH also nicht mal als Forschungsprojekt sondern arbeitet auch in der Transformation von Städten.
00:14:25: Wie bringst Du diese beiden Perspektiven zusammen?
00:14:28: Ja nach dem Ende des Forschungs Projektes haben dann für den Auswahlklasse Obermeer und ich Katalyst noch ein paar Jahre als Diskursplattform weiter betrieben und dann hat im wesentlichen Klaus Obermeyer das Büro Katalyst GmbH gegründet, in dem ich auch ein Partner bin.
00:14:44: Allerdings ein Junior-Partner weil ich parallel dann auch angefangen habe in der Universität Stuttgart oder danach in Berlin zu lehren Und allerdings immer auch jemand der versucht hat diese internationale Dimension Projekte bei Catalyst auch mit zu verankern.
00:15:05: und dieser Austausch für mich weiterhin wahnsinnig wichtig.
00:15:08: Was für mich auch eine sehr, sehr spannende und prägender Erfahrung war, war die Komfortation mit geflüchteten und vertriebenen Menschen vor allem in Kontexten des globalen Südens und auch im Nahost – das waren dann Themen, zu denen ich auch promovieren konnte und gesagt habe, ich habe eine Weile in Nahost geliebt in Israel in der Türkei.
00:15:32: Und das waren für mich extrem prägende Jahre, in denen ich von Anfang an immer eigentlich auf Stadt und gebaute Umwelt und Veränderungen im Stadt eher systemisch geschaut habe und mich natürlich immer weiterhin auch für Gestaltung interessiert habe und für Design und auch das was vielleicht die Kernkompetenz von Architekten und Planern ist aber immer auch im Kontext von ganz anderen Veränderungsdynamiken und Kräften.
00:16:04: Sprechen wir über das Bauhaus Erde, wo wir jetzt auch gerade im Büro sitzen?
00:16:09: Du bist heute Geschäftsführer von Bauhaus Erde, Bauhaus Earth eine Organisation die Architektur Wissenschaft und gesellschaftliche Transformation zusammenbringen will.
00:16:19: erst mal Es gibt keine inhaltliche Verbindung zwischen der gemeinnützigen GmbH Bauhaus Erde und der Initiative Neuseuropäisches Bauhaus, die von Ursula von der Leyen im Jahr ist ergriffen wurde.
00:16:31: Das sage ich weil es ja so ähnlich klingt denn beides bezieht sich auf das einflussreiche historische Bauhaus dass nineteen neunzehn von Gropius gegründet wurde.
00:16:41: John Schellenhuber hat mir im Interview hier am Podcast erzählt Das ist Episode neunundsiebzig, wer es nachhören will.
00:16:48: Zwei-tausendzwanzig war das!
00:16:50: Welchen Zusammenhang es da gibt?
00:16:53: Und zwar hat er im Bauhaus Jubiläumsjahr zweitausendfünfzehn, weil er mit Gründer des Bauhausehrde und zwar zusammen mit Marc Weiß Gerber und er hat erzählt, er hat sich geärgert dass alles so musial und rückwärtsgewandt betrachtet wurde in diesem Jubilänensjahr.
00:17:11: und da habe er sich gefragt was würden die Bauhaus Giganten sagen?
00:17:14: Wir brauchen eine neue Bauhausbewegung.
00:17:16: Das war sein Schluss und so habe er das Erbe der Bauhaus-Bewegung antreten
00:17:21: wollen.".
00:17:22: Im nächsten Jahr, im Jahr wird das Thema Bauhaustern von Ursula von der Leyen in den State of the Union Speech auf die europäische Ebene gehoben und die Initiative Neuseuropäisches Bauhaus ergriffen.
00:17:34: Später wurde das Ganze auf die globale Ebene gehoben – in der Carta von Rom, wo auch Künstlerinnen und Architektinnen aus dem globalen Süden eingeladen waren nach Rom!
00:17:45: Und Rom wahrscheinlich auch, weil der Club of Rome vielleicht vor mittlerweile sechzig-sitze Jahren diese Deklaration damals verfasst hat.
00:17:54: Die wichtige und schon gewarnt hat.
00:17:57: Welche Ziele verfolgt Bauhauserde?
00:18:00: Ja ich bin zu Bauhaus Erde gekommen als die GGBH schon gegründet wurde eben durch vor allem die Initiative von John Schellen war wie du das gerade auch gut beschrieben hast und der auch, sozusagen Ideengeber für das neue europäische Bauhaus ist.
00:18:20: Und ich war derzeit an der TU Berlin und war Institutsleiter für Echtaktur und habe ein Fachgebiet geleitet und war mit viel Forschung und hab mich aber eigentlich nach einer neuen Struktur gesehen die in jemandem schnell agieren kann und in dem politischen Raum oder auch in die Praxis hinein spielen kann.
00:18:42: Steller als Universitäten, das vielleicht im Moment in Deutschland tun können und so habe ich also den mir zugeworfenen Ball von John Schellnummer aufgenommen und war der erste angestellte Mitarbeiter von Bauers Erde zunächst als Co-Geschäftsführer tatsächlich mit John Schellsnummer zusammen später allein und hab die Organisation aufgebaut innerhalb von fünf Jahren mitarbeitende und die Idee hat mir, auch meinem Verständnis von Architektur sehr gut auch entsprochen.
00:19:16: Nämlich John ist ja ein Klimaforscher, ein Systemforscher der sich mit Planetan systemischen Veränderungen beschäftigt und das Pick aufgebaut hat und ich habe sozusagen so ein breites Verstättenis vielleicht von Urbanisierung, Veränderungsprozessen entstehen und diese Idee dass man in Klimaforschung und Stadtforschung Architektur zusammenbringt und dadurch vielleicht die Veränderungen, die im Bauen und der gebauten Umwelt notwendig sind auch besser und systemisch in den Blick nehmen kann.
00:19:47: Das hat mich gereizt und das prägt uns bis heute denn wir sind ja fünfzig Mitarbeitende aus ganz unterschiedlichen Disziplinen.
