#203 – Fionn und Simon Mögel, Querkopf Architekten: Von der Wäscherei zur Wohnanlage

Shownotes

Ein alte Wäscherei von 1900 verbarg sich als verstecktes Areal schlafend hinter hohen Mauern bis es entdeckt wurde: Fionn und Simon Mögel von Querkopf Architekten erzählen, wie sie in Kassel das introvertierte Industrieensemble in ein offenes Wohnquartier verwandelt haben. Es geht um das Freilegen von Qualitäten, um Denkmalschutz als Inspiration, um Entsiegelung, Materialentscheidungen und die Verantwortung gegenüber Stadt und Nachbarschaft. Und um die Erfahrung, wenn Architektur Entwicklung, Bau und Haltung zugleich ist. Das Projekt wurde mit dem Heinze ArchitekturAward ausgezeichnet. Das Interview fand auf dem Heinze Klimafestival statt, geführt von Kerstin Kuhnekath. querkopf-architekten.de Projektbeschreibung Award

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00:00:03: Architekturfunk, der Heinze Podcast.

00:00:06: Herzlich willkommen zum Heinze Architekturfunk Episode twohundertdrei am zweiundzwanzigsten Januar zwanzig sechsundzwanzig.

00:00:13: Mein Name ist Kerstin Kuhnekart und heute spreche ich mit Fion und Simon Mögel von Querkopfarchitekten.

00:00:19: Wir steigen ein ins

00:00:20: Gespräch.

00:00:21: Herzlich willkommen im Heinz-Architektur von Fionn und Simon Mögel von Querkopf-Architekten.

00:00:27: Das Hamburger Büro Querkopf-Architekten wurde von dir, Fionn, Mögel und Vasfi Taha gegründet.

00:00:35: Genau,

00:00:35: ja.

00:00:35: Es ist lange her, also es steht schon lange, das Büro betreut Projekte von der Konzept- und Entwicklungsphase über Architektur und Bauleitung bis zur Fertigstellung und bietet Beratungsleistungen im Bereich Projektentwicklung und Portfoliooptimierung an.

00:00:50: So steht es auf eurer Website, so habe ich es übernommen.

00:00:53: Querkopfarchitekten realisieren unter anderem Wohnhotel und Bürogebäude.

00:00:58: Und ihr habt mit dem Wäscherei-Quartier in Kassel den Heinz-Architektur-Award gewonnen.

00:01:03: Herzlichen Glückwunsch dazu.

00:01:05: Darüber möchte ich gerne mit euch sprechen über dieses Projekt und den Umgang mit Bestand- und Denkmalschutz.

00:01:13: Werbung.

00:01:14: Salto liefert modernste Lösungen für das Zutritts- und Identitätsmanagement.

00:01:19: Das Unternehmen unterstützt seine Anwender seit über zwanzig Jahren dabei, Liegenschaften sicherer, flexibler und effizienter zu bewirtschaften.

00:01:28: Salto ist stolz darauf, den Heinz-Architektur-Award seit vielen Jahren zu unterstützen und gratuliert den Preisträgerinnen und Preisträgern ganz herzlich.

00:01:37: Werbung Ende.

00:01:39: Also die alte Wäscherei von nineteenhundert liegt im vorderen Westen Kassels, einem Viertel mit besonders viel erhaltener Jugendstilarchitektur.

00:01:47: Es ist nicht so, dass ich da schon war, auch das habe ich nachgelesen in eurer Projektbeschreibung oder Objektbeschreibung.

00:01:53: Was war Ihr erster Gedanke, als Ihr im Zuge der Entwicklung eines Wohnquartiers dieses Grundstück mit der alten Wäscherei gesehen

00:02:01: habt?

00:02:02: Es war für uns total überraschend.

00:02:05: Also es ist wirklich... Kassel hat ja fast ninety-fünf Prozent des Bestandes verloren im Krieg und zerstört, also total zerstört.

00:02:17: Und dieser vordere Westen ist so ein Stadtteil, der noch erinnert an eine alte Substanz und alte Geschichte in der Stadt.

00:02:25: und dieses Quartier, also ich glaube, man kann eigentlich sagen, wir haben es erst zu einem kleinen Quartier.

00:02:32: gemacht.

00:02:34: Das hat sich versteckt hinter einer zweieinhalb Meter hohen Stahlmauer.

00:02:37: Also selbst die Nachbarn oder Anwohner aus der Straße kannten, wussten gar nicht, was da so richtig liegt.

00:02:46: Also man hat es von der Straße nicht gesehen, es liegt zurück versetzt hinter der Blockrand-Bebauung und es ist der Tag deiner Hochzeit gewesen.

00:02:56: Als ich die erste Besichtigung gemacht habe.

00:02:59: Ja, das stimmt.

00:03:00: Ich kann nicht zu deiner Hochzeit kommen, ich muss

00:03:03: sowas... Nein, nein, es war der Tag nach der Hochzeit.

00:03:06: Ich muss es noch mal schnell los, ich verabschiede noch von der Besichtigung.

00:03:09: Ein paar Tage später waren wir dann auch da und es war schon so das Gefühl, dass es eigentlich was war, was nicht erlebbar war, aus dem Stadtraum heraus und man so dieses Tor sich aufgeschoben hat, man so dahinter gegangen ist und eigentlich erst festgestellt hat, was da eigentlich liegt.

00:03:26: gleich so das Gefühl hatten, es wäre eigentlich schön, wenn das auch anderen Menschen zugänglich ist und nicht so versteckt im Hinterhof liegt.

00:03:33: Ja, es war wie, es war Schatzsuche.

00:03:36: Also wirklich, wirklich.

00:03:37: Jetzt nicht im Sinne von Investoren-Schatz, sondern im Sinne von wow, das ist irgendwie unsere Heimat, das ist unsere Stadt, in der wir zwanzig Jahre gelebt haben und eine Ausbildung gemacht haben und du dann ja auch noch studiert hast an der Uni in Kassel.

00:03:52: Ich bin dann schon weitergezogen früher und es war unfassbar, also wirklich ein bisschen Märchenmoment.

00:04:03: Und ihr seid selber dahin gekommen oder es gab jetzt keinen Entwickler vorher, der gesagt hat, guck mal

00:04:10: hier.

