#202– Claus Anderhalten, Anderhalten Architekten: Vom letzten Haus zur ersten Adresse

Shownotes

Claus Anderhalten spricht über flüchtige Düfte und wie man sie ausstellen kann. Das neue Museum für Düfte und Aromen in Holzminden schafft im Inneren ein räumliches und olfaktorisches Erlebnis und markiert außen im Stadtraum eine neue Adresse. "Sensoria" wurde mit dem Heinze ArchitekturAward ausgezeichnet. Die skulpturale Form des Neubaus positioniert einen vergessenen Ort im Stadtrraum neu. Wie die Form zustande kam, warum das Material und die Fassade an eine Rüstung erinnert und was im Inneren passiert, erzählt Anderhalten in dieser Episode. Ein Gespräch über Wahrnehmung, Haltung und die Frage, wie Architektur dem Flüchtigen einen Rahmen geben kann. anderhalten.com sensoria-holzminden.de bauwende-news.de Linkbeschreibung klimafestival.heinze.de

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00:00:03: Architekturfunk,

00:00:04: der Heinze Podcast.

00:00:06: Herzlich willkommen zum Heinze Architekturfunk Episode twohundertzwei am achten Januar, zweitausendzechsundzwanzig.

00:00:13: Mein Name ist Kerstin Kunikatz und heute spreche ich mit Klaus Anderhalten.

00:00:18: Mit ihm habe ich auf dem Heinze Klimafestival gesprochen im November und zwar über das preisgekrönte Projekt Sensoria.

00:00:28: Wir steigen ein ins Gespräch.

00:00:29: Herzlich Willkommen im Architektur von Klaus Anderhalten.

00:00:33: Sie sind Gründer von Anderhalten-Architekten und Professor an der Universität Kassel.

00:00:39: Sie haben das Berliner Büro Anderhalten-Architekten, in der wir hier sind.

00:00:44: Ihr Büro ist vor allem bekannt für öffentliche Bauten und anspruchsvolle Sanierungs- und Umbau-Projekte im denkmalgeschützten Umfeld.

00:00:52: Das Berliner Team besteht aktuell aus über dreißig Mitarbeitenden und es gibt zusätzlich einen Standort in Osnabrück.

00:00:59: Ihr Büro hat mit dem Projekt Sensoria, Düfte und Aromenholzminden den Heinz-Architektur-Award gewonnen.

00:01:06: Herzlichen Glückwunsch dazu.

00:01:08: Und darüber würde ich gerne mit Ihnen sprechen.

00:01:10: Das ist ja ein außergewöhnliches Projekt, ein Museum und ich würde gerne mit Ihnen über den Entstehungsprozess und aber natürlich auch über das Projekt selber, wie es dazu kam, über die architektonische Idee sprechen.

00:01:20: Holzminden, das wusste ich nicht, gilt als internationales Zentrum der Riech- und Geschmackstoffindustrie.

00:01:26: Sensoria greift dieses Thema auf und übersetzt es architektonisch in ein interaktives Museumserlebnis, was wahrscheinlich vielleicht sogar gar nicht anders möglich ist.

00:01:36: Wie kam es denn zu der Idee, Düfte und Aromen als Thema eines Museums in Architektur zu übersetzen?

00:01:43: Ja, die Idee ist naheliegend, wenn man Europas größte Produktionsstätte in im Ort hat, so zu sagen.

00:01:51: Und wir sind einfach eingeladen worden als Büro zu diesem Wettbewerb.

00:01:54: Es waren eine kleine Runde, ich glaube sieben oder zehn Teilnehmer, ich erinnere mich nicht mehr so genau.

00:02:00: Und wir hatten ja im Vorfeld das Diesel-Kraftwerk Cottbus umgebaut zum Museum oder auch Luthers Elternhaus in Mansfell, Mansfeller Land, Kleinstmuseum geworden.

00:02:07: Von daher war das vielleicht naheliegend, dass man uns einloot damals und wir haben natürlich dann auch gerne zugestimmt.

00:02:14: Und zwar natürlich ... Ein ganz merkwürdiges Thema, sage ich mal, sich um Aromen und Düfte zu kümmern, die man da ausstellt.

00:02:22: Es war so ähnlich wie bei Luthers Elternhaus.

00:02:24: Man hatte Grabungen angesetzt, so wusste dann nicht, was man ausstellen sollte.

