#204 – Matthias Foitzik, foundation 5+, Mario Hoebel, U10 : Suffizienz als Entwurfsprinzip

Shownotes

Was braucht Wohnungsbau wirklich und worauf kann er verzichten? Matthias Foitzik und Mario Höbel über das Suffizienzhaus U10 in Kassel, ausgezeichnet mit dem Heinze Architektur Award. Der fünfgeschossige Holzbau ohne Treppenhaus, dafür mit Außentreppe und Laubengängen besteht aus gebrauchten Bauteilen, die teilweise bei Kleinanzeigen ergattert wurden. Es geht um Reduktion statt Übertechnik, um soziale Qualitäten durch Architektur, um gemeinschaftliches Mietwohnen und um die Erkenntnis, dass die Reduktion von Komfort kein Verlust ist, sondern ein Gewinn. Wie die Stimmung auf der Baustelle war, und warum es am Ende trotz gebrauchter Bauteile keine Mängelbeseitigung geben musste, erfahrt ihr in dieser Episode. Kerstin Kuhnekath hat das Interview geführt. foundation 5+ Architekten Suffizienzhaus-U10 Heinze ArchitekturAward Gewinner klimafestival.heinze.de saltosystems.com/de

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00:00:03: Architekturfunk, der Heinze Podcast.

00:00:06: Herzlich willkommen zum Heinze Architekturfunk Episode zweihundertvier, am fünften Februar, zweihtausendzechsundzwanzig.

00:00:13: Mein Name ist Kerstin Kuhnekatz und heute spreche ich mit Matthias Feuzig und Mario Höbel.

00:00:19: Wir steigen ein ins Gespräch.

00:00:21: Herzlich willkommen im Heinze Architekturfunk.

00:00:23: Matthias Feuzig von Foundation Fünfplus Architekten und Mario Höbel.

00:00:29: Bauherr- und Vertreter der Baugemeinschaft U-Zen.

00:00:33: Das Büro Foundation Fünfplus Architekten BDA mit Sitz in Kassel wurde, und beschäftigt nach eigenen Angaben derzeit zwischen zehn und neunzehn Mitarbeitenden.

00:00:47: Fünfzehn, ja, genau.

00:00:48: Genau zwischen zehn und neunzehn.

00:00:50: Fünfzehn Mitarbeitende.

00:00:51: Ihr arbeitet interdisziplinär mit Architektur, Städtebau und Landschaftsarchitektur.

00:00:57: in allen Leistungsphasen und legt besonderen Wert auf Ressourcen und Klimaschonen des Bauen, so wie auf den Erhalt und die Integration von Bestand.

00:01:05: So eure Selbstbeschreibung, die ich gerne so übernommen habe, um euch mal vorzustellen.

00:01:10: Ihr habt mit dem Suffizienzhaus U-X in Kassel den Heinze Architektur Award gewonnen.

00:01:16: Herzlichen Glückwunsch dazu an euch beide.

00:01:19: Und das Suffizienzhaus U-X steht im Martini-Quartier in Kassel und ist ein fünfgeschossiger Holzbau.

00:01:26: nach dem Prinzip Reduce, Reuse, Recycle.

00:01:30: Das Motto von der Architektur Bienale, zw.

00:01:32: zw.

00:01:33: Matthias, ihr habt in der letzten und dreizehn Meter breiten Baulücke des Quartiers gebaut.

00:01:41: Was war euer Ausgangspunkt und was sollte dieses Haus können und anders machen als die anderen Häuser?

00:01:47: Ausgangspunkt war tatsächlich, dass wir uns auch die letzten acht bis neun, zehn Jahre mit diesem Martini-Quartier beschäftigt hatten.

00:01:54: Auch das war sozusagen ein Auftrag von uns, wo Margaret Höbel auch beteiligt war, also eben diese vielen Disziplinen, Architektur, unser Partnerbüro, foundation Landschaftsarchitekten und eben vier Stadtplaner beteiligt waren.

00:02:10: Und wir sozusagen auch diese Entwicklung mit einer eigenen Projektentwicklungsgesellschaft, die Entwicklung von dieser Brauerei zu einem Diversen urbanen Wohn- und Arbeitsquartier begleitet haben, mitgesteuert haben und eben auch zum Teil auch die Architektur gemacht haben.

00:02:28: Und diese kleine Baulücke am Rand des Martiniquartiers war ich die ganze Zeit so ein bisschen als Ersatzparkplatz für wegfallende Anwohner in den Parkplätze, war ein bisschen Baustellen, Logistik, Einrichtung und ist sozusagen bewusst übrig geblieben.

00:02:42: und wir hatten dann die Möglichkeit sozusagen dieses Grundstück relativ einfach zu erwerben, also wir sind sozusagen im Besitz des Grundstücks gekommen und haben dann die Chance genutzt, da was Eigenes zu machen, eben in Kombination, Architekt und Teil der Baugruppe, der Bauherrn, der Bauherrn Gemeinschaft zu sein.

00:03:03: Also ihr habt es auch erworben, ihr habt es gemeinsam erworben sozusagen oder die Baugruppe hat es erworben?

00:03:09: Wir haben es zuerst als Dreierkonstellation erworben, also drei Gesellschafter der Projektentwicklungsgesellschaft, die das Martini-Quartier entwickelt hat, der Michel Linke von Ebenevier, der Mathias und ich.

00:03:21: Und wir haben dann nach der Baugruppe gesucht, um weitere Mitstreiterinnen für das Projekt zu gewinnen.

00:03:29: Und so ist die Gruppe dann nach und nach größer geworden und insgesamt sind wir am Ende zehn Bauherinnen gewesen.

00:03:35: Ja.

00:03:36: Und wie habt ihr die gefunden?

00:03:38: Hast du dich da besonders auf die Suche gemacht als Bauherrnleiter?

00:03:44: Das hat sich sehr organisch eigentlich so ergeben, da wir von dem Projekt erzählt haben.

00:03:49: Der Matz hatte schon sehr früh diese Projektidee und die haben wir einfach ein bisschen gestreut im familiären und bekannten Kreis und das sind letztendlich auch die gewesen, die da mitgemacht haben.

00:04:03: andere aus der Familie und eben Freunde und ein paar Arbeitskollegien noch von Matz.

00:04:09: Also so hat sich das aus dem engeren Umkreis eigentlich gefunden, ohne dass wir groß für Werbung machen mussten.

00:04:15: Und wie viele seid ihr?

00:04:17: Wie groß ist die Baubau?

00:04:17: Wir

00:04:17: sind zehn.

00:04:18: Genau, zehn verteilt auf ganz unterschiedliche Konstellationen.

00:04:22: Wir haben Wohneinheiten, die jetzt von der FIRA GBR sozusagen entwickelt worden und wir haben Einzelbau herinnen.

00:04:32: die dann einzelne Wohneinheiten auch allein finanziert haben.

00:04:36: Und Architekt für das Ganze seid aber ihr?