00:04:11: Nein, nein, wir sind der Entwickler.

00:04:12: Also wir sind Investor, wir sind Architekturbüro und wir sind Baufirma.

00:04:16: Super,

00:04:17: das ist eine optimale...

00:04:19: Mit thirty-fünf Leuten im gewerblichen, also im handwerklichen Bereich.

00:04:23: Wir haben den Betonbau gemacht, wir haben die Sichtbetonflächen gemacht, Fassade, Pflasterarbeiten, Außenanlagen, den gesamten Ausbau, alles mit dem eigenen Team.

00:04:36: Ich glaube nur zwei Wochen vor der ersten Besichtigung... hatte ich einen, ich stand mit einem Freund vor Engel und Völkers und er sagte, Mensch, ich habe irgendwie dreihunderttausend Euro auf dem Konto und ich weiß gar nicht, was ich damit machen soll.

00:04:49: und dann standen wir am Schaufenster und habe ihm so ein paar Sachen erklärt und gesagt, Mensch, hier kannst du das und so und bin dann irgendwie, ich weiß nicht, warum, ich bin reingegangen und habe meine Visitenkarte da gelassen und gesagt, wenn Sie mal so was richtig Cooles haben, so, so richtig so einen kleinen Traum, dann bitte an mich schicken.

00:05:08: Und das hat zwei, drei Wochen gedauert, und dann kam dieses Exposé.

00:05:12: Und dann dachte ich, gut, wir gucken uns das mal an.

00:05:17: Und dann stand ich da mit einem kleinen Karton aus Simon's Hochzeit und hab auch mich verstanden mit der Verkäuferin.

00:05:28: Also das ist so... Sie ist da aufgewachsen, Familienbetrieb, selbst als Kind im Hof gespielt.

00:05:36: Sie hatte eine sehr, sehr emotionale Beziehung auch zu diesem Gebäude und ihr war es wichtig.

00:05:41: Also sie hat es auch nicht gesagt, ja alles klar, ich verkaufe das jetzt und los geht, sondern sie wollte auch ein Konzept sehen, was sie überzeugt, obwohl sie es eigentlich los werden

00:05:52: wollte.

00:05:52: Also sie hat erst verkauft, als ihr auch ein Konzept vorgelegt

00:05:57: habt.

00:05:57: Genau.

00:05:58: Also es ging nicht darum, was bekomme ich, sondern es ging darum, was wird

00:06:02: es.

00:06:03: Wie wird es auch emotional weitergetragen?

00:06:04: Das war für Sie ganz wichtig.

00:06:06: Ja.

00:06:06: Was ist es denn geworden?

00:06:10: Was ist es geworden?

00:06:12: Es ist ein kleines Quartier.

00:06:16: Es ist ein kleines Wohnquartier mit dreißig Einheiten geworden, mit Nativgarage, mit ganz, ganz viel grünen Gartenfläche, mit dem Erhalt von alten Obstbäumen.

00:06:30: sehr sehr liebevoll und so diese Idee, dieses Gefühl von wir kommen in dieses Quartier, in diesen Hof, das war eigentlich vom ersten Moment an für uns da, dass wir, obwohl es eigentlich nur viertausend Quadratmeter Wohnfläche hat, irgendwie was Eigenständiges ist, also wirklich ein Quartier.

00:06:52: sein kann.

00:06:53: Und über diese Quartiersidee, es gibt ja nicht nur diesen Riegel mit der Aufstockung, es gibt ja auch an der Straße noch den Neubau und dieses Ganze mit dem Punthaus, mit der Produktionshalle, also diese sechs Baukörper eigentlich, die finden dann über die Gestaltung dieser Zugehörigkeit, über diesen gemeinsamen Garten,

00:07:14: über diesen Innenhof.

00:07:16: Und wie seid ihr da rangegangen, einwurflich, architektonisch?

00:07:22: Es ist

00:07:24: Chaos

00:07:24: verstehen.

00:07:26: Also erstmal sehr vorsichtig.

00:07:28: Verstehen, was liegt eigentlich da?

00:07:31: Diese alte Fabrikindustrie hat über die Jahre relativ viele Anbauten gekriegt und ist sehr verbastelt worden.

00:07:37: Fenster sind zugemauert worden.

00:07:41: Es ist eigentlich nicht sehr gut damit umgegangen worden und wir haben erst mal schichtenfrei gelegt und geguckt.

00:07:47: Was ist eigentlich die Substanz, die erhaltenswert ist?

00:07:50: Was macht dieses Quartier aus?

00:07:52: Und wo muss man zurückbauen, um wieder Inhöfe zu schaffen?

00:07:56: Auch irgendwie Licht in dieses Quartier, in die Flächen zu bekommen, Freiräum zu kommen und eine Nutzung dafür zu finden.

00:08:05: Das war eine sehr behutsame Herangehensweise im Entwurf.

00:08:11: Also dieses Rausschälen von... Was ist eigentlich erhaltenswert?

00:08:17: Da ist ganz, ganz viel Arbeit passiert.

00:08:19: Ich glaube, über tausend, einhundert Quadratmeter entsiegelte Fläche, also deutlich größerer Fußabdruck, ganz, ganz viel eingeschossige Gebäude.

00:08:28: Und da erstmal wirklich zu gucken, was ist so diese Substanz, mit der man arbeiten kann und wo kann man Qualitäten an diese Substanz dranbringen?

00:08:39: Das war so die erste

00:08:40: Aufgabe.

00:08:41: Und die haben entsiegelt auch?

00:08:42: Ja.

00:08:43: Also

00:08:44: gerade so hat dieser Eingeschwassigen, dachte er, das hat keinen Zweck, lieber

00:08:49: weg.

00:08:49: Ja, uns war es wichtig, dass wir Freiräume schaffen, also dass wir wirklich sagen, es gibt einen Fokus auf wirklich erhaltenswerte Substanz.

00:08:57: Also da, wo der Backstein, es gab auch ganz viele Anbauten, die verputzt waren oder mit schlechten Stein oder aus Resten einfach hergestellt

00:09:06: waren.

00:09:06: Auch aus der Neuzeiteil war

00:09:07: es.

00:09:07: Genau.

00:09:08: Und da haben wir einfach gesagt, okay, wir wollen gar nicht.