00:02:28: Also keine Exponate vorhanden in Luthers Elternhaus.

00:02:30: So ähnlich war das jetzt auch hier.

00:02:32: Wir wussten gar nicht, was auf uns zukommt.

00:02:34: Aber es war klar, dass die Stadt in irgendeiner Weise da an der Weser am Radweg, den die Weser begleitet, einfach ein Highlight platzieren wollte, mit dem sie einfach Besucher in die Stadt lockt.

00:02:45: Keine Exponate, also gibt es nichts aus der Industrie oder irgendwelche wichtigen... Kaufverträge oder was

00:02:52: ist das auch?

00:02:52: Ja, sicherlich.

00:02:53: Wenn Sie das Museum suchen, dann ist das ein bisschen Kindheits-Digivüe.

00:02:57: Also mit Persönlich hat dann zum Beispiel das Deo-Bug oder Sirich-Mos das sind Themen, die natürlich präsent waren in den Sechstier-Siebzigerjahren bei uns zu Hause und das sieht man dann wieder in den Originalverpackungen und da kommen gleich dann natürlich Verbindungen auf.

00:03:16: Das ist was, was man sicherlich ausstellt, so diese Hardware, sage ich mal, aber sie können keine flüchtigen Düftel ausstellen.

00:03:23: Und das war natürlich für uns auch sehr spannend, als hinterher dann die Choratoren, die Ausführungsmacher einzogen ins Projekt, was sehr spät mal wieder kam, wie das so üblich ist bei der öffentlichen Hand, mit denen halt gemeinsam dann halt das Konkreter zu planen.

00:03:39: Und was hat sie persönlich daran gereizt?

00:03:42: Ja, einfach ein Museum zu planen.

00:03:45: Ja, das verstehe ich.

00:03:47: Ja, das ist natürlich wirklich ein Traum.

00:03:49: Der Weg war, lag nicht so klar vor einem, wo die Rase hingeht, war relativ ungewiss.

00:03:55: Auch von städtischer Seite war das gar nicht so klar umrissen.

00:03:59: Es gab eigentlich nur das Grundstück und es gab die Idee, wir möchten halt mit dem, was hier in Holzmindenmasken produziert wird, halt ... nach vorne gehen und das zeigen.

00:04:12: Und von daher war das so ein ganz offenes Spiel letzten Endes.

00:04:14: Es kam natürlich gleich der Gedanke, eine skulpturale Lösung, die eben auch sichtbar ist, auch an diesem, ich sag mal, bis dato, Unort sichtbar wird.

00:04:24: Der Ort, also es ist schon eine markante Stelle, an der historischen Stadt ein Fahrt zur Weserbrücke.

00:04:30: Und das ist Unort gewesen, weil eigentlich toller Ort, also toller Platz, aber nicht gestaltet, soweit.

00:04:38: Erstmal hat man mit dem Einzug der Fußgängerzone, ist ja eine relativ frühe Fußgängerzone in Deutschland, ich kenne uns sonst von der Treppenstraße Kassel zum Beispiel, gibt es sowas auch, hat man die Weser oder die Stadt-Einfahrt abgeschnitten vom KFZ-Verkehr.

00:04:56: Das heißt, die fahren jetzt über die Brücke rüber, suchen eigentlich die Einfahrt in die Stadt, müssen aber dann rechts abbiegen und dann enden sie auf einem großen Stellplatz.

00:05:06: Weil man jetzt nur noch fußläufig darunter ist, also auch nicht barrierefrei, oder gibt eine kleine Rampe, glaube ich.

00:05:13: Aber weil man da eben nicht mehr so eine Einfahrt hat in die Stadt, ist dieser Ort halt irgendwie... in so ein Dämmerschlaf verfallen.

00:05:21: Das Eckgrundstück, was wir dann später verbauen durften, war Brache.

00:05:26: Das ist schon vor Jahren abgerissen worden, was dort stand.

00:05:29: Und ich weiß auch, dass da einige Wohnungsbauprojekte angeschauen worden sind, die dann aber nicht zu Ende gebracht worden sind.

00:05:33: Und das direkt anschließende Gebäude dann war mehr oder weniger verfallen.

00:05:37: Da wuchsen auch schon die Bäume aus dem Dach.