00:19:56: Wir haben viele Architekten und Planner aber auch Ökologen und Kreislaufwirtschafter und Handwerker Systemforscher, Sozialwissenschaftler und das ist so ein bisschen der Versuch natürlich für uns.
00:20:13: Das eine historische Referenz aber so ein bischen die Idee dieses interspinären, der interspinneren Bewegung des Bauhauses auch wiederzubeleben und systemische Veränderungen anzuschieben.
00:20:29: Und welche Rolle spielt Architektur in diesem größeren Transformationsprozess?
00:20:37: Architekten sind schon eine sehr entscheidende Akteursgruppe, die natürlich in einer besonderen Art und Weise über die Möglichkeit verfügt, Dinge zusammenzudenken, situativ im Raum Lösungen zu entwickeln aus ganz unterschiedlichen variablen und kontextuellen Faktoren.
00:20:59: Und dadurch auch Schönheit zu schaffen Orte zu schaffen, die ansprechen, die als Wohnorte Zuhause werden oder als öffentliche Räume Menschen zusammenführen.
00:21:13: Und ich glaube diese Art von dieses synergetische Gestaltung ist total wichtig und das Architekten und Architektinnen haben in einer besonderen Weise vielleicht auch die Gabe diese Geschichten zu erzählen, weil man sie eben dann sehen und anfassen kann.
00:21:34: Und eine Ästhetik mitzuprägen die wir für ein neues Bauen brauchen.
00:21:40: allerdings sagen wir auch beim Bau des Erde das ist eben dass wir einen anderen Begriff von Aesthetik brauchen nicht nur einen der sich wie klassisch in der frühen moderne vielleicht über Gestaltung artikuliert sondern auch über die Art und Weise wie Material wo Material herkommt überhaupt erstmal entweder in der Natur, ob er genommen wird oder auch dem Gebäude bestanden.
00:22:05: Wir sprechen davon Lebenszyklus von Wertschöpfungsketten für Bauprodukte all das wie wir sozusagen eigentlich ein Bauen im planetaren Grenzen denken erfordert eben ein breiteres systemisches Verständnis.
00:22:19: und so denken wir eben auch dass wir eine Art von Ästhetik vom Material im System
00:22:25: brauchen Und wenn wir das jetzt mal global übertragen, also was wir hier tun hat ja insgesamt sozusagen unsere CO-Zweibelastungen weltweit sind zwei Prozent nur auf Deutschland bezogen.
00:22:38: Nichtsdestotrotz ist es natürlich wichtig dass wir hier handeln und dass man sozusagen global auch Veränderung anstößt.
00:22:43: ich habe mal den Präsidenten des Umweltbundesamtes Dirk Messner interview der gesagt hat bis soll sich die komplette
00:22:53: globale
00:22:54: urbane Infrastruktur verdoppelt haben.
00:22:59: Es spielt das auch eine Rolle für Bauherz Earth, Wissen also zu forschen und eben mit dem globalen Süden zusammenzuarbeiten um genau eben zu verhindern dass Dinge wiederholt werden die wir hier
00:23:12: gemacht haben?
00:23:13: Absolut!
00:23:13: Wir verstehen uns nicht aus einer Organisation für Lösungen in Deutschland arbeitet, sondern eine Berlin und Potsdam beheimatete Institutionen die aber weltweit arbeitet.
00:23:26: Und da sehen wir auch den größten Bedarf.
00:23:29: es gibt ja viele Akteure gerade auch in Deutschland und in Mitteleuropa hat sie sich für Bauwendethemen stark machen und einsetzen.
00:23:35: Es gibt aber wenig, die versuchen den Kontext eigentlich der planetan Krise und der Planetan Urbanisierung wirklich auch in diesem größeren Maßstab mit zu verfolgen Reizt mich, das ist auch das große Thema von John Schelenover.
00:23:52: Wie kann eigentlich das bauen als der größte Treiber der Klimagassemissionen weltweit und auch der größten Ressourcenverbraucher von einem der Hauptschädiger in einen Heiler für Klima- und Planeten verwandelt werden?
00:24:08: Das ist sozusagen die ganz große Formel, die uns hier auch umtreibt in Kontext geführt wie Südostasien, Indonesien, Butanen, Indien, Vietnam, Sub-Sahafrika.
00:24:20: Dort wo tatsächlich gerade die Organisierung sich am schnellsten entwickelt.
00:24:26: Die UNO schätzt dass ungefähr zwei bis drei Milliarden Städter in den nächsten zwanzig Jahren von ländlichen Gebieten in Städte ziehen werden und dort bauen und dazu kommen auch noch über eine Milliarde Slam-Bewohnerinnen, die nicht adäquat wohnen.
00:24:44: Das heißt überall brauchen wir dort Infrastrukturen für adäquiates Wohnen, für Mobilität, für Schulen und Welitäten, für Krankenhäuser.
00:24:55: riesengroße Bauprojekte, die wir nicht negieren müssen.
00:24:59: Und wir wissen das wenn wir weiter so bauen wie wir bisher waren mit Stammbeton und für diese zwei bis drei Milliarden Städter so bauen dann werden wir die globalen Klimaziele absolut nicht einhalten können, sondern allein das CO-Zweih was dort verausgabt wird reicht um uns in Größen von zweieinhalb drei Grad Erderwärmung zu katapultieren.
00:25:26: Also du sprichst auch im Zusammenhang mit der Materialwende ist es mittlerweile auch ein Begriff der in der Branche sehr bekannt ist also einen Wechsel hin zur regenerativen und biobasierten Baustoffe.
00:25:39: Welche Hebel müssen in Bewegung gesetzt werden, dass die sich durchsetzen?
00:25:42: Und klappt das auch global?
00:25:44: oder gibt es da immer noch... Also ich meine Beton zum Beispiel ist ja so, dass alle Welt sagt, da können wir nicht drumherum.
00:25:52: Es muss mit Beton gebaut werden.
00:25:53: Ist dann sozusagen ein Etappenziel, so wenig Beton wie möglich einzusetzen oder wie geht man da jetzt vor?