00:09:12: Es geht ja gar nicht darum, die Fläche jetzt so super auszunutzen, im Sinne von wir stellen überall Würfel dran und bauen alles zu, sondern wirklich zu sagen, diese Idylle, die wir da gefunden haben, aufzuräumen, in was ist die echte Qualität von dem Bestand und wie können wir eigentlich geschickt erweitern im Zusammenspiel.

00:09:38: Das ist so ein bisschen diese Aufgabenstellung

00:09:40: da für uns gewesen.

00:09:41: Ja, und ihr habt dann auch erweitert mit einer ganz eigenen Sprache.

00:09:46: Ihr habt eine Dachaufstockung gemacht auf das alte Fabrikgebäude, die sich harmonisch vereinfügt, aber auch eigen ist.

00:09:56: Wie habt ihr die Balance da gefunden zwischen alt und neu?

00:10:00: Inszenierung des Alten vielleicht durch das Neue.

00:10:03: Was ist euch da durch den

00:10:04: Kopf gegangen?

00:10:06: Simon.

00:10:09: Was ist dir durch den Kopf gegangen?

00:10:12: Naja, Endeffekt haben wir das alte, es war relativ schnell klar, dass das alte Erhaltenswert ist und wir es auch erhalten werden.

00:10:20: Oder

00:10:20: das, was ihr als Erhaltenswert definiert habt, sozusagen

00:10:24: war dann klar.

00:10:24: Genau, das, was wir freigestellt haben und sind dann sehr behutsam eigentlich daran gegangen, sowohl vor Ort als auch zeichnerisch

00:10:32: geguckt,

00:10:33: kann man es erweitern, kann man was... Wie kann man dem eine neue Nutzung oder es in neuen Nutzungszyklus jetzt reinbringen mit einer zeitgemäßen Nutzung und haben das auch in der Proportion in den Studien relativ genau analysiert, um zu gucken, in wie weit kann man erweitern, ohne dass der Bestand verliert, irgendwie erdrückt wird durch Anbauten oder Aufbauten?

00:11:02: und sind letztendlich zu dem Entschluss gekommen, da aufzubauen über eine Etage, die aber auch sich in der Materialität sehr einfügt in dem, was wir dort vorgefunden haben.

00:11:15: Also sowohl in der Farbgebung, eingeklärt in die in die Farbgebung von dem Altbestand in den Backsteingebäuden als auch in den Stahlträgern, die wir gefunden haben in der Materialität, dass wir das weitergeführt haben, quasi einen Herauswachsen aus dem Bestand über Korteenstahlplatten und dann aber geguckt haben, wie weit wir mit der Geschossigkeit gehen können.

00:11:38: Und da waren wir zum Glück so frei, dass es keinen B-Plan gab, also den B-Plan haben wir auch dann zusammen mit der Stadt aufgestellt, dass wir auch genau sagen konnten, das ist letztendlich die Höhe, die wir brauchen für die Geschossigkeit und haben uns darüber ein bisschen angenehren.

00:11:59: Ja, also für uns war ganz klar wichtig, wir wollen diese Substanz erhalten, aber natürlich auch eine neue Identität finden.

00:12:13: Es ist so ein bisschen dieser Dialog, den man dann schafft zwischen dem, was da ist und dieses, was dazutun und irgendwie auch unsere eigene Linie noch dazugeben.

00:12:26: Also nur dieses Sanieren, klar, dann hat man da vier Jahre gearbeitet und am Ende steht da was, was da schon vor hundert Jahren stand und es sieht auch wieder genauso aus wie vor hundert Jahren und es war aber irgendwie vom ersten Moment wichtig, dass wir da noch was drauf setzen wollen.

00:12:43: dass wir irgendwie noch mehr darin sehen, als das, was da steht.

00:12:47: Ja, ja, vor allen Dingen, ich meine, wenn man auch Wohnungen schaffen will, braucht man ja auch den Platz, bei den ich aufgestockt hätte, der viel weniger Wohnungen nur unterbringen

00:12:57: könnte.

00:12:58: Klar, also wir wollten auch Gastronomie schaffen.

00:13:01: Wir wollten eigentlich von Anfang an diesen Raum öffnen.

00:13:04: Also es war nie die Idee, zu sagen, das ist irgendwas, wo wieder ein Stahltor vorkommt und die Öffentlichkeit hat wieder nichts davon, sondern es... Es war auch so eine emotionale Komponente, irgendwie unsere Heimat und Kassel gilt nicht als die schönste Stadt von Deutschland, aber irgendwie doch ein bisschen was dazu beizutragen, dass irgendwie so ein kleiner Leuchtturm da entsteht.

00:13:29: Aber eben zugänglich, also in dem Vorhaben bezogenen B-Plan haben wir auch einen großen Gebäudeteil, diese Produktionshalle mit dreiundzwanzig Quadratmetern, die ist im Vorhaben bezogenen B-Plan mit Nagastro.

00:13:42: vorgesehen.

00:13:42: und die Stadt hat dann da leider, ja, wir haben Schallschutzkonzepte gemacht, wir haben alles eingehalten, fertige Planung gehabt.

00:13:51: und dann hieß es, man sieht irgendwie Streitpotenzial mit den Nachbarn und würde da keine Genehmigung, keine finale Genehmigung erteilen.

00:14:00: und das ist natürlich schade, weil dann so ein Projekt auch irgendwie so ein Geschmack bekommt von, ja klar, das kann sich jetzt nur eine gewisse Schicht leisten und das... war nie die Idee.

00:14:12: Also

00:14:14: das heißt, die Idee war Erdgeschoss öffentlich machen, durftet ihr aber

00:14:18: nicht?

00:14:19: Ja, also nicht das ganze Erdgeschoss, dass die Leute nicht so tief ins Quartier reingehen, aber zumindest vorne am Parkplatz, die große Halle und aus dem Riegel das Erdgeschoss, siebenhundertvierzig Quadratmeter, sollten eine Gastronomie werden.

00:14:34: Skurril, ne?

00:14:35: Ich meine, man hat das ja oft in Wohnengebieten, dass da ein Restaurant ist oder so.

00:14:40: Und draußen

00:14:41: auch Tischchen?

00:14:42: Ja, gerade da.