00:05:39: Und das ist natürlich jetzt mit unserem Zutun oder mit diesem Neubau wächst aber in dieser Stelle einfach wieder ein neues Leben.

00:05:48: Das ist damals, ja, als ein Stück weit Lensend begriffen worden, weil da betritt einfach keiner oder fährt keiner mehr in die Stadt rein oder bis dato.

00:05:58: Und das war einfach notwendig, da etwas zu

00:05:59: tun.

00:06:00: Aber ich das richtig verstanden, das soll auch niemand in die Stadt fahren.

00:06:03: Da kann keiner reinfahren, weil die Brücke liegt höher als die Einkaufsstraße.

00:06:08: Und man kann nur, wie gesagt, fußläufig dort in die Stadt betreten.

00:06:12: Das ist da vor Jahrzehnten schon angelegt worden.

00:06:15: Das ist der Wille der Stadt so.

00:06:17: Aber es ist eben nicht mehr die klassische Stadt-Einfahrt.

00:06:20: Und von daher ist dieses Grundstück, das war im Prinzip das letzte Haus in der Fußgängerzone, bevor man wieder umgekehrt auf die Weserbrücke kam.

00:06:28: Und da ist keine Verkaufkraft mehr gewesen.

00:06:31: Das ist systematisch im Prinzip dann verfallen.

00:06:35: Und jetzt ist es das erste Haus, was hat sozusagen umgekehrt?

00:06:38: Damit ist schon die Frage beantwortet, welche Rolle das an dieser Stelle spielt.

00:06:43: Das ist wirklich eine Wiederbelebung eines Ortes, dessen Bedeutung komplett verloren gegangen war.

00:06:47: Die hat es wieder hergestellt.

00:06:48: Ja, die Sichtbarkeit war ein ganz wichtiges Thema.

00:06:50: Deswegen auch diese skulptorale Lösung.

00:06:52: Man hätte natürlich auch ein wesentlich bescheideres Haus da kreieren können, aber das war auch bewusst gesetzt, gewollt von der Stadt natürlich von uns auch, um einen Ring zu werfen, dass man da einfach Position beziehen muss und auch mit der Überhöhung der Brücke über die Weser, dass man da schon von weitem einfach erkennen kann, dass da was passiert.

00:07:10: Ja, und musstet ihr die Stadt... über Zeugen davon?

00:07:14: oder wollten die schon von vornherein ein bisschen auf die Pauke hauen an der Stelle?

00:07:18: Ja, die wollten schon sichtbar werden, aber wir haben dann natürlich noch eins drauf gesetzt.

00:07:23: Wir wollten auch wesentlich stärker noch in den Stadtraum eingreifen, also Richtung Straße oder Fußgängerzone, auskragen mit dem Gebäude, aber da hat dann halt der Stadtplanungsamt irgendwann gesagt, jetzt reicht es, also Leute, noch ein Meter geht da nicht an der Stelle, aber es war noch mehr vorgesehen.

00:07:42: Und die Skulpturale, wie entstand diese Form?

00:07:45: Also man hat ja ein Sockel und obendrauf, das sind doch mehrere Tausend Quartén, Stahl, Schindeln,

00:07:52: genau.

00:07:52: Und mich hat sofort an so ein Gürteltier

00:07:54: erinnert.

00:07:55: In der Beschreibung wird auch davon gesprochen, Rüstungen.

00:07:58: Ja, klar,

00:07:59: liegt nah.

00:07:59: Genau.

00:08:01: Warum?

00:08:02: Wie

00:08:02: kam es zu dieser Materialwahl?

00:08:05: Und natürlich habe ich in dem ersten Teil der Frage noch auch dieses Skulptur.

00:08:09: Das geht ja vielleicht auch zusammen, diese Skulptur, Skulpturale und die Fassade.

00:08:13: Eher wenn sie unsere Altbauten anschauen, dann ist immer impliziert im Bestandsobjekt, wo die Reise hingeht.

00:08:19: Dann hat man irgendwie Leitplanken, sag ich mal, denen man sich gestalterig abarbeiten kann.

00:08:23: Und dann geht es eher darum, dass man den Bestand vielleicht nochmal stärker herausarbeitet und dass der Bestand die Musik spielt.

00:08:31: Dann ist eher der Eingriff zurückhaltender.

00:08:33: Und das Gegenteil ist eben unser herangehensweise Neubau, ob Sie das nur als Elternhaus sehen oder das Landwirtschaftsministerium in Berlin.