00:25:58: Ja also grundsätzlich denkt mir man braucht eine große Offenheit und auch plurale Ansätze für eine Materialwende.
00:26:07: Fakt ist, dass wir so nicht weiterbauen können wie wir es jetzt tun.
00:26:13: Aber
00:26:14: das wird getan und die Frage ist was ist die Materialpalette der Zukunft?
00:26:18: Ich denke schon, dass sicher ein Anteil von starren Beton dazugehört vor allem aber auch recycelter Beton und recyceltes Stahl.
00:26:27: Das heißt, die Zirkularität ist eine ganz wichtige Dynamik, die mitgedacht werden muss.
00:26:32: Aber was uns am meisten interessiert sind natürlich neue Materialien die eigentlich auf zum Teil uralten Baukulturen aufbauen, nämlich bio- und geobasierte Materialien, die in allen Regionen der Welt unterschiedlich sind.
00:26:47: Und die oft auch noch im ländlichen Gebieten präsent sind und gelebt werden aber nie den Sprung in die moderne Stadt geschafft haben und auch in der Bevölkerung innerhalb von wenigen Jahrzehnten ganz drastisch an Ansehen und Wertschätzung verloren haben.
00:27:06: Moderne ist unmittelbar mit Stab und Beton verbunden.
00:27:10: Und das heißt also diese Neuentdeckung- und Wiederwertschätzung von traditionellen Materialien ist eine ganz wichtige Aufgabe, die wir stellen wollen.
00:27:21: und dann natürlich auch der Versuch wissenschaftliche Grundlagen zu schaffen.
00:27:24: wie viel Biomasse haben wir dann, wie viel Biomasme können wir denn entnehmen und daraus biobasierte Baustoffe zu entwickeln.
00:27:31: Und wo laufen wir auch Gefahren dort vielleicht unbeabsichtige Kollateralschäden zu erzeugen wenn wir nicht sorgsam mit der ja endlichen Biomasse auf der Welt umgehen?
00:27:45: Und welche Schäden könnten das sein?
00:27:47: Also erstmal wollte ich noch kurz sagen, aus der Mode gekommen Materialien.
00:27:50: meinst du damit?
00:27:51: zum Beispiel Lehm.
00:27:52: Das fällt mir so als erstes ein.
00:27:53: Wir hatten ja mal eine große Lehmbautradition in Deutschland und dann ist es so als Öko.
00:27:57: jetzt kommt so langsam wieder aber es stagniert auch ein bisschen den Eindruck.
00:28:01: Genau also Erde, Leben, Stroh, Hanf viele unterschiedliche Formen von Holz nicht nur Kiefern und Fichten, die vor allem in Deutschland den absolut überwiegenden Teil des Bauerns ausmachen.
00:28:18: Sondern eigentlich einen Mischwald, den wir in Zukunft ja brauchen aufgrund von Biodiversität und Klimaresilienz und viele landwirtschaftliche Abfälle.
00:28:28: Und aber eben auch also der Begriff regenerative Baustoffe schließt für uns auch die schon vorausgabten und verbauten Stoffe wie Stahl, Aluminium und Beton mit ein.
00:28:43: Die draußen in den Städten in Gebäuden stehen und täglich abgerissen und entsorgt werden aber eigentlich das Potenzial haben auch Teil von einer kreislaufgerechten bio- und geobasierten Bauökonomie zu werden.
00:28:58: Also Urban Mining,
00:29:00: dass man
00:29:01: alles wirklich Wertschätzung hebt?
00:29:03: Genau!
00:29:05: Was meinst du mit Kollateralschäden?
00:29:07: Bezieht sich das auf Landwirtschaft und Ökologie, wenn wir wachsende Materialien
00:29:12: nennen.
00:29:12: Dazu hole ich vielleicht ein bisschen aus wie ist das Narrativbauen mit biobasierten Baustoffen tatsächlich global schon akzeptiert und in der breiten Community der Nachhaltigkeitsakteure sozusagen gesetzt?
00:29:28: Nein es ist nicht!
00:29:29: Und wir haben vor allem den letzten Jahren auch sehr viel bedenken und auf Widerstände aus den nachhaltigkeitsbewegten Umweltschützern und diesen Communities erfahren.
00:29:45: Und da sehen wir vor allem auch die Notwendigkeit, dort einen Schulterschluss zu wagen.
00:29:50: Ich erkläre mal warum das so ist.
00:29:53: Natürlich ist es so dass weltweit die Wälder- und Ökosysteme unter enormem Druck stehen Und wir haben weltweit eher schwindende Urwälder und der Amazonas, selbst die Wäldern in Deutschland werden von Klimaspeichern zu Klimatemitenten.
00:30:15: Aber man muss sich fragen woran das liegt?
00:30:16: Das liegt daran dass bald abgeholzt wird, dass Landnutzungsveränderungen bewirkt werden nicht weil man dort Holz entnimmt um daraus zu bauen sondern weil man zum Beispiel Sojabohn oder sogenannte Cashcrops oder auch Fiehwirtschaft auf diesen Flächen betreibt.
00:30:35: Und es geht nicht um das Holz, es geht nie um die stoffliche Nutzung von Holz oder Übernutzungen von Holz sondern es geht um den Verlust von Waldflächen aufgrund von Klimaschäden, Naturschäde und Rodungen aber für ganz andere Sektoren.
00:30:51: Wir sagen dann einen viel bewusstere Wertschätzung des Materials.
00:30:56: Holz Zum Beispiel als Teil einer biobasierten Bauwirtschaft kann dazu beitragen, den Bestand der Wälder vielmehr zu schützen und den gerade ländlichen Kommunen und auch den Ländern die diese Schätze an Bioreserven haben.
00:31:12: Zu zeigen dass diese Wälden ein Wertschöpfung sein können wenn man sie pflegt oder erhält, wenn man in Aufforstungen investiert Wenn Wald nichts wert ist, wenn Holz keinen Wert hat dann wird er verbrannt und es ist attraktiver darauf, Viehflächen oder Weideflechten oder Sojabohnen anzusiedeln.