00:04:39: Genau, die Architektur haben wir gemacht mit dem Büro und es war auch so, dass sozusagen zuerst die Idee da war und wir dann, wie Mario schon sagte, wir dann eigentlich für diese Idee Mitstreiter gesucht haben, die das mitfinanzieren.

00:04:54: und diese Baugemeinschaft von zehn Personen Von denen wollte auch niemand einziehen, das ist auch keiner eingezogen, sondern es ist eine Baugemarschaft, die das Haus gebaut hat, um es dann an der Hausgemeinschaft zu vermieten.

00:05:07: Sofizienz ist ja ein Begriff aus der Architektur, oder nein, nicht aus der Architektur, aber der in der Architektur seit geraumer Zeit eine große Rolle spielt.

00:05:17: Bei euch ist ja sozusagen im Titel des Projekts.

00:05:20: Was bedeutet Sofizienz denn für euch?

00:05:23: Im Sinne von wörtlich übersetzt jetzt genug haben?

00:05:26: Langenliebigkeit auch nichts verschwenden.

00:05:30: Genau, also wir sehen jetzt eigentlich schon als Gegenpart zur Effizienz.

00:05:34: Man kennt viele Beispiele, wo Autos immer effizienter werden, aber durch die Größe und die Schnelligkeit immer noch genauso viel Sprit brauchen.

00:05:41: Und das ist bei der, gerade bei der Gebäude Technik ja auch der Fall.

00:05:46: Und wir haben eben einen Eindruck, dass wir damit nicht so richtig vorankommen.

00:05:50: in unserem Ziel nachhaltig zu bauen und zu Effizienz hat für uns schon was damit zu tun, wirklich einfach zu bauen, auch wirklich zu gucken, was braucht denn Wohnungsbau wirklich, um gut zu funktionieren, auf was kann man verzichten, welche Standards sind eigentlich übertrieben, wo kann man auch Standards reduzieren, natürlich immer noch im Rahmen des gesetzlichen Vorschriften bleibt und wo kann man auch Komfort vereinfachen.

00:06:16: der vielleicht im ersten Moment nach Verzicht aussieht, aber beim genauen Hingucken totaler Gewinn ist.

00:06:22: Was heißt das?

00:06:23: Reduktion, die erstmal nach Verzicht aussieht, aber dann ein Gewinn ist?

00:06:27: Relativ markantes Merkmal ist diese Außentreppe, die eben, es gibt kein Treppenhaus, sondern die Außentreppe steht wie so ein Fluchttreppel im Garten und man muss eben bei Wind und Wetter da von oben nach unten durchs Freie gehen.

00:06:42: und die ist aber Nicht nur im Sinne von Ressourcenschonend und kein Beton, sondern Stahl und wieder auseinanderschraubbar und so weiter, sondern die ist eben auch wirklich im Begegnungsort geworden.

00:06:53: Es ist kein dunkles Treppenhaus, wo man an den geschlossenen Wohnungshöhlen vorbeigeht, sondern es ist wirklich dieses offene, transparente, ich gehe an den Balkon, an den Eingangslotschern von den Wohnungen vorbei und da findet eigentlich dieses nachbarschaftliche Leben statt.

00:07:07: Also es hat sich jetzt so rausgestellt auch, dass es wirklich dass das eigentlich so im sozialen Kontext des Gebäudes ein super Gewinn ist.

00:07:16: Interessant, ja.

00:07:16: Wir haben ja auch bewusst auf übertriebene Gebäudetechnik verzichtet.

00:07:20: Also es ist im Gegenteil ein bisschen auch zum Smart-House immer, wo automatisch die Sonnenbeschattung runtergeht.

00:07:27: Wenn die Sonne scheint, so haben wir eben gebauten Sonnenschutz.

00:07:30: Wir haben auf beiden Seiten durchgängige Balkone, also auf der einen Seite die Erschließung, die Laubengänge, auf der anderen Seite Balkone.

00:07:37: Und das ist auch letztendlich ein Riesengebinden, Sachen uns die Bewohnerinnen, dass auch zu beiden Seiten alle Räume diesen Außen Kontakt haben und man eben dadurch auch aber auf den Sondenschutz verzichten konnte.

00:07:51: Eigentlich durch die Baumaßnahmen, durch eine intelligente Architektur, dann wiederum auf Technik verzichten, war sicherlich auch eine Idee oder eine Konzeption, die sich auch durchzieht, dass wir durch gute, qualitativ gute Architektur auch dauernd auf andere Dinge verzichten konnten.

00:08:09: Ich denke auch, so eine Treppe zum Beispiel ist ja auch über einen Hof gehen, der ist ja auch offen.

00:08:14: Also das ist halt nur vertikal, würde ich sagen.

00:08:17: Genau, ist eigentlich ein bisschen wie so ein, von der Rückseite ist das Gebäude, wie so eine... offen das Puppenhaus, wo man fast in die Wohnungen reingucken kann.

00:08:24: Es sind nur die Laubengänge, aber die sind eben möbliert, weil sie auch formal gar kein Laubengang sind, sondern durch Nebenerschließungen sind.

00:08:31: Man darf die möblieren, die dürfen aus Holz sein.

00:08:34: Und da steht der Grill, da steht das Sofa, da steht ein Tische.

00:08:38: Das ist so ein erweiterter Lebensraum.

00:08:41: Und der findet so nicht im öffentlichen, auf der öffentlichen Seite, sondern in der privaten Seite, aber in der gemeinschaftlichen Öffentlichkeit statt.

00:08:49: Was heißt das eigentlich energetisch?

00:08:51: Also so ein Treppenhaus ist ja auch dann nicht so kalt, wenn es innen liegt.

00:08:55: Brauchen die Wohnungstüren dann anderen Standards eigentlich?

00:08:59: Naja, gut, das ist wie bei jedem Laubengang.

00:09:02: Erschließungen hat man dann eben eine Wohnungstür, die gleichzeitig eine Außentür ist.

00:09:06: Wir haben Schutz, Verglasung und so weiter, klar.

00:09:09: Also man hat keinen Mehraufwand, sondern das ist einfach nur eine Tür weniger

00:09:13: quasi.

00:09:14: Also ich sag mal, die Außentür vom Laubengang, die ist schon aufwendiger und auch ein bisschen teurer als die Wohnungseingangstür.

00:09:20: Aber da geht es dann ins Detail.

00:09:21: Was lohnt sich?

00:09:22: Was ist jetzt energetisch besser?

00:09:23: Also letztendlich hat man Gebäude, was nach außen eine Hülle hat.

00:09:27: Ja, vor allen Dingen hat man ja auch Platz gewonnen.

00:09:29: Und

00:09:29: man hat Platz, man hat Platz gewonnen.

00:09:31: Und da haben wir natürlich auch Kosten gespart.

00:09:33: Weil Konstruktion einfacher, wenn es draußen liegt.

00:09:37: Oder warum Kosten gespart?