00:08:42: oder eben auch Sensoria.

00:08:43: Das sind dann eher Versuche, über ein Skulptural herangehensweise da ein Statement abzugeben.

00:08:50: und dann eben diese Sichtbarkeit einfach, die natürlich so ein in den Stadtraum ragendes Gebäude wesentlich eher herstellen kann, als wenn man da jetzt ein bescheidenes Kubus hingestellt hätte zum Beispiel.

00:09:03: Das ist das eine, als sichtbar werden im Stadtraum und auf der anderen Seite dann natürlich die Suche nach der Materialität, auch die Suche um diese flüchtigen Exponate einfach vielleicht zu schützen.

00:09:15: oder den einen Rahmen zu geben.

00:09:17: Und dann ist man natürlich auch immer bedarf, auch wenn man sich so weit entfernt vom Ort gestalterig, auf der anderen Seite den Ortsbezug zu suchen.

00:09:25: Und das ist dann, denke ich, ganz gut gelungen über diese Schindeln, die ja als Sandsteinschindeln auch in verschiedenen Häusern vorhanden sind.

00:09:35: Das war naheliegend, dass man Auch am Gebäude, was keine Fenster benötigt, das funktioniert ja alles mehr oder weniger mit Kunstlicht.

00:09:43: Und der Außenbezug sollte auch gar nicht so groß werden, dass man eine Fassadenstruktur sich ausdenkt, die das Ganze halt wie eine Haut umschließt.

00:09:56: Irgendwann haben wir natürlich viel an Modellen gearbeitet und auch diese skulpturale Form in Modellen dann versucht zu finden.

00:10:02: Das war eine ganze Entwicklungsreihe und so ging das dann mit der Materialität weiter.

00:10:06: Als irgendwie der Gedanke kam, diese Schindeln hier, das könnte oder was sein, das könnte ein Ansatz sein.

00:10:13: Und dann haben wir das auch hinterher mit... einer Firma, einer Starbaufirma weiter bearbeitet, die dann verschiedene Mock-Ups konstruiert hat, in Edelstahl patiniert oder dann eben auch irgendwann in Kortenstahl, was dem Ganzen einfach nochmal eine ganz andere Haptik gibt, aber auch ein Leben einhaut, das Gebäude altert ja bewusst.

00:10:35: Sie haben mittlerweile auch diese Abtropsspuren, also dieses Rostbraune sieht man dann eben noch im Gehwegbereich umlaufen, wenn das Wasser, ja das muss man die Bauern natürlich mitteilen, so was, wo da die Reise hingeht und wie sich so ein Gebäude entwickelt, wie das altert, aber in dem Fall alter Cortenstahl natürlich fantastisch.

00:10:53: Und irgendwann ist es ja auch total homogen.

00:10:55: Erst mal gibt es verschiedene Stufen, aber irgendwann hat es ja den rostroten Gesamts-Eindruck.

00:11:00: Das ist ein fantastisches Material, als Architekt überlegt man natürlich... Ist es das wirklich?

00:11:06: Weil das hat man natürlich auch schon häufig gesehen und ich will gar nicht sagen satt gesehen, aber in der Verarbeitungsform fand ich das jetzt auch sehr interessant.

00:11:15: und auch dann hinterher, weil es eben, Sie sagen schon, Schuppentierrüstung, weil es dann so ein ganz ein Charakter bekommt, fand ich dann auch wieder angemessen.

00:11:24: Ja, es ist auch Quarténstahl, also bei mir im Studium war das total modern sozusagen.

00:11:29: Ja, ja.

00:11:30: Und es hält sich aber auch, es ist jetzt auch noch nicht das einzige Projekt.

00:11:34: mit Korteenstahl.

00:11:35: Da hat sich so interessant, weil die ganze Branche scheint nur noch von Holz zu reden und Beton und Stahl überwinden oder irgendwas.

00:11:43: Und dann dachte ich, das ist ja auch ein richtiges Statement oder ich weiß nicht, hat das irgendeine Rolle gespielt, dass man dachte, können wir das machen heutzutage oder wie?

00:11:55: Wie nah an der Realität ist diese Debatte überhaupt?