00:14:43: Also gerade in so einem Gebiet, wo die Menschen wirklich auch leben wollen.

00:14:48: Wir haben dann im letzten Jahr einen Weihnachtsmarkt gemacht.

00:14:50: Dann haben wir einfach aus Altem, Restholz drei Hütten gebaut und in der Halle eine Kunstausstellung gemacht mit fünf Künstlern, die ihre Bilder da aufgehangen haben.

00:15:00: Und jetzt tatsächlich werden wir gerade überhäuft mit anfragen, ob der Weihnachtsmarkt wieder da ist.

00:15:05: Und die Leute standen da und haben... haben sich wirklich verliebt, also in diese Stimmung, in dieser Atmosphäre.

00:15:12: Und das war was, was wir schon ganz am Anfang gesehen haben, dass das irgendwie passieren wird, wenn man dann erst mal da drin ist und wenn man das sieht.

00:15:22: Und das war eigentlich was, was wir so ein bisschen diesem Stadtteil auch geben wollten.

00:15:27: Und da muss ich sagen, war diese fehlende Unterstützung in zumindest diesem Punkt der Stadt doch tatsächlich eine große Enttäuschung.

00:15:36: Okay, das heißt jetzt ist es doch ein exklusives Viertel für diese dreißig Parteien quasi, die da leben?

00:15:44: Nein, also wir haben immer noch kein Tor.

00:15:47: Man kann immer noch reinlaufen und es ist immer noch was, was wir auch nicht wollen, dass da ein Tor ist.

00:15:55: Wir genießen das, dass die Menschen da mit den Kindern, mit ihrem Hund am Wochenende, wie auch immer, reinspazieren und im Eingang stehen bleiben und in das Quartier schauen.

00:16:05: sich darüber freuen.

00:16:07: Also es soll nicht ein gated Wohnenkomplex sein, sondern es soll statt Raum sein und vielleicht wird es auch irgendwann wieder ein Weihnachtsmarkt geben, aber diesen Dezember werde ich Papa.

00:16:20: Da definitiv nicht.

00:16:21: Das ist ja schön.

00:16:24: Da kann man ja nochmal gratulieren.

00:16:26: Ja,

00:16:26: danke schön.

00:16:28: War denn der Denkmalschutz eher so inspirieren für den Entwurfsprozess oder eine Einschränkung?

00:16:34: Nein, das ist keine Einschränkung.

00:16:36: Also es ist natürlich, wenn man auf der grünen Wiese bauen kann, hat man natürlich alle Freiheiten und muss sich eigentlich an nichts halten.

00:16:42: Und in dem Moment, wo man aber einen Bestand hat, der unter Denkmalschutz liegt, ist es auch eine gewisse Inspiration.

00:16:47: Man kann sich daran orientieren.

00:16:49: Daraus zieht man, also man muss sich auch, man muss mit dieser, mit diesem Bestand, der da vorhanden ist, umgehen und muss auf ihn reagieren.

00:16:58: Und das ist ein sehr kreativer Prozess und der kann... durchaus eine Inspiration sein.

00:17:04: Das ist in keinem Fall eine Einschränkung,

00:17:06: würde ich sagen.

00:17:07: Ja.

00:17:08: Also es war so, dass wir relativ schnell in diese Konzeptentwicklung gestartet sind und ganz, ganz schnell wussten, was wir da machen wollen, also wussten, was wir da gesehen haben.

00:17:19: Und dann haben wir Grundrisse gemacht, Studien gemacht, kleine Dreidävisualisierungen gemacht und dann gab es diesen ersten Termin im Amt vor großer Runde.

00:17:30: Dann haben wir das präsentiert und der Amtsleiter sagte dann, dass wir seine volle Unterstützung haben.

00:17:36: Also wer wirklich von Anfang an total begeistert für diese Idee und hat verstanden, was wir da machen wollen und das war für uns, das war kein Krieg, also nicht dieser klassische Krieg mit dem Denkmalschutzamt, den irgendwie alle kennen.

00:17:53: und ehrlich gesagt... Es ist nicht das erste Projekt, also wir haben auch für die Hansi Merkur in Hamburg diese Eingangshalle, die steht hinter einer Bauverbotszone.

00:18:04: Also ich habe in keinem Beplan eine rote Linie gesehen bis jetzt nach fünfzehn Jahren, aber da schon und da haben wir eine Eingangssituation entwickelt und auch da war dieses Unterdenkmal Schutz stehende.

00:18:16: und wie geht man damit um?

00:18:18: und was setzt man dem entgegen, dass es eigentlich eine Inspiration als... eine Blockade für uns in der

00:18:26: Erfahrung.

00:18:28: Grenzen ausreizen

00:18:30: und ein

00:18:30: bisschen knifflig.

00:18:33: Ihr habt ja noch mal zurück zu Kassel, sichtbare Stahlträger, vertikale Fensterbänder und den historischen Schornstein bewusst als gestalterische Elemente genutzt.

00:18:44: Welche Bedeutung hat der Schornstein und wie habt ihr entschieden, was sichtbar bleibt

00:18:49: und was nicht?

00:18:50: Der Schornstein ist Das ist das Landmark dieser Wäscherei und klar war das teuer, den zu erhalten und ihn nicht einfach umzuschubsen.

00:19:01: Und klar wäre es einfacher, den nicht in die Dachkonstruktion einzubinden und da komplex anzudichten und Bewegungen aufzunehmen.

00:19:10: Aber das sind ja genau diese Dinge, die dann auch das so besonders machen.

00:19:15: Also alles, was an alten Elementen da ist.

00:19:19: wirklich zu erhalten, die Stahlträger nicht in Gips einzupacken, weil es der Brandschutz irgendwie fordert, sondern eine Lösung zu suchen.

00:19:26: Also es ist ja eine Herausforderung.

00:19:28: Wie geht man damit um?

00:19:29: Was finden wir für eine Lösung, damit der Stahlträger sichtbar ist?

00:19:33: Da gibt es technische Lösungen, aber das sind alles Herausforderungen.

00:19:37: Ja, und das ist in dem Projekt ja auch wichtig.

00:19:39: Also wenn man das alles einpackt und es ist nicht mehr sichtbar, dann muss man auch da nicht einziehen.