00:09:39: Kosten gespart, weil mehr Fläche fürs gleiche Geld sozusagen, also man hat mehr Wohnfläche, also Kosten bezogen auf die vermittlere Fläche und auch die Konstruktion einfacher.

00:09:49: Dadurch, dass da kein Treppenhaus zu umbauen ist, was dann ja oft im Holzbauer dann doch noch aus Beton gemacht wird, haben wir eine super einfache Konstruktion mit einfachen Spannenweiten und auch einen sehr flexiblen Grundriss.

00:10:02: Wenn da ein Treppenhaus drin Wer auch in dem Grund ist, dann wäre der eigentlich fertig.

00:10:07: Dann hätte man da kaum mehr Möglichkeiten, den zu unterteilen, den irgendwie unterschiedlich zu schalten.

00:10:12: Und das war schon auch ein Ziel von einfach bauen, einfache Struktur, die aber sehr flexibel nutzbar ist durch die BewohnerInnen.

00:10:22: Könnte das salonfähig werden?

00:10:24: Dass Treppenhäuser mehr nach außen kommen?

00:10:28: Kann man vielleicht jetzt nicht so ganz pauschal sagen, es hängt ja so ein bisschen vom Kontext ab.

00:10:33: Die Nachbarn sagen zum Teil schon auch, sie hören das ein bisschen.

00:10:36: Wenn man die Treppen

00:10:36: hoch geht.

00:10:37: Wenn man die Treppe rauf und runter geht.

00:10:38: Die Kinder, die nutzen das natürlich auch zum Spielen wissen.

00:10:41: Und dann ist es auch mal ein Kinderlärm, der dann entsteht.

00:10:44: Also es ist sicherlich lauter für die Nachbarschaft als ein innenliegendes Treppenhaus.

00:10:48: Aber eigentlich ja

00:10:49: schön.

00:10:49: Gerade diese Lebendigkeit und diese Möglichkeit auf unkompliziert in Kontakt zu kommen mit den anderen Hausbewohnern hin.

00:10:57: Das melden uns die Bewohnerinnen so, das wäre total schön.

00:11:01: Sie entstehen auf so dreier Gesprächskonstellationen.

00:11:04: Der eine ist im Garten, der andere ist auf seinem Laubengang, der dritte geht die Treppe hoch.

00:11:08: Und es ist ganz einfach eben so, in Kontakt zu kommen.

00:11:11: Ja.

00:11:12: Wie weit lässt sich Reduktion treiben, ohne Komfort zu verlieren?

00:11:15: Beziehungsweise wie weit lässt sich der Wunsch nach Komfort runterschrauben?

00:11:21: Für uns, wo die Frage vielleicht so ein bisschen hinsieht, ist ja so die Komfort an Technik, also auch an Automatisierung und Steuerung.

00:11:28: Auch da gibt es unterschiedliche Menschen, die einen finden es super cool, dass sie aus dem Urlaub schon im Flieger sitzen, mit dem Handy irgendwie die Heizung anmachen können.

00:11:36: Und für Andere ist es halt klar, ich rufe heute die Nachbarn an, können Sie mal bei uns mal die Heizung hochdrehen, ich bin in zwei Stunden zurück.

00:11:42: Das ist ja einfach ein anderer Umgang mit dem, was man vorfindet.

00:11:46: Und wir sind eigentlich jetzt auch von unserer Architektur Philosophie der Ansicht, eigentlich die Nutzerinnen, den kann man was zutrauen und auch ein Stück weit was zumuten.

00:11:56: Man darf auch verlangen, dass ein Fenster von Hand geöffnet wird.

00:12:00: Man darf auch verlangen, dass man auf den Knopf drückt, um irgendwie mal irgendwie Licht an und aus oder die Lüftung an und auszuschalten.

00:12:06: Es muss nicht alles automatisiert werden.

00:12:08: Und unsere Erfahrung ist eigentlich, dass diese Automatisierung und diese Steuerung in vielen Fällen auch nicht gut funktioniert.

00:12:14: Also auch bei öffentlichen Gebäuden, Schulen, Kindergärten und so weiter.

00:12:17: Also wo

00:12:17: ist auch... Wo es auch so eine Grenze gab, auch eine Diskussion in der Baugemeinschaft ist beim Aufzug.

00:12:24: Es ist natürlich bei einem fünf geschossigen Gebäude mit einer Außentreppe auch noch kein Aufzug einzubauen.

00:12:31: Das war schon durchaus diskussionswürdig, ob wir das so machen.

00:12:35: Und da haben wir uns letztendlich auch dafür entschieden zu sagen, wir machen es erst mal nicht.

00:12:39: Wir sehen das vor, dass es nachgerüstet werden kann.

00:12:42: So, das ist jederzeit möglich.

00:12:45: haben aber auch dann gesagt, wenn wir gucken mal, wer als Mieterin kommt und was die für Bedarfe haben.

00:12:51: Und haben dann auch ausgerechnet, wir müssten pro Quadratmeter in Euro-Fünfzig mehr Miete nehmen, wenn wir einen Aufzug einbauen.

00:12:58: Das hat einfach auch dann zur Folge, dass es ein anderes Klientel auf einmal ist, das dann da wohnen kann.

00:13:04: Und das muss ich erstmal auch leisten können, den Euro-Fünfzig mehr.

00:13:08: Und die Bewohnerin, die wir jetzt haben, die Gruppe, die hat gesagt, nee, wir brauchen erst mal keinen Aufzug, wir versuchen das mal so.

00:13:14: Das ist natürlich weniger komfort der einen Seite, aber auch ein Gewinn an finanziellen Ressourcen für die Bewohnerinnen, für uns erstmal weniger in den Westen.

00:13:24: Und so haben wir jetzt ein Gebäude stehen wie früher ein Gründerzeithaus, fünf Geschosse stehen vielen eben dran ohne Aufzug, aber es ist für Neubau natürlich ungewöhnlich.

00:13:33: Ja, es ist halt für jüngere Menschen geht das, aber wenn man älter wird und irgendwann nicht mit fünf Stufen hoch kommt, fünf Litagen manchmal.

00:13:43: Andererseits sagt man ja immer, dass was man täglich tut, kann man auch bis ins hohe Halter.

00:13:48: Nur ich meine, man kann ja immer durch irgendwas plötzlich einen Aufzug brauchen.

00:13:53: Es kann auch gut sein, dass der in zwanzig Jahren steht.

00:13:55: Das würde ich nicht ausschließen.

00:13:57: Aber ich kann mir auch vorstellen, dass in der Konstellation, weil es ja eine Gemeinschaft ist, die sich sehr gut versteht und wir haben ja unten eine barrierefreiertgeschosswohnung, dass dann vielleicht auch bei entwannen Wohnungstausch notwendig ist, wenn jemand aus einem höheren Geschoss dann vielleicht eine barrierefreie Wohnung bräuchte.

00:14:14: Das kann man sich in so einer Gruppe aber auch vorstellen, dass sowas funktionieren kann.