00:11:59: Ja, ich bin ja auch sehr häufig Fachpreisrichter in Architeckenwettbewerben und sie haben heute kein Ergebnis mehr oder keine Wettbewerbs-Einreichung mehr, die nicht mindestens in großen Teilen aus Holzkonstruktion besteht, damit Holzoberflächen arbeitet.

00:12:18: Da möchte ich es eigentlich nicht weiter darauf eingehen, Material, Holz, Leimanteile und dergleichen oder Verbindungselemente, vielleicht auch wieder ausstrahlen, aber das Thema bei Sensoria ist sicherlich erstmal eine Fassade, die altert, die altern kann, die eben Nullpflegeaufwand hat.

00:12:39: und die letzten Endes sochten rein, damit er recycelt werden kann.

00:12:43: Und sie haben immer noch den Stahl-Restwert.

00:12:45: Das heißt, sie können das Zorgs immer noch verkaufen, wohin er immer.

00:12:49: Und was kann nachhaltiger sein?

00:12:53: Wenn man natürlich über die Produktion von Stahl redet und wie weit das sie die Erde umrundet, bis es dann in Holzminden angekommen ist und was der Energieaufwand bedeutet, das Erz zu schürfen, Kohle zu schürfen oder wie ja immer das Ganze dann geschmolzen und verarbeitet wird, dann sind wir natürlich in einer ganz anderen Diskussion.

00:13:10: Aber erst mal sehe ich diesen Korteenstall schon als ein alterungsfähiges und damit auch nachhaltiges Material.

00:13:17: Und das andere Thema der Nachhaltigkeit ist für mich auch ein ganz großes Neben.

00:13:21: eine ordentliche Gestaltung, eine angemessen Gestaltung eben auch dieses Identifikationspotenzial, der Nutzer der Besucher.

00:13:30: Also, viertausend dreinhalb Schindeln, das habe ich jetzt eben noch nicht so klar gesagt.

00:13:35: Das ist schon ordentlich.

00:13:37: Wie groß sind die?

00:13:38: So ungefähr zwanzig?

00:13:39: Ne, größer wahrscheinlich, zwanzig und zwanzig.

00:13:41: Ja, dreißig auf und zwanzig, so was nennt man die.

00:13:44: Es gibt natürlich verschiedene Schindeln, das ist natürlich auch eine relativ komplexe Geometrie und wir haben die ja wie gesagt zuerst am Modell gefunden.

00:13:54: Und ich bin vielleicht auch dann, ja, Kind der Sechziger, von diesem Zugang zum dreiD-Modell ist etwas Verhalten aus meiner Perspektive.

00:14:04: Und aber wir haben natürlich viele junge Mitarbeiterinnen im Büro, die natürlich dann gleich auch ins dreiD springen.

00:14:11: Und das ist natürlich auch dann die Kommunikation mit den Firmen, die das produzieren.

00:14:15: Und es sind mehrere Abkantungen, die wir dann entwickelt haben, wie gesagt, ein mock-up-Modell, auch dann wieder in Realität.

00:14:22: Und darüber waren ausdrehen auch in der Realisierung hinter verschiedenste Formate, die gekantet werden müssen.

00:14:28: Wir haben auch perforierte Schindeln.

00:14:30: Und es kamen, wie es kommen musste, die erste Scharche war natürlich auch falsch abgekantet, die auf die Baustelle kamen.

00:14:36: Wir konnten das aber dann vor Ort noch nachträglich retten, dass auch diese Schindeln halt den Weg an die Fassade gefunden

00:14:43: haben.

00:14:44: Und wissen Sie ungefähr, wie viele verschiedene es gibt?

00:14:48: Ja, es sind bestimmt zehn verschiedene.

00:14:51: Gehen wir mal in das Haus.

00:14:52: Allerdings, bevor wir über das Material innen sprechen, wollte ich nochmal gerne über das Erschließungskonzept sprechen.

00:14:59: Der Besucher durchläuft das Museum über eine fließende Rampe, die eingeschorst barrierefrei überwindet.

00:15:06: Wie ist dieses Erschließungskonzept entstanden?

00:15:08: Welche Rolle spielt das?

00:15:10: Schreiten?

00:15:11: Auch, weil Rampe gleich schreiten, elegantes durchs Haus schreiten.

00:15:15: War es Architektonische Idee oder Teil der musealen Dramaturgie?

00:15:20: Oder beides vielleicht

00:15:21: auch?