00:31:31: Wenn der Wald aber wenn Bambuswälder, wenn Kiefernwälter, wenn Hartholz-Wäldern einen Wert haben und Teil einer Entwicklungschance sein können für ledigliche Kommunen und ganze Nationalökonomien Dann wird diese Ressource geschützt, dann wird daran investiert, dann werden die Wälderen gut gemanagt um sie auch klimagerecht umzubauen.
00:31:55: Das ist sozusagen die Kopplung, die wir anstreben.
00:31:57: Also aus, wie sagen die Bauwirtschaft kann ein ganz wichtiger Finanzierungsfaktor werden für eine ökologische Land- und Forstwirtschaft und kann sozusagen katalytische Wirkung entfalten um die Wälder zu erhalten, auszubauen, zu stabilisieren und auch für die Zukunft festzumachen.
00:32:18: Ich meine, wenn Holz jetzt eine größere Rolle spielt beim Bauen.
00:32:21: Wie bleibt das dann alles im
00:32:22: Kreislauf?
00:32:23: Ist die Abforstung nicht schneller als die Wiederaufforstungen?
00:32:26: Also ganz klar ist es, dass nicht jedes Holz gut oder nicht jedes Bamus ist gut.
00:32:30: Es kommt immer darauf an wo es herkommt aus welchen Wäldern es kommt.
00:32:35: sind die Wälden nachhaltig gemanagt?
00:32:38: ist die Wertschöpfungskette sozusagen für dieses Holzprodukt tatsächlich so gestaltet, dass man sorgsam den Wertstoff aus der Natur entnimmt und dass man ihn abfallarm bis abfallfrei in Bauprodukte verarbeitet.
00:32:55: Und dort dann so einbaut, in Gebäuden das er möglichst lange dort verbleibt vielleicht durch viele verschiedene Nutzungszyklen durchlaufen kann und vor allem mehr als fünfzig Jahre tatsächlich erhalten wird und nicht nach kurzer Zeit wieder verbrannt werden.
00:33:12: Da sehen wir auch die Möglichkeit nicht nur einen nachwachsenden Rohstoff zu verbauen, anstatt Sand zu extrahieren und mit Zement zu verarbeiten.
00:33:23: Zu Beton oder mineralbasierte Stoffe der Natur zu entnehmen die dort große Schäden hinterlassen und die auch endlich sind sondern Nachwachsende Rohstoffe zu nutzen die eben obendrein auch noch CO-Zwei einlagern und so und das berechnen wir auch in Modellierung tatsächlich zu einem Effekt führen können dass Überfoto-Synthese in der Faser gebundene CO² erhält und Gebäude anstatt von CO²-Emitenten zu CO² Speichern macht.
00:33:54: Und wenn dann, so wie wir es anstreben, der enommene Wald tatsächlich auch aufgeforstert gepflegt oder halten wird, ist der Wald ein Schwamm für CO² in der gebauten Umwelt dann zwischengelagert werden kann.
00:34:12: Das ist sozusagen die Regel auch von Bauhorst-Erde eher an die Ressourcen ranzugehen, die über der Erde wachsen und nicht in die Erde reingehen?
00:34:20: Genau!
00:34:21: Also das sind erneuerbare Ressoursen, die natürlich nur erneuerbar sind wenn sie wirklich erneut werden.
00:34:28: Das heißt ganz wichtig ist dass wir schauen auf die Land- und Postwirtschaft auf diesen Sektor schauen in der Organisation Kompetenzen aufgebaut haben, um zu sagen wir können regenerativ bauen.
00:34:40: Aber es muss im System von der Land- und Forstwirtschaft her gedacht werden zum Bauen hin – so kann tatsächlich das Bauen von einem Klimakiller zu einem Klimaheiler werden.
00:34:50: Und auch mit dem Hintergedanken weniger Ressourcen zu verbrauchen?
00:34:55: Absolut!
00:34:57: Ich sage immer so dass die Bauende mindestens drei oder vier wesentliche Faktoren verbinden muss.
00:35:03: Einmal ist es natürlich die Vermeidung, dass wir viel weniger neue Ressourcen in das Bauen einbringen dürfen.
00:35:10: Das schließt auch die Wienerverwendungen von Baumaterialen ein.
00:35:16: Es schließts auch gerade in Deutschland viel diskutierte Konzept-Umbau vor Neubau ein und auf dem städtebaulichen Maßstab der Tonnullversiegelung ein, also dass man kompakte Städte baut.
00:35:29: Vermeiden ist ein sicher ganz, ganz wichtiger erste Grundsatz.
00:35:32: Vermeidten eben auch im Zusammenhang mit Optimierung der Nutzung von Baustoffen.
00:35:38: dann geht es sicher auch darum dass man die bestehenden Bau-Praktiken verbessert das man eben auch versucht aus Stahlbetonherstellungen das CO² möglichst zu entnehmen.
00:35:51: und auch da gibt es viel Forschung die derzeit läuft eine Forschung die allerdings immer nur auch begrenzte Resultate meiner Ansicht nach produzieren wird.
00:36:02: Und was für uns der wichtigste Aspekt ist, eben das Ersetzen als dritte Säule tatsächlich die Entdeckung von neuen nachwachsenden Baustoffen vor allem bio- und geobasierte Bausstoffe?
00:36:14: Also da wird auch noch... also entdeckungen heißt aber auch noch, da wird noch gesucht sozusagen nach wie vor.
00:36:20: Ja
00:36:21: wobei das, wie ich vorhin gesagt habe oft ja die Entdreckung ist vielleicht eine Wiederentdeckung
00:36:28: zum Teil
00:36:29: und sich erinnern oder eine Frage, wie man eigentlich traditionelles und indigenes Wissen zum Bauen irgendwie mit den Bedarfen des Einzelnenhunderts wieder verknüpft.
00:36:42: Es gibt auch in Deutschland ein ganz breites Feld von unterschiedlichen Akteuren, die sich mit diesen Dingen beschäftigt.