00:14:17: Werbung.

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00:14:23: Das Unternehmen unterstützt seine Anwender seit über zwanzig Jahren dabei, Liegenschaften sicherer, flexibler und effizienter zu bewirtschaften.

00:14:32: Salto ist stolz darauf, den Heinz-Architektur-Award seit vielen Jahren zu unterstützen und gratuliert den Preisträgerinnen und Preisträgern ganz herzlich.

00:14:41: Werbung Ende.

00:14:43: Es gibt auch in den Niederlanden diese Balken, die aus dem Haus ragen, um Lasten hochzuziehen.

00:14:48: Also wir hatten tatsächlich über so einen Lastenaufzug nachgedacht.

00:14:51: Also die berühmte Wasserkiste oder Bierkiste, die man dann in den vierten Stock tragen muss.

00:14:56: Das haben wir uns dann letztendlich nicht so richtig getraut aus eher aushaftungsfragen.

00:15:00: Wenn man das dann wirklich so richtig macht und dann... Irgendfell dann doch mal was runter und drunterspielen die Kinder.

00:15:06: Ja, das war irgendwann, am Anfang haben wir gedacht, ach komm, machen wir eben so einen ersten Aufzug.

00:15:11: Und im Scherz, im Notfall hängen wir mal den Rollstuhl dran und zieht den hoch, so ein bisschen flapsig drüber gesprochen, aber es ist jetzt... noch nicht umgesetzt.

00:15:21: Aber

00:15:21: könnte man eventuell...

00:15:23: Eigentlich wäre das cool.

00:15:24: Eigentlich wäre das super, weil das ist irgendwie das, was im Alltag, glaube ich, wirklich nervt, wenn man hoch wohnt, dass man eben dann doch mal schwere Sachen rauf und untertragen muss.

00:15:31: Oder wenn man kleine Kinder hat, dass das auch schon kaum ist.

00:15:33: Ja, genau.

00:15:34: Na gut, dann könnt ihr irgendwann einen Tragen helfen.

00:15:36: Wisst ihr, das können, muss man schaffen.

00:15:39: Was auch spannend ist, wenn man mit den Bewohnern spricht... dass die gar nicht das Gefühl haben, sie sind in einem einfachen Gebäude, weil das irgendwie jetzt vereinfachtstandard hat.

00:15:49: Bis auf den Aufzug ist es eigentlich so, dass sie sagen, und selbst jetzt habe ich nicht gehört, dass sie ihn vermissen, dass die einfach sagen, das ist ein tolles Haus.

00:15:57: Die kommen jetzt auch nicht auf den Neubau, die haben vorher auf dem Altbau gewohnt.

00:16:00: Nehmen wir erst mal wahr, dass es einen deutschen Mehrwert hat.

00:16:04: Die haben helle Räume, die haben ein sehr breit gefächertes Freiraumangebot mit dem Balkon, mit dem Garten.

00:16:12: Die Gemeinschaft Dachtterrasse ist ein Mehrwert, der gesehen wird und haben auch ganz unterschiedliche Qualitäten in den Außenräumen.

00:16:19: Wir haben einen sehr schattigen Hinterhof.

00:16:23: Der Garten ist eher ein großen Baum.

00:16:26: Bei der Jahreszeit im Sommer, wenn es heiß ist, ist es toll.

00:16:28: Und wenn es in der Übergangszeit ist, ist die Dachterrasse schon sehr früh natürlich ein beliebter Ort.

00:16:34: Die wohnen jetzt ein Jahr da und die erleben es gar nicht so, dass sie sagen, sie haben irgendwie wohnen da mit einem niedrigen Standard im Gegenteil.

00:16:44: Das Haus ist natürlich vom Dämmen her her hervorragend.

00:16:49: Es hat den Holzbau ein tolles Raumklima.

00:16:53: Also, da gibt es viele, viele, erstmal Aspekte, die die als nicht selbstverständlich ansehen und denken, ja, Sie haben da wirklich eine sehr, sehr hochwertige Wohnsituation.

00:17:04: Ja.

00:17:04: Ja, Schönheit spielt da eben auch eine Rolle.

00:17:06: Also es ist ja architektonisch gestaltet und total wertvoll.

00:17:10: Eben und sehr gut, dass wir jetzt nicht nur von worauf verzichtet man hier eigentlich, sondern was gewinnt man eigentlich.

00:17:14: Ihr habt doch auch richtig Bauteiljagd betrieben und gebrauchte Bauteile verwendet.

00:17:20: Ja, ganz

00:17:21: viel.

00:17:21: Wie

00:17:22: ist das für ein Schattenkampf?

00:17:22: Also habt ihr sozusagen gesammelt und geguckt, was finden wir und danach entworfen oder habt ihr erst entworfen und gesagt so und jetzt finde mal die Teile, die da zu

00:17:30: passen.

00:17:30: Das ist zweitig.

00:17:31: Also wir haben eigentlich quasi entwurf und eigentlich bis zum Bauantrag haben wir eigentlich geplant.

00:17:36: als ob es alles neu wäre.

00:17:39: Mit gewissen Überlegungen natürlich.

00:17:42: Wie kann ich später was Gebrauchtes einfügen?

00:17:45: Also da waren schon zum Teil einfach so bestimmte Konstruktionen so vorgerichtet, dass dann Balkongelände einfach zu montieren sind und so was.

00:17:53: Aber erstmal war es ein Neubau geplant und wir haben dann gezielt, gesucht, nach Bauteilen.

00:18:00: Manchmal auch genau die passenden gefunden und dann eben entweder die Bauteile.

00:18:04: an die Planung angepasst oder die Planung an die gefundenen Bauteile angepasst.

00:18:08: Wie ist das?

00:18:09: Also jetzt mal ganz ehrlich.

00:18:11: Wie schwierig ist das?

00:18:12: Wie nervig ist das?

00:18:14: Wie sehr wünscht man sich so, ich hätte gerne endlich ein Borteil, das einfach passt, sonst muss ich eine Idee über Bord werfen.

00:18:21: Oder ist es sogar so, das ist total befriedigend.

00:18:23: Und man sagt so, ja, das passt nicht.

00:18:26: Ich finde eine Lösung.

00:18:27: Also

00:18:28: ich würde sagen wie der Letzteres.

00:18:30: Wir haben sehr viel Spaß, es war eine schöne Herausforderung und wir haben tatsächlich erstmal ganz normal ausgeschrieben und haben dann aber mit den Firmen vereinbart, dass wir zum Beispiel im Sanitärbereich, dass wir eben auch gebrauchte Bauteile einbauen können, haben dafür dann einen EP-Posten gehabt, was ein Einbau von gebrauchten Teil uns kostet.

00:18:54: Und haben dann eine Liste gemacht mit möglichen Bauteilen, die wir einbauen könnten.

00:18:58: Und sind dann losgezogen und haben geguckt.

00:19:00: Und das war wirklich eine sehr spannende Zeit.