00:15:21: Ja, spätestens seit Guggenheim, New York ist natürlich Rampe-Thema im Museum.

00:15:28: Das haben wir vorhin noch nie umgesetzt, das war es vielleicht mal an der Zeit.

00:15:31: Aber so danach würde ich es gar nicht darstellen.

00:15:34: Es ist natürlich, wenn man ein öffentliches Gebäude realisiert, wichtig beziehungsweise ein absolutes Muss, dass das Haus barrierefrei erschlossen wird.

00:15:43: Das ist ganz klar.

00:15:44: Und am Beginn der Planung war uns noch nicht klar vorgegeben, wie eben schon erläutert, wo die Reise hingeht, welche Exponate, welche interaktiven Szenarien dort aufgebaut werden.

00:15:57: von daher.

00:15:58: hat es sich erst mal angeboten, einen nutzungsneutralen Raum zu bauen.

00:16:03: Und das ist natürlich mit einer Rampe wenig einfacher, als wenn man jetzt Plateaus vielleicht mit unterschiedlichen Stufen, wo man dann auch wieder das Thema Kurzrahmen oder der gleiche hat, um das ganze Barrierefreiheit zu erschließen.

00:16:13: Von daher war diese Idee jetzt... Perspektivisch, als angelegt, komme was da wolle, an Exponaten, an Kuratorinnen, die das Haus dann halt bespielen.

00:16:25: Das wird auf jeden Fall funktionieren auf einer Rampe, die relativ flach geneigt ist.

00:16:30: Und es ist auch ein toller Raum geworden, den man einfach so ganz en passant betritt, so ohne Barrieren oder dergleichen, dass man sich einfach in die Höhe schraubt und dann eben am Rand diese interaktive Ausstellung betrachtet und auch vor und zurück gehen kann, ohne dass man Schwellen überwinden muss.

00:16:47: Das ist schon ein tolles Thema, was dann auch Guggenheim sicherlich ihren Ursprung hat.

00:16:55: Ein Weg für alle.

00:16:56: Da muss ich an Jürgen Dusel denken, der war Bundesbeauftragter für Menschen mit Behinderung und das hat der Ministerstatus im Endeffekt gehabt.

00:17:04: Er ist blind und hat gesagt, es hat keinen Sinn, Barrieren zu bauen.

00:17:09: Man muss nicht von Barrierefreiheit sprechen, sondern man muss davon sprechen, dass man keine Barrieren mehr baut.

00:17:13: Daran erinnert mich das.

00:17:14: Sondern ihr wart alle denkt.

00:17:15: Vielleicht bin ich da hier mit der... U-Bahn hingefahren und neben mir stand ein Mann mit dem klassischen Stock, mit dieser ruten Kugel, also offensichtlich sehbehindert und dann hielt die U-Bahn etwas ruckartig an und er ist dann so gegen mich geschleudert worden und bat dann auch konkret um Hilfe, kann mir einer, wo ist denn hier der nächste Haltegriff oder sowas?

00:17:37: und dann habe ich dann seine Hand genommen und ihn damit er einfach dann nicht umfiel.

00:17:43: und diese Themen der Barrierefreiheit, die sie kann man eigentlich erst richtig verstehen und auch umsetzen, wenn man solche Situationen einfach mal mitbekommen hat und sieht, wie sich Menschen mit Behinderung geht, wie der Art.

00:17:57: Man kann auch durch das Haus riechen.

00:17:59: Es gibt ja auch da Behinderungen.

00:18:02: Und jemand, der nicht riechen kann, der kann das Haus eigentlich gar nicht erfahren, so auf diese Weise, wie das gedacht ist.

00:18:07: Und man kann es natürlich nicht für alle Gruppen auch... Aber es ist eben wesentlich mehr da als nur diese... dieses stufenfreie, wenn man über barrierefrei nachdenkt.

00:18:21: Und da gehört schon sehr viel dazu.

00:18:24: Man macht sich da als Architekt oder Architekt in eigentlich viel zu wenig Gedanken drüber, wie diese Häuser einfach funktionieren sollten und welches Publikum sie ansprechen müssen, gerade als öffentliches Gebäude, dass man niemand ausschließt.

00:18:37: Das fängt ja schon damit an, dass man im Gemeinsamen so ein Haus betritt und nicht, wie man es vielfach kennt, so fünf Pfeile und dann einmal hinten ums Haus ist dann der Taster, wo sich irgendwann die Fochte meldet.