00:36:48: Mit denen wir auch vernetzt arbeiten aber vor allem im globalen Süden wo es keine staatliche Forschungsförderung gibt und wo auch die Bauindustrie eben dominiert wird durch Starmbeton und gar kein Interesse hat alternative Baustoffe auf den Markt zu bringen.
00:37:02: gerade da fehlen die Ressourcen und fehlt die Energie.
00:37:05: tatsächlich diese Forschung jetzt auf dem Weg zu bringen.
00:37:09: und da sehen wir unsere Rolle Mittel, die wir in Europa leichter finden über Stiftungen oder öffentliche Forschungsförderung tatsächlich auch ein Stück weit zu diesen Partnern im globalen Süden zu bringen und gemeinsam diese alternative Materialpalette zu entwickeln, zu skalieren und sie in den Umlauf
00:37:27: zu bringen.
00:37:28: Ja damit ist auch die Frage nach der europäischen Verantwortung oder der Institution beantwortet.
00:37:35: Wir dürfen uns das gar nicht vergegenwärtigen dass einen hundertfachen CO²-Fußabdruck haben mit unserer Lebensweise hier in Europa und in Tanzania oder Ghana, wo wir arbeiten.
00:37:48: Die Gesellschaften aufgrund der Armut und zum Teil immer noch sehr ländlichen Lebensstile und auch die Gebäudezustände und den Mobilitäten also ein verschwinden kleinen Teil von CO² pro Kopf für Ursachen.
00:38:07: Die Frage ist ja, wie können wir dort helfen Entwicklung zu ermöglichen und für adäquates Wohnen?
00:38:16: Und wie können weh dann vermeiden dass wir tatsächlich dieselben Fehler wie in Europa, in der Moderne wiederholen.
00:38:24: Und sozusagen von einem, wir nennen das manchmal so How can we tunnel from a low carbon present to a low-carbon future aber eine Zukunft die eben chancengerecht ist ein adäquates, lebenswertes Wohnumfeld schafft.
00:38:42: Wird da nicht kritisch zurückgefragt wie es hier aussieht?
00:38:45: Also unser CO-Zweifebrauch bleibt ja hoch erstmal noch.
00:38:48: Wir sind ja noch lange nicht da wo wir sein wollen und wir gehen ja auch wieder eher zurück, auch politisch.
00:38:53: Ja absolut also das ist eine Tatsache dass man bei vielen Partnern zum Beispiel Sub Sahra Afrika die sagen ja Klima Schutz ist eigentlich ein Thema des globalen Nordens.
00:39:06: Wir sind nicht dafür verantwortlich, dass wir eine Klimakrise haben.
00:39:09: Bitte räumt das selber auf!
00:39:11: Und ich kann die Organisation verstehen.
00:39:13: und auch wenn wir dort Projekte entwickeln und Partnerschaften beginnen dann ist tatsächlich Klimaschutz nicht... Das öffnet nicht Die Tür
00:39:24: ist glaube ich auch ein bisschen ironisch.
00:39:26: Man kommt aus dem reichen CO-Zwei verbratenen oder massig erzeugenden Norden und sagt dann so, wir betreiben hier unten jetzt Klimaschutz.
00:39:36: Aber wenn wir zeigen, wenn ihr nicht Starmbeton importiert was in vielen afrikanischen Ökonomien bis zu neunzig, fünfneunzig Prozent passiert und damit eigentlich eine Chance auf Wertschöpfung abgibt.
00:39:52: Sondern eigene Ressourcen nutzt eben vor allem auch biobasierte Ressoursenabfälle aus der Landwirtschaft, aus der Forstwirtschaft.
00:39:59: wenn ihr sozusagen euch ein Stück weit unabhängig macht von einer globalisierten Stahl- und Zementindustrie das dann entstehen zu allererst den Wirkungschancen entstehen Arbeitsplätze da entstehen entlang der gesamten Wertschaffungskette von ländlichen Räumen entsteht hinein viele, viele Chancen.
00:40:15: Und dass das auch noch für den Planeten, für die Natur gut ist und bei dem globalen Projekt Klimaschutz hilft, ist sozusagen ein guter Mitnahmeeffekt.
00:40:26: Ja ja, das kann ich mir nämlich auch dann vorstellen.
00:40:28: also dann kann man natürlich im großen Zusammenhang dann auch wieder sagen wenn ihr unabhängig seid wirtschaftlich von diesen weiß ich nicht es sind ja auch Weltkonzerne die Zement Konzerne zum Beispiel oder die Herstellerinnen von Beton und davon unabhängig zu sein Ja, also es hat einen wirtschaftlichen Vorteil.
00:40:48: und natürlich wenn die von Klimawandel betroffenen Länder sind natürlich vielleicht schon auch hellhörig.
00:40:55: Wenn sie vorgerechnet bekommen dass es insgesamt dann besser wird.
00:41:01: Und abgesehen von den wirtschaftliche Chancen die sich durch so eine regionale biobasierte Bauwirtschaft ergeben Darf man nicht vergessen, dass gerade diese jetzt schnell wachsenden Regionen vor allem eben auch jetzt schon am stärksten mit durch Klimaveränderungen beeinträchtigt werden.
00:41:20: Durch Extremhitze, durch Extremwetter und gerade da bieten auch die zum Beispiel Leben oder Holz viel viel bessere natürliche Möglichkeiten tatsächlich eine Klimaanpassung in das Gebäude einzubauen.
00:41:38: wir wissen ja zum Beispiel durch Erdlebenstoffe, die Temperaturspitzen sowohl kälter als auch Hitzespitzen super gut abgefedert werden.
00:41:48: Dass auch die Feuchtigkeit gespeichert werden kann und so haben ja über Jahrtausende Menschen in diesen heissen Arridenregionen gelebt und sehr gut gelebt.
00:42:01: dadurch dass passiv gekühlt wird über das Material tatsächlich gesunde und angenehme Wohnumfelder erzeugt werden.
00:42:09: Und das zu kommunizieren, ist auch eine große Chance.