00:19:04: Es war teilweise wirklich eine Jagd nach Bauteilen.

00:19:07: Und wo habt ihr gejagt?

00:19:08: Und wir haben gejagt eigentlich überall, wo wir, finde ich, werden konnten.

00:19:13: Also wir hatten die Firmenkontakte natürlich genutzt, die es gab, hauptsächlich von Foundation.

00:19:19: Wir haben einen ganz geringen Teil von einer Bauteilbörse, weil die gab es in Kasselnot damals noch nicht, aber vom Bremen haben wir was geholt.

00:19:28: Und einen ganz großen Anteil haben wir, einen Bauteil haben wir tatsächlich über Ebay-Kleinernzeigen geholt.

00:19:35: Ich dachte jetzt Konkula oder so, aber...

00:19:36: Konkula haben wir auch, ja.

00:19:38: Da haben wir fürs Erdgeschoss die Klinkerverkleidung geholt, wobei ein Teil auch aus dem Abbruch von einem anderen Gebäude nebenan war.

00:19:47: Und sowas findet man auch bei Kleinanzeigen, wenn man sagt, sich so klinger?

00:19:52: Ja, bei Kleinanzeigen haben wir hauptsächlich diese ganzen Sanitärobjekte, also WC, Waschbecken mit kompletten Heizkörper eigentlich auch, auch Fasadenmaterial, Pflaster.

00:20:05: Das ist komplette Pflaster für den Außenbereich.

00:20:10: Auch in größerer Zahl.

00:20:11: Das

00:20:11: waren wir wirklich nicht klar, weil ich ja immer nur privat schaue.

00:20:14: Es gibt auch Firmen, die dann inserieren, gerade bei diesem Beton Pflasterstein.

00:20:18: Das sind dann auch eine Firma gewesen, die da einen großen Bestand hatte.

00:20:23: Wir haben über einen Fliesenleger, den wir von den Firmen, mit denen wir zu tun hatten, schon zuvor haben wir die Fliesen bekommen.

00:20:33: Westposten.

00:20:34: Also schon ein bunter Strauß und wir haben alle Wege genutzt, die sie mal gesehen haben so, die möglich wären.

00:20:41: Und das war, wie gesagt, das war dann auch sehr, sehr spannend und auch mit viel Spaß letztendlich verbunden, dann was zu finden, was ein zu eins passt.

00:20:51: Da gab es natürlich... Auch teurer hinterher.

00:20:56: Wir haben jetzt auch bei der Blechfassade, würde man sagen, das hat sich finanziell nicht gelohnt, aber wir haben tatsächlich auch in Bereichen wie bei den Sanitärabjekten und bei den Stahlgeländern haben wir auch richtig Geld gespart.

00:21:07: Also auch das hat funktioniert.

00:21:10: Für die Fassade ist das Kamerkonto auf jeden Fall gefüllt.

00:21:13: Genau, also das war vielleicht die einzige Ausnahme, dass wir mit Ethernet-Etex, ich glaube hier in dem Kontext haben wir auf so eine Firma, das war die einzigen mit der wir eigentlich vorhin in dem Kontakt waren.

00:21:23: weil wir mit der anderen Projekte länger verbunden waren.

00:21:27: Das war eigentlich das einzige, was wir vorher wussten, dass wir über die Ausschussplatten, Fassadenplatten bekommen können, die dadurch aus den wegen Farbfehler, wegen Kratzern aussortiert werden.

00:21:38: Die sind hundertprozent vollwertige Platten, also mit Zertifikat, sind nicht brennbar und so weiter.

00:21:47: Und die werden normalerweise da aussortiert und geschreddert.

00:21:51: Also auch nicht als zweite Wahl verkauft, sondern die werden klein gemacht, werden geschreddert und dann irgendwo als Granulat im Autobahnbau, was sich irgendwo down-gesikelt.

00:21:58: Und das war das einzige, was er wussten, was auch wichtig war, weil die Fassade ist im... nach Musterholzbaurichtlinien musste eben nicht brennbar sein.

00:22:07: Also das war ja schon so, dass wir auch dieser Einsatz von diesen gebrauchten Bauteilen an manchen Stellen an so eine Grenze hat.

00:22:15: benannten Wohnungseingangstüren mit F-III-Anforderungen, die sind nicht gebraucht, die sind irgendwie neu.

00:22:21: Aber es sind eben auch, fünfzehn Prozent der Fenster sind gebraucht.

00:22:24: und da war er so, dass wir, wir haben einfach mit, haben das allen erzählt, was wir vorhaben, mit Firmen, mit anderen, mit Architekten, den Kollegen und so was.

00:22:33: Und da gab es Hinweise und Tipps und irgendein Holzbauer, mit dem wir ein ganz anderes Projekt machen, gesagt, ich habe bei mir noch vierzig Fenster auf dem Hof stehen, die sind drei Jahre alt, dreifach Verglasung, Tipptopp, nageln neu.

00:22:44: Aber das Projekt, für die die hergestellt worden sind, ist nie realisiert worden, die stehen da rum.

00:22:49: Die können da haben, also auch nicht geschenkt, aber insofern sind es auch nicht nur gebrauchte Bauteile, sondern eben auch fehlproduzierte Bauteile, was jetzt Fassadmaterial angeht, was jetzt Fenster angeht.

00:23:00: Oder bei dem Fliesenleger, ich habe einen Restpostenlager, das muss ich jetzt mal leer räumen, das kommt jetzt alles weg.

00:23:05: Was das Besondere auch da war, also bin ich jetzt noch auf diese Fenster, die wir dann bekommen haben, die wirklich auch sehr hochwertig sind.

00:23:13: Und die wir dann alle genommen haben, die wir da verwendeten konnten für das Haus, das sind achtzehn Stück, achtzehn, ja.

00:23:20: Was das Besondere war ist, dass sowohl Foundation, also als Planerin, dass die dann zu flexibel waren, das nochmal auch die Planung anzupassen, aber auch der Holzbauer.

00:23:30: Also der hat den Holzbauer dann auch nochmal angepasst, obwohl er sozusagen schon fertig durchgeplant war.

00:23:35: Und wir hatten dann die Möglichkeit, weil war da eigentlich Bodentiefenfenster.

00:23:39: Vorgesehen hatten dann die einfach nur eine Brüstung einzubauen und dann diese Fenster eben zu verwenden.

00:23:47: Und da sind auch spannende Lösungen dann entwickelt worden.

00:23:50: Also das haben wir jetzt auch wieder von den Wohnern gehört, dass die das total schätzen, diese Situation, dass diese Fenster eingebaut sind.

00:23:58: Die sind mit einem eben nicht Bodentief, sondern haben eine vierzig Zentimeter hohe Brüstung.

00:24:03: Die werden eigentlich die Fenster mit ein Meter siebzig werden die so einbauen können, dass ganz normal mit einer Achtziger Brüstung oder so wären.