00:19:46: Also dann transportiert das auch keine Emotionen mehr.

00:19:48: Dann kann man auch einfach in den Neubau nebenan mit Wärme, dem Verbundsystem und weißen Wänden.

00:19:54: Das ist ein ganz, ganz wichtiges Element, das auch sichtbar zu lassen, sofern es technisch möglich ist.

00:20:02: Der Schornstand ist cool in der Küche.

00:20:04: Also ich wollte eigentlich einen Pizzarofen reinbauen.

00:20:09: Aber ihr wohnt ja nicht da.

00:20:10: Irgendeine glückliche Person hat die Wohnung mit?

00:20:14: Nein, nicht in der Wohnung.

00:20:15: Nein, die ist verkauft worden.

00:20:17: Ich bin tatsächlich in der Musterwohnung, schlaf auch immer da.

00:20:21: Ich bin jeden Montag in Kassel, ein bis zwei Tage.

00:20:24: Die Wohnung ist verkauft.

00:20:26: Ich konnte mich mit meiner Freundin nicht einigen, ob wir das Pent ausnehmen oder die Produktionshalle.

00:20:31: Und wir haben so lange diskutiert.

00:20:33: schneller verkauft worden ist, als wir zu einem Ergebnis gekommen sind.

00:20:38: Die Fassaden aus Cortenstall habt ihr eben schon gesagt und Sichtbeton greifen den Industriegescham des Ortes auf.

00:20:47: War Cortenstall klar?

00:20:49: Farbe spielte vielleicht eine Rolle?

00:20:50: Ja,

00:20:51: Farbe spielte auf jeden Fall eine Rolle und auch die Weitererzählung von dem Bestand unten war einfach... für uns relativ nahe liegen, dass wir das in die Fassade aufnehmen.

00:21:03: Und das Wichtig war auch für uns, dass sich der Aufbau, den wir oben drauf gesetzt haben, sehr zurücknimmt.

00:21:10: Also wir haben im Bestand unten eine relativ schöne... Backstandarchitektur mit vielen Rücksprüngen, Fensterbänken, mit sehr viel dekorativen Elementen.

00:21:21: Und der Neubau, den wir obendrauf gesetzt haben, der wächst eigentlich aus dem Gebäude raus, aber ist sehr zurückhaltend.

00:21:26: Es sind sehr klare Kanten.

00:21:28: Und wichtig war es uns, dass dieses Fassadenmaterial auch ins Dach überläuft, um das wirklich sehr cubistisch darzustellen.

00:21:35: Und da hat sich dann Korteenstall relativ schnell als ein sehr geeignetes Material, was optisch funktioniert, aber technisch

00:21:41: auch

00:21:41: funktioniert, herausgestellt.

00:21:42: Es ist einfach ein Produkt, was... was wartungsarm ist, also sowohl im Dach als auch in der Fassade.

00:21:49: und wenn wirklich mal was ist, dann kann man eine Platte austauschen.

00:21:53: Es nimmt so diese Farbwelt des Bestandes auf, aber antworte trotzdem ganz ganz klar in der Linie darauf, eben nicht mit dieser Detaillierung.

00:22:04: des Backsteins, aber trotzdem in der Detaillierung, wie schließe ich an das Fenster an, wo fließt das Wasser lang, wie nehme ich das auf, aber eben doch mit einer ganz klaren, einfachen Geometrie.

00:22:14: Und da sind wir relativ schnell bei diesem Produkt gelandet.

00:22:20: Das ist ja auch gut, wenn das so eine Eindeutigkeit ist.

00:22:22: Das ist auch genau das Richtige.

00:22:25: Ja, das Projekt nutzt Fernwärme und erreicht den KfW-Fünftig-Standard.

00:22:30: Wie seht ihr die Rolle der Energieeffizienz im Kontext von so einer Revitalisierung?

00:22:36: Wo liegen

00:22:36: die Grenzen technischer Optimierung

00:22:39: auch?

00:22:41: Die Grenzen liegen immer da.

00:22:44: Wie weit möchte ich mich der Herausforderung stellen?

00:22:48: Also ich glaube technisch ist sehr, sehr viel möglich.

00:22:53: Es ist immer die Frage, wie viel Zeit, wie viel Überlegung möchte ich da reinstecken.

00:22:57: Bin ich bereit, eine Sonderlösung zu entwickeln oder nehme ich den einfachen Weg, der ja auch oft bedeutet, ich schiebs weg mit dem Bagger.

00:23:04: Also der Neubau ist ein Jahr, eineinhalb Jahre früher fertig gewesen als die Revitalisierung.

00:23:10: Daran sieht man ja schon, obwohl da noch eine Tiefgarage drunter ist, daran sieht man ja schon diese Verhältnismäßigkeit, in dem Bestands in über fifteen Tausend Steine ausgetauscht wurden, um den... einen großen Teil zu rekonstruieren und da einen energetischen Standard hinzubekommen, ist einfach eine Herausforderung.

00:23:29: Also es ist eine Herausforderung, die macht uns Spaß und das stellen wir uns gerne, aber viele sagen dann natürlich auch aus Kostengründen nutzen, machen wir es dann doch nicht und dann wird auf der Weg des geringeren Widerstands genommen.

00:23:43: Wir haben oben bei bei der Aufstockung, wo Aufstockung und Bestand zusammenkommen, da sind so große Taschen, sollten da eingestämmt werden, die das Gleiten verhindern, der Aufstockung, also das Verschieben.

00:23:56: Und dann war das ein Kältebrückenthema und so weiter.

00:24:01: Und dann habe ich mich mit dem Statiker hingesetzt und gesagt, Mensch, wir haben hier für Villa Neo und für eine Villa von uns, haben wir aus Sichtbeton mit Schöck zusammen diesen ISO-Anker.

00:24:12: entwickelt, aus Kohlefaser, der im Grunde genommen eine Ortbetonfassade verbindet.

00:24:19: Lass uns das mit diesen Ankern machen und wir bohren die ein, wir kleben die ein, machen Auszugsversuche und dann sparen wir uns die Taschen am die Kältebrücken nicht mehr.

00:24:28: Er sagte, ja, es klappt eh nicht.

00:24:29: Wir kriegen niemals die Lasten hin und wir brauchen die Taschen.