00:18:47: und da eine Tür aufschließt.

00:18:49: Ja genau, dieses immer Sonderfeildern.

00:18:54: Das Gebäude mündet in einem Duftgarten auf dem Dach mit Blick auf die Stadt.

00:19:00: Warum?

00:19:01: Welche Bedeutung hat dieser Abschluss im

00:19:03: Freien?

00:19:05: Erst mal natürlich nochmal der Blick zurück über die Weser, über die Stadt.

00:19:12: Wenn man sich mit der Firma, ich weiß nicht, ob ich jetzt Werbung machen sollte, die diese Duftstoffe herstellt, unterhält und sieht, wie groß, wie gigantisch groß dieser Betrieb ist, fragt man sich natürlich, wo kommen diese Duftstoffe her?

00:19:26: Und die Antwort ist dann immer auch, das sind naturidentische Aromastoffe.

00:19:32: Die begleiten uns im Prinzip durch den ganzen Tag und die ganze Nacht.

00:19:35: Ich habe auch mit Studierenden dieses Thema nochmal bearbeitet, da waren wir eingeladen.

00:19:39: Wenn Sie morgens aufwachen, riechen Sie uns schon an Ihrer Bettwäsche.

00:19:43: Wenn Sie dann die Zähne putzen, sind wir dabei.

00:19:45: Wenn Sie sich duschen, sind wir dabei.

00:19:47: Und das geht immer weiter.

00:19:49: Also das Museum ist quasi von einer Firma.

00:19:51: dann?

00:19:52: Duftstoffe aus?

00:19:53: Nein, nein, nein.

00:19:53: Aber das ist natürlich der Hintergrund.

00:19:55: Das ist ein städtisches Haus.

00:19:57: Ich weiß auch nicht, wie weit die Firma überhaupt war.

00:20:01: hatte sicherlich irgendwo beratend, aber wie weit da jetzt mittelflossen, das weiß ich nicht.

00:20:07: Aber was ich sagen möchte, also alle reden immer von Natur-identischen Aromastoffen, das heißt, die sind gefühlt oder vom Worthing her der Natur entnommen oder zumindest identisch, die sind aber alle schämig erzeugt.

00:20:20: Auch wenn die von den einzelnen Bausteinen der Natur nahekommen, ist es aber eben keine Natur.

00:20:27: und die Stadt oder die Produktion in Holzminden hat ja auch mit dem Aromastoff des künstlichen Vanillins begonnen.

00:20:36: Das hat ein Apotheker und ein Drogist, soweit ich weiß, damals haben das gemeinsam erfunden und das ging dann um die Welt und darauf basiert eben diese Aromastoffindustrie in Holzminden.

00:20:48: Das war so ein Stoff, den die Nachbarn konnten damals.

00:20:52: Und man fragt sich natürlich naturidentisch oder warum, wieso, wo kommt das eigentlich her?

00:20:56: Und dann ist es, glaube ich, naheliegend, wenn man dann raustritt, die Stadt wahrnimmt, die Stadt auch riecht, dass man dann... Gräser, Kräuter, Natur, Aromastoffe erlebt, die da oben auf dem Dach wachsen, die einfach wieder darauf verweisen, wo wir vielleicht alle herkommen, wo eben diese Duftstoffe herkommen.

00:21:17: Und das war natürlich auch oder ist ein Experiment.

00:21:20: Ich bin gespannt, wie das Ganze dann oben auf dem Dach auch wächst.

00:21:22: Das wird natürlich auch als gehegt und gefleht und kultiviert.

00:21:26: Aber das ist natürlich... Das Tolle, wenn man dann diesen ganzen Weg hinter sich gebracht hat, weiß, dass es jetzt alles Neudeutsch Fake und als chemisch erzeugt, was man dort gerochen und gesehen hat.

00:21:36: Und wenn man dann rauskommt und ist wieder in der Natur ausgesetzt und riecht, dann vielleicht bewusster auch und ist dann halt mit der Natur pur, sag ich mal, konfrontiert.

00:21:46: Und da gehört ans Ende dieser Dachgarten.

00:21:50: Super.

00:21:51: Wir sind jetzt quasi im Inneren gewesen, sind einmal die Rampe hoch auf dem Dachgarten.