00:24:11: Und haben dann aber überlegt, wir könnten ja auch tiefer einbauen, dann kann man noch rausgehen.

00:24:16: Man stößt sich aber nicht den Kopf, wenn man noch einen Oberlicht dazu macht.

00:24:18: Und dann hat der Fensterbauer, der den neuen Fenster gebaut hat, die ergänzt mit dem Oberlicht.

00:24:23: Wir haben eine Situation, wir haben ein gebrauchtes Fenster, was nie eingebaut war, ergänzt durch ein neues Oberlicht und eine Brüstung unten.

00:24:32: Und diese Brüstung wäre total genutzt, von den Kindern da drauf zu sitzen, der Balkon ist dagegen über.

00:24:38: Und man hat eigentlich eine Situation, die man nie geplant hätte, die aber jetzt... Mehrwert hat er.

00:24:44: Also es ist

00:24:44: ein Zimmer mit einem Balkon davor, was aber keine Tür hat zum Balkon.

00:24:48: Würde man natürlich nie so vorsehen.

00:24:51: Die Wohnung hat schon nochmal eine richtige Tür auf dem Balkon, aber das Zimmer eben nicht.

00:24:54: Aber man hat plötzlich so eine Brüstung und daraus auf diesen gefundenen entsteht plötzlich nicht nur eine neue Form, sondern auch eine neue Funktion.

00:25:04: Eben sozusagen so ein... So eine bei Kodbrüstung zu haben, wo ich mich reinsetzen kann und die nach drinnen wie nach draußen irgendwie eine Qualität plötzlich bringt.

00:25:12: Das ist ja wirklich auch Sitzflächen von einem Stuhl, normale Höhe.

00:25:15: Ganz normale Sitzflächenhöhe, das ist perfekt.

00:25:18: Da kann man vorstellen, dass irgendwann im Neubau, vielleicht mal solche Fenster jetzt mit Planen wert, die wir vorhin, hätte man die nie eingebaut.

00:25:27: In der Brüstung, wenn man auch bodentief einbauen kann.

00:25:30: Aber das hat eine Qualität, gerade wenn ich neben im Raum nebenan eh eine Tür habe, wo ich am Balkon dann doch trotzdem gehen kann.

00:25:36: Und ich kann eben

00:25:37: mit

00:25:37: einem

00:25:37: Schritt

00:25:37: rausgehen.

00:25:38: Ja, das ist toll.

00:25:39: Was ich auch schön finde ist, dass trotz all der Normierungen in Deutschland man sozusagen etwas tun kann.

00:25:45: ausbricht aus diesem Normierungsrasta, sage ich mal, an der Stelle.

00:25:50: Und es ist gar nicht auf ersten Blick zu sehen, das ist auch das Schamante, finde ich, an dem Haus.

00:25:55: Es gibt viele gebrauchte Bauteile, da muss man wirklich zweimal hingucken und dann sieht man erst, ah ja, das ist ja entweder hier anders als normal.

00:26:02: Die Fenster hat ein bisschen eine andere Farbe als die neuen Fenster und die Geländer sieht man auch, die haben irgendwo noch eine Arbeit, eine kleine Ecke dran, eine Blume oder so.

00:26:13: Man weiß, das passt jetzt eigentlich vom Stil her nicht so ganz, aber irgendwie passt es doch genau rein.

00:26:18: Also das sind ganz spannende Effekte, die das hat, diese Brüche von diesem neuen und dem alten.

00:26:24: So ein entrücktes Detail mit einem komplett neuen Zusammenhang.

00:26:30: Ich habe gerade noch kurz gedacht, die Hersteller, wenn die auf so Margen sitzen und die einfach zerstören, ich dachte, das ist heutzutage ein bisschen weniger geworden, also dass man so B-Ware dann einfach nur wegwirft, da müsste es ja eigentlich einen regulierten Markt geben, dass die wieder zur Verfügung gestellt

00:26:47: werden.

00:26:48: Also die waren ja auch sofort interessiert dran, waren das auch

00:26:50: gut?

00:26:50: Genau, deswegen Erleichterung auf allen Seiten

00:26:53: im Endeffekt.

00:26:54: Also trotzdem hätten sie es ja weggeworfen, sonst, da könnte man auch Lösungen finden.

00:26:59: Aber das ist ein anderes Thema.

00:27:02: Ja, die Handwerker.

00:27:03: Du hast es eben schon erwähnt, Mario, oder du auch, glaube ich.

00:27:06: Aber wie sind die Handwerker und die Bauteam so insgesamt klargekommen damit?

00:27:11: War das so ein bisschen Überzeugungsarbeit auch, oder haben die gesagt, alles klar, wir nehmen hier der Herausforderung an?

00:27:17: Ja, okay, ich habe zwar so und so geplant, aber dann mache ich es halt jetzt anders.

00:27:21: Hat das nicht auch die Kosten ein bisschen in die Höhe getrieben, oder haben die gesagt, neuer

00:27:24: Gut?

00:27:24: Nähm Gegenteil.

00:27:25: Also die waren... Zum Beispiel jetzt im Sanitärbereich, die fanden das von Anfang an spannend.

00:27:31: Wir dachten auch, die hätten Interesse, ihre eigenen Sanitärobjekte mit ihren Aufschlägen zu verkaufen.

00:27:38: Aber die haben relativ schnell diese Idee erst mal unterstützt.

00:27:42: Haben auch gesehen, da kamen uns wieder die relativ einfach gehaltenen Architektur auch zugute.

00:27:48: Das ist nur ein Versorgungsstrang, also zwei, die Pro-Wohneinheit eine.

00:27:54: an denen die Bäder und die Küchen dran hängen.

00:27:56: und von daher haben die gesagt, das ist ja vom Aufwand her für uns relativ überschaubar.

00:28:00: und wir haben dann auch, das haben wir mit mehreren Firmen gemacht, uns dann auf so eine kooperative Zusammenarbeit verständigt, sodass wir gesagt haben, wir müssen jetzt nicht nach Ausschreibung und Breitspiegel unbedingt abrechnen, sondern wir zahlen das, was wirklich an Arbeit anfällt.

00:28:16: Das war irgendwie so auf Vertrauen gegenseitig und das hat auch gut funktioniert.

00:28:22: Und sie haben dann tatsächlich auch motiviert, diese gebrauchten Sachen eingebauten

00:28:27: für uns.

00:28:27: Und

00:28:28: über ein Festpreis pro eingebaute Heizkörper zum Beispiel, wurde das mit denen vorab vereinbart.

00:28:35: Und das hat sich eigentlich, finde ich, durchgezogen.

00:28:37: Also wir haben keinem Gewerkschlechterfahrung gemacht, um das wieder gebrauchte Bauteile eingebaut haben.

00:28:46: Schön.

00:28:47: Genau.

00:28:47: Es waren manche Firmen, die fand es von vornherein toll.

00:28:49: Ich gab auch Firmen dabei.

00:28:52: Ich sag dann, was ist das denn?