00:24:32: Und ich sagte, okay, wir rufen einen Check an und die kommen und wir machen die Auszugsversuche.

00:24:36: Und dann konnten wir das darüber nachweisen.

00:24:39: Und wir haben keine Taschen.

00:24:40: Wir konnten die Kältebrückischen sparen.

00:24:45: Man findet Lösungen.

00:24:46: Also die Frage ist nicht, gibt es die Lösung, sondern bin ich bereit, sie zu finden,

00:24:50: glaube ich.

00:24:52: Also wart ihr sozusagen auch in einer idealen Lage, um das auch ausprobieren zu können, als eigene Bauherren

00:24:58: auch.

00:24:59: Ich habe den Bauherren nicht gesagt, wie du es hört.

00:25:02: Nein, natürlich, das ist ein Privileg in dieser Konstellation arbeiten zu dürfen und wir haben auch, ich würde sagen, eher durch die Architektenbrille geguckt als durch die Investorenbrille.

00:25:13: Also für uns ist... Das kalkulierte blaue Auge in Ordnung und irgendwie mit einem Architektenhonor aus so einem Projekt rauszugehen, ist mehr als das, was wir uns erträumen

00:25:25: konnten.

00:25:26: Ihr habt ja erweitert selber und habt ja auch daran gedacht, wie das irgendwann mal sein wird, wenn man eure Erweiterung wiederum erweitern muss.

00:25:36: Ich hoffe, das passiert nicht so schnell.

00:25:39: Da ist noch jemand drauf.

00:25:40: In hundert Jahren.

00:25:41: Ja, das ist okay.

00:25:43: Ja, also natürlich.

00:25:45: Wir haben Waldspanndecken eingesetzt, über den Bestand, also weit hisstgehend, stützenfreie Grundrisse geschaffen.

00:25:53: Das ganze Innenleben kann im Grunde genommen verändert werden.

00:25:58: Wie weit jemand an den Backsteinen oder an die Fassade will.

00:26:01: Gut, das wird man in hundert Jahren sehen.

00:26:03: Aber das, was wir tun konnten, um eine gute Basis zu bekommen, eine gute Struktur zu haben, haben wir.

00:26:11: Man muss natürlich immer gucken, wie die gesetzlichen Vorgaben sind.

00:26:14: Momentan war eigentlich so in der Grundrissentwicklung und in der Nutzung das größte Hindernis oder kein Hindernis, aber die größte Schwierigkeit, die Entfluchtungsthematik.

00:26:25: Das müssen wir natürlich generieren, dass das funktioniert.

00:26:29: Da ist man dann eben eingeschränkt, glaube ich, in der Nutzung.

00:26:31: Also man kann jetzt nicht hergehen und sagen, okay, in der Zukunft sind vielleicht kleinere Einheiten wünschenswert oder vermehrt kleinere Einheiten.

00:26:39: Also unterteile ich das alles.

00:26:41: Das wird dann der Bestand an der Stelle nicht hergehen.

00:26:43: Da ist auf jeden Fall eine Grenze erreicht, dass wir einfach in der Innenhoflage mit Feuerwehrzufahrt und mit den vorgegebenen Treppenhäusern da relativ eingeschränkt

00:26:52: sind.

00:26:53: Ja, aber ihr habt ja, das ist sozusagen ihr vorgegeben.

00:26:57: Da könnt ihr nichts dran machen.

00:26:58: Es ist so flexibel, wie es ist.

00:27:00: Genau.

00:27:01: Aber eine gewerbliche Nutzung, also ob das jetzt ein Architekt, ein Steuerberater, also immer ein kleines stilles Gewerbe.

00:27:09: Oder eine Anstaltungsfläche.

00:27:12: Also das ist schon so auch nochmal für das Erdgeschoss vor allen Dingen angedachten oder auch in den Etagen.

00:27:18: Na, es ist möglich.

00:27:19: Also die Erdgeschossflächen sind natürlich

00:27:22: da

00:27:23: gut geeignet, weil man eben noch zusätzliche Außenzugänge hat.

00:27:27: Jetzt ist erstmal der Fokus auf Wohnen, so ist jetzt der Vertrieb der letzten Einheiten.

00:27:34: Wenn aber jemand kommt, der ernsthaft da eine Gewerbenutzung macht und wir mit der Stadt vielleicht nach dem Weihnachtsmarkt irgendwie ausreichend gute Stimmung erzeugen konnten.

00:27:45: Also die kamen dann auch und haben gesagt, Mensch, das ist ja toll und ihr bringt die Menschen hier zusammen und das waren wirklich jeden Tag.

00:27:51: Zwei bis vierhundert Menschen da in dem kleinen Innenhof und es war toll.

00:27:58: Es hat gezeigt, dass es eben nicht nur Streit ist, Gastronomie.

00:28:04: Es kann auch ein Miteinander

00:28:05: sein.

00:28:07: In Berlin gab es ja auch eine Entscheidung, dass ein Klub nicht schließen muss, weil die Nachbarn, die sich da beschwert haben, laut Gerichtsurteil damit zu leben haben, dass sie eben den Vorteil dieser Stadt

00:28:18: haben

00:28:19: und dann aber nicht sozusagen auch alle Nachteile wegwischen können, sondern sie müssen, wenn sie die Vorteile haben, auch mit den Nachteilen leben.

00:28:28: Und das finde ich tatsächlich auch.

00:28:29: Wichtig, dass man sagt, die Gemeinschaft hat auch Bedürfnisse, nicht nur der Einzelne, der da sich reißen kann zu wohnen.

00:28:36: Ja, wir wollen das ja alle.

00:28:37: Also wir wollen ja Diversität und das gehört eben auch dazu.

00:28:41: Also es sind ja dann nicht nur Dinge, die ich gut finde, sondern auch einfach Dinge, die andere gut finden und das ertragen zu können und auch respektieren zu können ist, einfach unendlich wichtig für so eine Gemeinschaft oder für eine Staat.

00:28:56: Ja, ein homogenes, ein homogener Klecks irgendwo ist, wo sich Menschen

00:29:02: aufhalten,

00:29:03: sondern einfach für jeden auch was da sein

00:29:05: kann.