00:42:14: und zu sagen also ihr könnt sehr viel Geld sparen wenn ihr in Zukunft eben keinen Generator braucht oder kein kein teuren mit Strom der vielleicht auch nicht immer fließt betriebenen Kühlapparat sondern wenn ihr tatsächlich wieder so baut wie eure Vorfahren allerdings natürlich in ganz anderen Kontexten in verdichteten urbanen Situationen, aber eben mit demselben Material und den selben Bautechniken die auf passive Art, auf kostengünstige Art und viel angenehmer Art eigentlich mit dem Klima umgehen können.
00:42:50: Ja und ich finde es auch interessant wenn man jetzt aus dieser Initiative Bauers Erde auch dorthin kommt und dort zusammenarbeitet auf Augenhöhe dann vertritt man ja auch nicht die komplette nördliche Welt oder Hemisphäre sondern ist hier eher eine Minderheit die auch hier überhaupt dafür kämpft, dass sich die Dinge hier ändern.
00:43:11: Ja aber wir sehen uns tatsächlich nicht als eine Organisation, die hier in Berlin Lösungen entwickelt und sie dann weltweit vertickert sondern wir sehen es eher als so ein Mitinsiator eines globalen Netzwerks wo wir ganz unterschiedliche situative für bestimmte klimatische und geografische Zonen spezifische Lösungen entwickeln müssen, aber der globale Austausch hilft eben sehr viel.
00:43:39: Weil tatsächlich man über Materieereigenschaften und Wertschöpfung auch Baupraktiken sehr viel lernen kann in einer global vernetzten Welt und wir sollten diese Chancen nutzen.
00:43:51: Ja ich habe Fabian Hölzel interviewt.
00:43:56: die hat auch ein Büro in Nigeria und sie ist Professorin an der Akademie der Künste in Stuttgart statt Bauern.
00:44:03: Sie hat gesagt, es gibt dieses Phänomen dass gewisse Entwicklungsschritte einfach übersprungen werden.
00:44:08: Während wir hier natürlich wieder gerne davon reden wie modern und fortschrittliches wäre das Auto ausgeschlossen wird, dass man sozusagen dort gar nicht auf die Idee kommt erst die Stadt so zu bauen, dass alles mit Autos voll ist um dann irgendwann wieder da hinzukommen.
00:44:24: ja wir machen doch wieder Dinge zu Fuß was eben jetzt sozusagen eher normal
00:44:29: ist.
00:44:30: Ja also ich denke sehr, sehr wichtig dass andere Organisierungsfahre und andere Baupraktiken stark gemacht werden.
00:44:40: Und das dieses erdrückende Vorbild sozusagen europäischer Nordamerikanischer Westen auch ein Stück weit in den Hintergrund gerät und man eher tatsächlich adäquate Lösungen selber vor Ort entwickelt.
00:44:57: Die gibt es auch schon und das Problem ist, Eliten auch, zum Beispiel von Indonesien, von Nigeria und Südafrika schon entwickelt werden.
00:45:08: In Kapstadt waren wir neulich bei dem ersten Hanfhochhaus der Welt oder in Bali gibt es wunderschöne Boutique-Hotels und Eco-Resorts die aus komplett Bambus produziert sind und aus lokalen Baustoffen.
00:45:22: aber das sind ganz kleine Inseln, die sicher wichtig für das Experimentieren sind und auch wichtige Signale und Startpunkte sind.
00:45:32: Wie kommen diese Praktiken und dieses Denken in die Masse?
00:45:36: Diese Praktik gibt es übrigens auch.
00:45:38: Und die Materialien werden auch in den Armutskontexten verwendet, so haben wir also die Schwierigkeit wie kriegen wir diese Materialien aus diesen nischen prekären Armut- und ökologische Elite heraus und lassen sie teil zu einem breiten Bauen machen für die aufstrebenden Mittelklassen in diesen Entwicklungsländern?
00:46:01: Und wie schaffen wir es zu einem von einem Material, was immer mit Rückständigkeit und Armut in dieser Bevölkerungsschicht verbunden ist.
00:46:10: Tatsächlich diese Materie zu... Wir nennen das Aspirational materials also zu einem erwünschten Material, einem ersehnten Material werden zu lassen.
00:46:19: und da wiederum glaube ich Es ist ganz wichtig auch die lokalen Architekten einzubeziehen.
00:46:26: In das Bauen, in das Experimentelle anwenden müssen Präzidenzfälle geschaffen werden.
00:46:32: wir reden davon Demonstrators Proofs im Maßstab von Gebäuden, die man anfassen kann sehen können befühlen und feststellen kann dass diese vielen Mythen gar nicht wahr sind und dass diese Materialien oft viel beständiger sind für Erdbeeren Resilienter Feuer fester Witterungsresilienter und günstiger sein können als Starmbeton.
00:47:01: Und welche Rolle spielt da auch Design und Schönheit, wenn wir dann mal zur Relevanz wieder der Architekt in den Architekten kommen?
00:47:07: Die ja nicht nur sozusagen konstruieren und mit Materialien arbeiten.
00:47:11: Natürlich Franziskiree ist das berühmteste Beispiel, der ja für verrückt erklärt wurde im Burkina Faso, dass er plötzlich wieder mit Lehm baut und plötzlich aber wundervolle Gebäude die preisgekrönt sind.
00:47:23: Das hat eine Wertschätzung
00:47:24: erfahren.
00:47:26: Absolut!
00:47:26: Ich denke, dass auch ein Zu-Personen weltweit abenden Büros, wie das von Francis Keré und auch die Anerkennung mit dem Pritzkerpreis sicher schon enorm helfen.
00:47:39: Auch gerade in den Ländern diese Baukulturen wieder wertzuschätzen und sie für eine breitere Gesellschaftssschicht wieder zu öffnen.
00:47:52: Das negative Gegenbeispiel dazu sind dann solche Fälle wie zum Beispiel der Brandt in Hongkong eines großen Wohnhauses, wo plötzlich die Medien berichten da brennt ein Bambushaus.
00:48:07: Auch der Deutschlandfunk titelte die Schlagzeile mit Bambus verursacht Brandt eines Wohnhauses.