00:28:53: So ein Mist und so und mit denen haben wir auch nichts zusammengearbeitet dann.

00:28:56: Und jetzt bei der Hausdinnigfirma, das ist wirklich eine ganz klassische traditionelle Hausdinnigfirma vom Dorf, sag ich mal, die am Anfang, die hat ein Angebot abgegeben, aber hatten das gar nicht verstanden gehabt.

00:29:07: Und beim Vergabegespräch Räuse, was ist denn eigentlich mit diesem Räuse eigentlich?

00:29:10: und so, dann haben wir erst mal die News erklärt und so, ach so, das ist ja spannend, das ist ja interessant.

00:29:15: Also wo dann wirklich auch sozusagen auch bei den gegenüber so einen Lernprozesse ist vielleicht ein bisschen viel gesagt oder ein bisschen anmaßend, aber so gesagt, ja, Mensch, das finden wir, das finden wir echt toll, das finden wir gut.

00:29:26: Und das war dann für andere, also da wusste wirklich jetzt bei der Fassade oder auch bei diesen Blechplatten auf dem Dach und so bei verschiedenen Bauteilen, wo sehr viele gebrauchte Bauteile eingesetzt wurden, da haben wir dann eben wirklich Bauteams gebildet.

00:29:42: Auch

00:29:43: erst mal Handwerker, die wir gut kannten, also aus unserer... Historie,

00:29:48: kleine Betriebe, kleine

00:29:50: Betriebe oder auch einzelne, die dann zusammengearbeitet haben und die dann eben auch gesagt haben, okay, wir brauchen euren neuen Hau.

00:29:57: Wir wissen jetzt auch nicht ganz genau, wie kriegt man jetzt dieses gebrauchte Bauteil da gut verbunden mit dem Baukörper und wir kaufen, wir liefern die Baumaterialien und ihr baut sie ein und schreibt Stunden auf.

00:30:07: Und es war halt wirklich auf Augenhöhe jetzt zwischen Planung und Ausführung.

00:30:12: Und das hat auch eine total andere sehr positive Bestimmung auf der Baustelle gemacht.

00:30:17: Es war eben nicht so dieses von oben herab und es war auch nicht irgendwie eine Mängelanzeige und Bedenkenanmeldung nach der anderen.

00:30:24: Keine Einzige in der ganzen Zeit, gehört man ja denken mit gebrauchten Bauteilen, dass alle Bedenkenhäusern eigentlich keine Einzige, sondern es war wirklich so ein gemeinsames kooperatives Agieren, wie man es sich eigentlich beim Bauen wirklich wünschen würde und was so oft nicht funktioniert.

00:30:39: Also gerade bei öffentlichen Ausschreibungen ist so eine ganz andere Stimmung auf der Baustelle.

00:30:46: Die Planung an sich hat für uns schon auch einen höheren Aufwand bedeutet, weil es zum Teil so ein zirkuläres Plan war, wo man bestimmte Sachen immer wieder neu anpassen muss.

00:30:56: Aber dass wir diesen ganzen Schriftverkehr und diese ganze Mängelbewältigung und diese Bedenkenbewältigung, die man sonst als Architekt auch machen muss, dass er die nicht hatte, Das hat auch ganz viel an Aufwand aufgewogen.

00:31:10: Und zwar insgesamt, also es war eine sehr angenehme Baustelle.

00:31:14: Auch schon allein, glaube ich, durch den Holzbau, weil der einfach eine besondere Baustelle in der Atmosphäre macht.

00:31:18: Das riecht anders, es ist trocken, es ist nicht laut, das haben wir auf jeden Fall unberichtige gesehen von einem anderen Projekt, das einfach eine sehr leises Bauen ist im Holzbau.

00:31:29: Und das kombiniert dann auch mit diesen gebrauchten Bauteilen.

00:31:32: Das hatte schon einen sehr speziellen Baustellencharakter.

00:31:37: Jetzt ist das ja immer bei Baugruppen nur bisher zu sehen, so eine Art von glücklichen Bauen, sage ich mal, im Sinne von auf Augenhöhe bauen und gebrauchte Bauteile benutzen usw.

00:31:50: Kann man sich das mal vorstellen, dass man die öffentliche Hand davon überzeugt, das zu tun?

00:31:54: Ich

00:31:58: habe manchmal einen Eindruck, man muss da gar nicht mehr so viel überzeugen, die finden das gut oder das sind viele, die das wirklich gut finden.

00:32:06: Aber man müsste so ein paar Gesetze ändern.

00:32:08: Also die ganze Vergabe-Technik, also die ganzen Vergaberegeln, das ganze System, wie öffentliche Vergabe funktioniert, ist da nicht drauf ausgelegt.

00:32:18: Und auch, da ist ja auch einiges in Bewegung, da gibt es ja auch von den Architektenkammern und so weiter.

00:32:24: Und von Verbänden gibt es ja auch da Initiativen und Überlegungen sozusagen, auch Umbau zu erleichtern, aber eben auch gebrauchte Bauteile zu verwenden, also auch Haftungsfragen zu klären.

00:32:35: Das sind eher Sachen, wo es daran scheitert und wo wir als private Baugemeinschaft einfach gesagt haben, das Risiko, das tragen wir.

00:32:45: Wir können das Risiko tragen.

00:32:47: Und jemand in der öffentlichen Hand kann halt schlecht sagen, ja, komm, ich bin nicht so mutig, trage das Risiko.

00:32:51: Der kriegt dann einfach sozusagen, der darf das gar nicht tragen wollen, sozusagen.

00:32:56: Ja, okay.

00:32:58: Das war ein kleiner Exkurs.

00:33:00: Was ich noch gerne sagen will, es ist auch... Reversibel konstruiert, das daran habt ihr auch gedacht.

00:33:06: Also man kann es wieder auseinander bauen und ein anderes Haus daraus bauen, wenn man irgendwann möchte.

00:33:12: Ja, wenn wir mal zu dem Thema Kooperation und Gemeinschaft kommen.

00:33:17: Wie ist denn die Arbeit mit Baugruppen, Matthias?

00:33:20: Hier gibt es ja jetzt ganz klar eine besondere Verbindung, aber ihr arbeitet ja häufig mit Baugruppen zusammen.

00:33:26: Was ist das Besondere an dieser Form der Zusammenarbeit?

00:33:30: Impositiven, weil ich kenne auch das Durchaus von das Architekt in den Seiten, dass sie sagen, Baugruppen, anstrengend, will ich nicht.

00:33:37: Auf jeden Fall anstrengend.

00:33:41: Ist es schon.

00:33:42: und eigentlich muss man auch vereinbaren, dass es dafür für den Mehraufwand, den man hat, dass das auch honoriert wird.

00:33:49: Wenn man es jetzt nicht für sich selber macht, dann ist es ja ein Stück Eigenleistung, die man dann einbringt.

00:33:55: Oder man muss jemand dazunehmen, der wirklich sozusagen diese Moderation, diese Betreuung, diese Führung der Baugemeinschaft übernimmt.