00:29:06: Und wo dann auch vor allen Dingen so um zehn Uhr dann die Bordsteine hochgeklappt werden, sage ich mal, wenn es reines Wohnen ist, das ist ja auch was... Was man offiziell

00:29:16: ja auch möchte, dass es

00:29:17: sich durchmischt und alles.

00:29:19: Aber irgendwie sind da die Verwaltung vielleicht noch ein bisschen

00:29:20: hinterher.

00:29:21: Also es war wirklich ärgerlich, weil wir hatten die Schallschutzmaßnahmen umgesetzt.

00:29:25: Es gab Gutachten.

00:29:26: Wir haben wirklich eine Spezialdämmung eingesetzt.

00:29:28: Beim Weihnachtsmarkt hatten wir dann auch so kleine Parties.

00:29:30: In der Halle, die Tür war zu, man hat draußen nichts gehört.

00:29:34: Also die baulichen Maßnahmen haben funktioniert.

00:29:37: Und gerade hinter dem Punkt ist dann einfach, das nicht nachzuvollziehen, dass die Stadt sich so

00:29:45: dagegen... Also wenn jetzt jemand von der Stadt zuhört, dann überlegt doch nochmal.

00:29:52: Die

00:29:53: Angst war zu groß vor der Klagewelle der Nachbarn.

00:29:56: Die Gestaltung der Außenräume ist auch sehr schön.

00:29:59: Deswegen sollte eben auch die Öffentlichkeitszugang haben und auch sehr natürlich mit alten Obstbäumen und Naturnabe, Pflanzungen.

00:30:07: Welche Bedeutung hat das für euch?

00:30:08: oder haben diese grünen, entsegelten Bereiche für das Leben im Quartier?

00:30:13: Wahrscheinlich eine sehr große.

00:30:16: Ja, das ist auf jeden Fall sehr wichtig.

00:30:19: Das war ja auch von Anfang an eigentlich so unser Gefühl, als wir über das Grundstück gelaufen sind.

00:30:24: Alles war zugebaut, ran gebaut, dass wir ein bisschen Luft schaffen wollten, den Bestand eigentlich auspacken und dann auch Grünflächen schaffen wollten, die sich aus dem Stadtraum auch in das Quartier... reinziehen.

00:30:40: Ich glaube, du hast eine ganz lustige Geschichte auch bei der ersten Besichtigung zusammen mit der Verkäuferin.

00:30:46: Vielleicht kannst du die mal erzählen.

00:30:48: Das transportiert aber genau eigentlich auch das, was so wichtig ist an diesem grünen Raum rund um die Flächen.

00:30:54: Ja, das war die Schlüsselübergabe.

00:30:55: Das meinst du.

00:30:57: Ja, ich war da und ich war zu früh.

00:30:59: Das bin ich nicht so oft.

00:31:00: Ich mache ja Bauleitung.

00:31:01: Jeder der Bauleitung weiß, wie das mit Termin ist.

00:31:04: Aber ich war zu früh und Ich habe diesen Kirschbaum gesehen und bin da reingeklettert und habe bestimmt zwei Kilo Kirschen geklaut.

00:31:15: Und dann kam die Verkäuferin und dann sagte sie, oh Herr Mögel, pflücken Sie da Ihre Kirschen.

00:31:22: Und dann dachte ich, ich klau doch Kirschen.

00:31:25: Und das war so irgendwie noch so was Kindliches in mir.

00:31:30: Da ist ein Obstbaum und ich gehe da jetzt rein und hol mir Obst.

00:31:33: und diese Freude, dieses Diese großen Kirschen und dieses Gefühl von ich mobbs jetzt aus dem Garten Kirschen, das hat so viel in mir bewegt.

00:31:42: und dann irgendwie festzustellen, dass das jetzt plötzlich mein Kirschbaum ist und das jetzt vielleicht so dieser Kälch an mich übergeben ist, dafür zu sorgen, dass es irgendwo Obstbäume gibt, wo jemand was mobbsen kann.

00:31:56: Das war einfach so ein ganz prägender Moment, wo ich gesagt habe, diese Gartengestaltung sollen nicht... Die soll gar nicht funktional sein.

00:32:05: Die soll genau das den Menschen geben, was ich da auch erlebt habe.

00:32:08: Nämlich im Sommer da reinlaufen und eine Birne flücken oder einen Apfel und wir haben sechs Obstbäume gepflanzt und so dieses Gefühl umgesetzt.

00:32:20: Man ist vielleicht in einem Bauerngarten, Wildblumenwiesen gepflanzt und mit Gräsern gearbeitet.

00:32:25: Also gar nicht dieses... Was kostet das in der Unterhaltung und wer kann das machen, sondern einfach, wie fühlt es sich richtig an?

00:32:36: Das war so ein bisschen Kern.

00:32:38: Bei den Rückbauarbeiten haben wir Kopfsteinpflaster unter dem Bitumen gefunden und haben dann gesagt, der Innenhof, die Wege, die werden mit Kopfsteinpflaster.

00:32:45: Dann haben wir aus Dresden eine alte Straße gekauft und haben Kopfsteinpflaster wieder eingebracht.

00:32:52: Hundert Jahre, hundertfünfzig Jahre altes Kopfstandpflaster, vielleicht sogar noch älter, ich weiß es gar nicht.

00:32:56: Wie ihr habt in Dresden eine Straße gekauft?

00:32:59: Naja, so ein Rückbauprojekt.

00:33:01: Es gibt ja so Firmen, ich habe ja hier auch schon gesehen, ist der eine oder andere, der recycelt Produkte wieder dem Kreislauf zuführt und... Das ist ja viel schöner, so ein genutztes Kaufsteinpflaster, was schon die Partina hat, was abgeschliffen ist, dann auch wieder einzusetzen als dieses rohe, harte, kantige, was wir niemals in den nächsten zwanzig, fünfzig Jahren rundlaufen werden.

00:33:26: Nee,

00:33:28: also und jetzt ist es auch wieder zu Leben erweckt.

00:33:31: Ja, Simon, du arbeitest ja als Angestellter in dem Büro, richtig?

00:33:36: Genau.

00:33:38: Ich wollte noch mal so persönlich fragen, wie ist es denn für euch als Brüder zusammenzuarbeiten?

00:33:45: Mütest du

00:33:46: erst oder?