00:48:13: Dabei ist das lausiger Journalismus.
00:48:15: was gebrannt hat und was sich nicht löschen ließ war ein mineralischer Isolierstoff.
00:48:20: Das Bambuss Gerüst war auch nach dem Brand fast unversehrt sichtbar, was das Gebäude gerade eingerüstet hat.
00:48:28: Das heißt also diese Art von... Diese Mythen, die sitzen sehr tief werden auch über Medien, Massenmedien populär Kultur verbreitet.
00:48:39: Man denkt an die alte Parabel von den drei Schweinchen Das Schweinche, was im Strohhaus lebt muss vor dem Wolf wegrennen, dass was im Holzhauß lebt ebenfalls und das was im Steinhaus lebt Was übrigens so aussieht wie ein.
00:48:58: Das sind so ganz tiefsitzende Mythen in den Erzählungen der Moderne.
00:49:03: Da müssen wir ran, da müssen wir Alternativen schaffen, andere Erzählung und andere Beispiele.
00:49:07: Also dann sind wir bei der Relevanz von Architektinnen und Architekten.
00:49:11: Viele Architektinnen und Architekten spüren ja auch gerade, dass sich ihr Beruf verändert.
00:49:15: Also ich rede jetzt mal wieder von hier in Deutschland durch Klimakriseressourcen, Fragen- und die gesellschaftlichen Erwartungen... Was würden Sie sagen muss sich im Selbstverständnis der Architekatur ändern oder bei den Planerinnen und Planern eben damit diese Transformation gelingt?
00:49:32: In der wir uns ja wählen oder in der wir sind?
00:49:35: Also ich habe ja neben meiner Tätigkeit beim Haus Erde, bin ich weiterhin auch Poffer der TU Berlin und hab das Privileg dort zu lernen.
00:49:41: Und ich erlebe wie gerade hier am Institut für Architektur die junge Generationen von Studierenden eigentlich die Professoren und Lehrenden vor sich hertreibt.
00:49:51: Die sind viel schneller!
00:49:52: Die Wollen sind sehr verwurzelt in den neuen Debatten über das neue Bauen.
00:49:58: Sie haben radikale Forderungen.
00:50:00: sie kritisieren dass Leerinhalte und Lehrmodule sich viel zu langsam verändern.
00:50:07: Da lebe ich, dass sehr viel Energie von dieser neuen Generation kommt die sich sicher sorgen um ihre eigene Zukunft macht und sehr kritisch das agierende Eltern-Generation hinterfragt.
00:50:18: Das ist eine sehr positive Energie allerdings ist das sicher bei Weitem nicht überall so in den Ausbildungsstätten für Architektur und Bauingenieurwesen.
00:50:30: Oft ist es tatsächlich so, dass man auch gerade in Deutschland, Mitteleuropa und weltweit durch ein ganzes Studium des Bauingenieurwesens laufen kann ohne jemals von Holzbau oder biobasierten Bauen gehört zu haben.
00:50:42: Und dieses Fachwissen fehlt dann am Markt.
00:50:45: Es fehlt in Deutschland – das fehlt in Tanzania, es fehlt in Ghana.
00:50:50: Das heißt da ist es ganz wichtig Die Lehrinhalte viel, viel schneller anpassen und aktualisieren.
00:51:00: Und diesen großen Themen die uns bevorstehen öffnen.
00:51:04: Ich war in einer Hochschule.
00:51:05: da hat ein Student nachher quasi inoffiziell gesagt wenn ich hier mit Ideen komme die eben mit klimafreundlichen Klimaschone Materialien sind dann wird mir das hier quasi verboten.
00:51:16: also ich soll erstmal Stahl- und Glas einsetzen zum Beispiel
00:51:19: Ja es gibt tatsächlich diese Reibung sicher zwischen Studierenden, die eigentlich andere Dinge fordern und andere Lernhalte brauchen.
00:51:31: Und sie gezielt einfordern und einer Eltern-Garnation von Lehrenden, die oft gar nicht in der Lage ist, sie dort abzuholen wo sie sich schon befinden und ihnen diese Tiefe und Erfahrung zu bieten, die sie natürlich brauchen um sich zu rüsten.
00:51:47: Was ich so ein bisschen als Gefahr sehe bei den radikalen Forderungen, die auch gerade in der Studierendenschaft sehr gelebt werden wie Hört aufzubauen und die Stadt ist schon gebaut.
00:51:55: Da sehe ich schon die Gefahr dass da vielleicht auch eine Grundkompetenz von Architekten und Architektinnen und auch eine ganz wichtige gesellschaftliche Rolle nämlich tatsächlich auch Ästhetik und Schönheit an Orte zu bringen, Leben brauchen und die uns in unserem Alltag oft fehlt.
00:52:22: Und dazu gehört auch eine Lust tatsächlich zu gestalten, und zu verändern.
00:52:28: Das kann man übrigens auch natürlich so machen indem man kreativ an Nachnutzung oder Umnutzungen von Gebäude denkt.
00:52:35: Und das muss gar nicht mit dem Neubau verbunden sein aber oft... Ich sehe eine gewisse Gefahr dass ich in dieser hochpolisierten Debatte dass diese Frage von Design und Designkultur tatsächlich manchmal etwas verloren geht.
00:52:49: Dabei geht es ja eigentlich auch darum, mit dem umzugehen was da ist und das aufzuwerten?
00:52:54: Absolut!
00:52:55: Wir kommen langsam zum Ende.
00:52:56: wie würden Sie das denn einschätzen?
00:52:59: wo liegen die Grenzen der eigenen Wirkungsmacht der ArchitektInnen?
00:53:03: also wir gehen bei Baus Erde wirklich davon aus dass werden für eine Bauwende ganz unterschiedliche Akteure zusammenbringen muss.
00:53:11: Und Architekt und Architekten haben eine wichtige Rolle, sind aber auch nur ein Teil dieses Gesamt dieser Revolutionen die eine gesamtgesellschaftlich sein muss, die eine wirtschaftlichen sein muss Die ein neues Naturverständnis erfordert Auch eine Veränderung von Lebensstilen.