00:34:05: Wenn das Auge vom Architekten erwartet wird, dann ist es einfach eine Zusatzleistung.

00:34:09: Ich glaube, was eigentlich noch schlimmer ist, ist... Investor mit ganz vielen Eigenlutzern.

00:34:14: Also eine große Eigentümergemeinschaft, die sozusagen als Investoren auftritt oder dann vielleicht auch für sich selber was baut.

00:34:21: Da muss gar kein Gemeinschaftsgedanke dabei stecken.

00:34:23: Aber jeder will sein, fahrt individuell und am Schluss hat man dann mehr Familienhaus mit zwanzig Wohnungen und baut eigentlich, plant eigentlich zwanzig Einfamilienhäuser.

00:34:31: Also das ist ja generell eine Problematik, wenn es viele Eigentümer gibt, die da selbst drin wohnen wollen.

00:34:36: Weil als Eigentümerin, wenn du selbst wohnen willst, willst du dich natürlich auch selber verwirklichen.

00:34:40: Und ich glaube, da sind Baugemeinschaften, wenn die gut organisiert sind, dann ist es einfacher mit Baugemeinschaften, mit gut organisierten Baugemeinschaften zu arbeiten als mit so einer confusen, großen Eigentümeringemeinschaft.

00:34:56: Und letztendlich ist das, was wir einfach gut finden.

00:35:01: Wir machen Architektur natürlich auch, um damit irgendwie Geld zu verdienen.

00:35:07: Aber wir machen auch, weil wir dann selber gewisse Ideologie verfolgen und wir wollen nachhaltig bauen und wir wollen gemeinschaftliches Bauen fördern und wir wollen sozialverträgliches Bauen haben und das ist einfach das der Purpose von unserem Büro sozusagen und dadurch macht uns die Arbeit auch Spaß.

00:35:26: Genau und das ist schon noch etwas Besonderes bei dem Projekt, dass es gelungen ist, jedem gemeinschaftliches.

00:35:32: Mietwohnungsmodell auch zu etablieren.

00:35:35: Das war von Anfang an unsere Idee, dass wir eine Gemeinschaft finden, die das zusammenmietet.

00:35:41: Aber aber nicht klar, ob das überhaupt funktionieren kann.

00:35:43: Typisch ist ja, dass Baugemeinschaften eher für Eigenbedarf bauen, aber jetzt nicht, um das zu vermieten.

00:35:49: Finde ich die glückliche Situation, dass eigentlich alle, die das Projekt, die da Geld reingeschleckt haben, gesagt haben, wir wollen das Geld sinnvoll irgendwo anlegen, aber Rendite steht nicht im Vordergrund, es soll auch noch kostengünstig vermitbar bleiben.

00:36:03: Und dadurch aber auch ein bisschen zurückgesprungen sind von irgendwelchen Ansprüchen überall mitreden zu wollen, sondern da gab es auch ein großes Vertrauen der Planungsgruppe gegenüber zu sagen, macht das mal, wir lassen euch da agieren und wir sind unterstützend ein bisschen im Hintergrund, da bestimmt die Hälfte der Gruppe hat sich da auch sehr zurückgenommen.

00:36:21: Und dann haben wir tatsächlich aber auch eine Mieterschaft jetzt die... perfekt zu diesem Haus passt.

00:36:27: Also die gesamte Baugruppe wohnt gar nicht in dem Haus?

00:36:30: Wohnt gar nicht, genau.

00:36:31: Wir hatten, also ich und meine Partnerin, wir hatten es eine Zeitnahme überlegt, uns offen gehalten, aber haben uns auch dagegen entschieden und haben dann ganz gezielt nach einer Gruppe gesucht, die das Haus mietet und die auch ein bisschen hinter dieser Ideologie natürlich steht.

00:36:45: Und das hat super geklappt und die melden uns auch zurück, dass sie fühlen, dieses Art von Gebäude dass es einen riesen Bedarf gibt, also von ihren Bekanntenkreis von Besuchern, die da jetzt hinkommen und das Haus sehen, gibt es ganz oft die Rückmeldung, also das wäre genau das, was wir auch suchen.

00:37:04: Also ein Bedarf, glaube ich, ist sehr hoch am gemeinschaftlichen, gerade auch im gemeinschaftlichen Mietwohnen.

00:37:10: Ja, und zieht ihr dann weiter und macht dann nochmal als Baugruppe was?

00:37:16: Also diese Baugruppe, das war jetzt einmalig für dieses Projekt und auch, wie gesagt, Durch diese persönliche Verbindung habe ich auch durch Mats initiiert, der diese Idee hatte.

00:37:26: Es gab einfach jetzt schnell diese Gruppe, die gesagt haben, das finden wir klasse.

00:37:31: Wir wissen, was ihr auch für qualitativ hochwertige Architektur macht als Büro.

00:37:36: Da können wir relativ ohne Vorbehalte mit reingehen.

00:37:40: Aber wir sind jetzt keine klassischen Investoren, die irgendwie Geld anlegen in Immobilien, sondern es war jetzt einmalig

00:37:46: für alle, glaube

00:37:47: ich.

00:37:48: Und wie geht es bei Foundation Five Plus weiter?

00:37:51: Ja, wir warten jetzt das nach der Preisverleihung von einem Heinze Preis, dass jetzt alle Telefone heiß laufen und alle bei uns anrufen und auch sowas haben wollen.

00:37:59: Ja, super.

00:38:00: Das wird bestimmt passieren.

00:38:03: Ich

00:38:03: danke euch ganz herzlich für das Interview.

00:38:07: Matthias Pfeuzig und Mario Höbel für das Gespräch.

00:38:10: Vielen Dank und Gratulation nochmal.

00:38:12: Vielen Dank.

00:38:14: Und das war's für heute.

00:38:15: Wenn ihr auf dem Laufenden bleiben wollt, was das aktuelle Bauwendegeschehen betrifft, dann könnt ihr auf der Seite Bauwende-News.de, alle Infos zur Bauwende gebündelt finden und auch alle Podcastfolgen.

00:38:29: Das Interview ist auf dem Heinze Klimafestival entstanden und nach dem Klimafestival ist.

00:38:35: vor dem Klimafestival, wenn ihr Informationen darüber möchtet, dann findet ihr dies unter Heinze.Klimafestival.de, beide Links findet ihr in den Show notes.

00:38:45: Ich freue mich, wenn ihr beim nächsten Mal wieder rein hört, habt eine schöne Zeit.

00:38:49: Tschüss.

00:38:49: Architektur.

00:38:53: Das war der Heinze Podcast-Architektur-Funk, Host, Moderation, Redaktion, CastingKunikat, Executive Producer Andreas Göppel, Producer, Project Management Nadine Judiakis, Sound Design & Editing, CastingKunikat, Design & Visual Assets, Heinze Media, Social Media Content, Claudia van Ravenstein im Auftrag der Heinze GmbH.

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