00:33:49: Die Hölle hol mich

00:33:50: hier raus!

00:33:51: Ja, dann würden wir es bis fünfzehn Jahre lesen, obwohl das stimmt

00:33:54: nicht.

00:33:54: Jetzt knapp über zehn im Studium schon immer ein bisschen dabei.

00:33:58: Es ist schon eine lange Zeit, das ist vor allem eine Chance.

00:34:01: glaube ich.

00:34:03: Es ist natürlich nicht immer einfach, gerade als Geschwisterpaar.

00:34:08: Man hat aber ein sehr gutes Verständnis für den anderen und weiß ziemlich genau, was der andere braucht, wie er funktioniert, was seine Stärken sind, was seine Schwächen sind und da ist auch ein sehr hohes Vertrauen.

00:34:22: Und nach so langer Zeit ist es dann auch Viel Dankbarkeit, dass das zusammen so gut funktioniert.

00:34:29: Auch wenn es nicht immer einfach ist und wir uns natürlich da durchkämpfen müssen, ist es trotzdem noch mal eine emotional ganz andere Beziehung, als wenn es eben eine Geschwisterbeziehung ist, die da noch eine Rolle spielt.

00:34:42: Und da bringt man natürlich auch ganz andere Energie dann mit

00:34:46: ein.

00:34:47: Es ist für mich auch was sehr Besonderes, das so machen zu können, zu dürfen und auch dieses.

00:34:56: Manchmal ist es so, dass drei Linien von mir reichen, um das bei Simon ein Kopf, das vollendet wird.

00:35:05: Und dieses Ergänzen.

00:35:06: Jeder hat seine Stärken und auch dieses Respektieren der Stärken.

00:35:10: Und Simon lässt mich da mit meinen Stärken und ich ihn mit sein.

00:35:16: Und das ist, glaube ich, was sehr besonderes, dass wir das einfach so voneinander wissen und auch so lassen.

00:35:25: Und ihr habt noch ansonsten zwischen fünf und neun Mitarbeiter, vielleicht langt das ein

00:35:30: wenig.

00:35:31: Ja, das ist die Bürogröße.

00:35:33: Und wie geht es weiter?

00:35:34: Seid ihr schon wieder auf der Suche

00:35:35: nach irgendwelchen

00:35:37: verborgenen Schätzen?

00:35:40: Wie geht es weiter?

00:35:43: Die Bürogröße ist, glaube ich, im Moment noch

00:35:47: gut.

00:35:48: Ich glaube, große Büros beneiden uns im Moment darum, dass wir so klein sind.

00:35:54: Klar träumt man auch irgendwie mal von einem Museum und sowas.

00:35:58: Aber im Moment kann man eigentlich sagen, die Bürogröße soll erstmal so bleiben.

00:36:04: Also diese Qualität, diese Vision und die Idee auch wirklich bis ins letzte Detail umsetzen zu können, ist, glaube ich, in der Größe.

00:36:15: möglich oder es ist möglich das ist dann irgendwann verliert sich das.

00:36:19: und ja wir haben also dieses thema.

00:36:22: wohnungsbau ist für uns spannend.

00:36:24: jetzt klar ist in der zeit in der wir das wäscherei quartier gemacht haben hatten wir nicht nur sturm wir hatten ja organ im mobilienmarkt was preise zinsen

00:36:36: krieg

00:36:37: also hochwasser.

00:36:38: es ist ja wirklich alles in dieses projekt gefallen.

00:36:42: Jetzt ist der Wohnungsmarkt ein bisschen ruhiger in dem Bereich Willen, warum auch immer werden wir überhäuft quasi mit Anfragen.

00:36:51: Aber auch ganz, ganz spannend ist dieses Thema der Revitalisierung in der städtischen Hamburg sind wir an einem Projekt, da sind wir beauftragt, nicht als Investor, aber beauftragt als Projektentwickler eine Nachnutzung zu finden nach fünfzig Jahren ein Meter.

00:37:09: und das eben wieder zu transformieren in die nächsten fünfzig Jahre vielleicht.

00:37:15: Das ist jetzt

00:37:16: also eine Bürostruktur.

00:37:18: So innerstädtisch ist im Moment viel Leerstand auch in diesen Bürostrukturen.

00:37:22: und da kommt so ein bisschen das Thema auf, was gibt es da eigentlich noch für eine andere Nutzung?

00:37:29: Die Büros funktionieren in der Größenordnung nicht mehr.

00:37:33: oder nicht mehr alle, nicht mehr in der Menge.

00:37:36: Wie kann man es umnutzen?

00:37:37: Was ist für eine Nutzungsmöglichkeit?

00:37:39: Das ist auch ein Thema.

00:37:41: Und dann gibt es noch so ein kleines Projekt, da grübel ich immer beim Einschlafen drüber.

00:37:48: So eine Umbennutzung eines alten Bauernhofes in einem Spa-Hotel und Farm.

00:37:55: Das finde ich irgendwie superspannend.

00:37:58: Das lässt mich irgendwie nicht los.

00:38:00: Da ist aber sieben Mal noch mein größter Kritiker im Moment.

00:38:05: Also wünsche ich euch auf jeden Fall, dass ihr da so erfolgreich weitermacht mit der Begeisterung, ist ja deutlich zu spüren.

00:38:14: Ich danke euch vielmals für die Auskunft, für eure

00:38:16: Zeit und für das Interview.

00:38:18: Und ich wünsche euch eine schöne Preisverleihung heute Abend.

00:38:21: Danke schön.

00:38:22: Vielen Dank.

00:38:23: Vielen Dank.

00:38:24: Und das war's für heute.

00:38:25: Ich freue mich, wenn ihr beim nächsten Mal wieder rein hört.

00:38:27: Habt eine schöne

00:38:28: Zeit.

00:38:29: Tschüss.

00:38:29: Architektur.

00:38:33: Das war der Heinze Podcast Architektur-Funk, Host, Moderation, Redaktion, Casting-Kunikutt, Executive Producer Andreas Göppel, Producer, Projektmanagement, Nadine Judiakis, Sounddesign und Editing, Casting-Kunikutt, Design und Visual Assets, Heinze Media, Social Media Content, Claudia van Ravenstein im Auftrag der Heinze GmbH,

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