00:53:31: das heißt Architekte und Architekten sind wichtig als Vordenker möglicher von Lösungen als Teil, wichtiger Teil diese Erzählungen zu prägen und sie zu gestalten.
00:53:48: Aber allein machten Sie keinen großen
00:53:52: Unterschied.".
00:53:53: Wie lässt sich ein Erfolg oder eine Verbesserung der Situation eigentlich messen?
00:53:58: Woher
00:53:59: wissen wir das eine Maßnahme oder die Summe gewisser Maßnahmen etwas verbessert hat?
00:54:05: Wir rechnen ja gerade so viel rum, Excel-Tabellen sind voll.
00:54:08: Womit wir CO² einsparen und so weiter?
00:54:10: Ja das ist eine spannende Frage.
00:54:12: ich glaube dass wir natürlich in der Debatte.
00:54:15: in den letzten Jahren hat der Fokus auf CO² der wichtig ist auch manchmal vielleicht dazu geführt dass wir andere Aspekte die genauso zu der Transformation gehören und genauso Erfolgskriterien sein müssen etwas aus dem Blick geraten.
00:54:29: also wir können die Bauwerte nicht auf CO₂ sozusagen reduzieren sondern Es gibt soziale und ästhetische und ökonomische Faktoren, die genauso wichtig sind.
00:54:41: Also wir versuchen bei Baus Erde so ein Indikatoren-Set zu entwickeln durch das wir den Erfolg unserer eigenen Projekte messen wollen was gesamtheitlich ist.
00:54:51: Und da geht es eben nicht nur um CO² Eindagungen, CO² Ersparnis und das CO² in der Gesamtbilanz eines ökologischen Fußabdrucks sondern genau so natürlich Brauchen wir das Gebäude, brauchen wir es überhaupt?
00:55:04: Wie wird es bewohnt?
00:55:06: Für wen ist es?
00:55:07: Erreichen wir damit die Gesellschaft insgesamt.
00:55:10: Also diese Themen wie Inklusion und Pazpation sind ebenso wichtig – wie eben natürlich auch Fragen von Biodiversität, Fragen von Ressourceneffizienz, die sich nicht einfach nur in CO² messen lassen.
00:55:26: Also es ist schon auch eine gesamtgesellschaftliche Betrachtung nötig
00:55:29: dann in dem Fall.
00:55:30: Eine gesamt- gesellschaftliche, die aber eben nicht nur menschlich gedacht werden muss sondern Planetar.
00:55:36: also wir bezeichnen das ja oft als das Bauen im Planetaren Grenzen.
00:55:41: Woran würden wir in zehn oder zwanzig Jahren erkennen dass die Bauwende auf einem guten Weg ist oder schon gelungen ist?
00:55:48: Ja das ist sehr schwierige Frage.
00:55:50: ich glaube wir haben uns entschieden bei Baus Erde vor allem sogenannten Low-Hanging-Foods zu bearbeiten.
00:55:57: Das heißt, die Materialinnovation anzugehen, die schnell zu erfolgen führen kann – nämlich in den nächsten zwei, drei, fünf Jahren.
00:56:10: Während unser Freunde bei Fraunhofer Instituten zum Teil auch an hochkomplexen Chemieersatz oder Plastikersatzmaterialien, die vielleicht erst im Jahr zwanzig, fünftig, zwanzzig, sechzig, sitzig tatsächlich einsetzbar sind arbeiten ist es auch wichtig Unser Theory of Change ist zu sagen, wir brauchen jetzt diese Produktvielfalt die Materialvielpfalt.
00:56:32: Wir müssen jetzt die Kraftanstrengung unternehmen.
00:56:35: also von jetzt rede ich von den nächsten zehn Jahren als Zeitfenster für eine Bauwinde.
00:56:40: Die regulativen Hürden abbauen, die Wertschöpfungsketten für alternative Bauprodukte skalieren alles mobilisieren was wir haben um überhaupt in Zukunft noch bauen zu können.
00:56:51: das ist unser Fokus.
00:56:52: Daran müssen wir uns letztlich auch messen lassen, was erreichen wir jetzt für die nächsten zehn Jahre.
00:56:59: Und dann wenn wir sehen, was die Aufgaben sind, hoffentlich zum Teil andere vielleicht noch viel komplexere, den wir uns dann stellen.
00:57:08: Super!
00:57:08: Deswegen heißt es nicht nur Think Tank sondern Make-Tank Bauers Erde?
00:57:13: Absolut!
00:57:14: Wir wollen wissenschaftsgestützte Lösungsansätze denken und schaffen und sie in die Praxis
00:57:21: bringen.
00:57:22: Super, vielen Dank für das Interview Philipp
00:57:24: Misselwitz.
00:57:25: Danke!
00:57:26: Und das war es für heute – die nächste Episode erscheint in zwei Wochen am vierzehnten Mai.
00:57:32: Bevor wir schließen noch ein persönlicher Satz.
00:57:35: Diese Folge ist meine letzte als Gastgeberin des Architekturfunk.
00:57:39: Über fünf Jahre hinweg durfte ich hier Gespräche führen über Architektor statt und die Frage welche Rolle sie gesellschaftlich spielt und die Veränderungen im Diskurs mitbegleiten Und ich danke allen Gästinnen, Gästen, Hörerinnen und Hörern die diesen Diskurs begleitet haben.
00:57:58: Für mich geht das Nachdenken, das Schreiben und das Sprechen über Architektur natürlich weiter nur in anderen Formaten.
00:58:06: Vielen Dank fürs Zuhören!
00:58:08: Habt eine gute Zeit!
00:58:09: Tschüss!
00:58:17: Moderation, Redaktion, CastingCunicut, Executive Producer Andreas Göppel, Producer Projektmanagement Nadine Schodiakis, Sounddesign und Editing, Castingscunicutt, Design & Visual Assets.
00:58:31: Heinze Media, Social-Media Content Claudia van Ravenstein im Auftrag der Heinze GmbH.
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