00:21:56: Jetzt gehen wir mal wieder rückwärts die Rampe runter.

00:21:59: und nochmal zu den Materialien innen, weil dort dominieren Sichtbeton, Terrazzo und Lehmputz.

00:22:07: Ein reduziertes, erdiges Materialkonzept.

00:22:10: Welche Atmosphäre sollte hier erzeugt werden?

00:22:15: Auch etwas Natürliches eher

00:22:17: oder auch

00:22:18: so

00:22:19: fest und standhaft?

00:22:20: Ja, wenn man... noch mehr natürlich gedacht hätte, dann wäre es vielleicht noch ein wenig mehr sichtbare Lehmputzäure dergleichen geworden oder auch Holzwerkstoffe, aber es ging in der S-Line darum, weil eben die Exponate noch nicht bekannt waren.

00:22:36: den Faktum, Nutzungsnutralen Raum zu finden, der halt bespielt werden kann mit Exponaten, mit kuratorischen Ideen, die da in der Zugwunde kommen mögen.

00:22:48: Von daher ist es sehr gefährlich, wenn man dich da schon sehr weit aus dem Fenster lehnt.

00:22:55: Ich habe die Erfahrung zum Beispiel, Luthers Eltern ausgemacht, Luthers Vater war ja bekanntermaßen im Bergbau auch tätig und da kam dann auch halt relativ spät die Ausstellungsmacher.

00:23:05: Es ist auch ein sehr skulptural.

00:23:07: das Gebäude komplett in Sichtbeton in den Osten und haben dann aus Papemarché einen Bergwerksstollen in die Räume gezaubert.

00:23:16: Da stehen damals Azitec natürlich alle Haare zu Berge.

00:23:20: Das hatten wir ja vorher schon in Beton gekonnt oder wir hätten zumindest in Anlehnung an einen Bergwerksstollen das Formen können, die Räume.

00:23:30: Aber wenn dann einfach jemand kommen sagt, das ist jetzt hier fantastisch, ich mach jetzt das alles in Pappmarschee, dann wird das ein bisschen schwierig.

00:23:36: Und mit so einer Erfahrung im Gepäck plant man dann das nächste Haus, wo man auch noch nicht weiß, wo die Reise hingeht, sicherlich etwas neutraler für alles, was da kommen kann.

00:23:47: Und ohne dass man jetzt viel zu viel vorbestimmt, was hinterher so besonders passt.

00:23:53: Das ist genauso mit Bodensteckdosen, Bodentanks, Beleuchtung, passt nie.

00:23:58: Sie geben es vor, passt sowieso nicht.

00:24:00: Da stellt irgendjemand eine Vitrine drauf oder gerade daneben, dann ist das ärgerlich, dass immer einer drüber stolpert.

00:24:05: Und von daher, wenn man so ein Haus angeht, entweder von Anfang an mit den Exponaten im Gepäck, wohlwissend, wie das hinter arrangiert wird, oder man nimmt sich da ganz zurück.

00:24:17: Und in dem Fall war es eben so, wir haben uns mehr bei der Fassade, sag ich mal, da engagiert.

00:24:22: Also die Hülle war wichtiger.

00:24:23: Die Gerüche der Materialien spielen die eine Rolle.

00:24:26: Die sind genauso nutzungsneutral.

00:24:29: Also es ist natürlich sehr schön.

00:24:30: Ich habe ja einige Industriebauten umgebaut, da immer den Bauern versucht klarzumachen.

00:24:36: Dies olfaktorische Moment ist ein ganz wichtiges Moment hier bei euch.

00:24:39: Es riecht nach Schweröl.

00:24:40: Es riecht nach Maloch, sag ich mal, auf Deutsch.

00:24:44: Das hat mir aber noch keiner abgenommen.

00:24:47: Das ist dann eher so ein Gestank, den man nicht im Haus haben möchte.

00:24:52: Das sind ja teilweise ganz feine Gerüche dann auch in diesem Haus.

00:24:55: Und wenn man da jetzt Materialen gewählt hätte, ich weiß, kurz wieder in Rostock, in historischen Gebäude, da sind noch viele Hinterlassenschaften aus der DDR vorhanden, die hatten noch so einen ganz typischen Geruch.

00:25:07: Und wenn man so starke Gerüche da eingebracht hätte, ich glaube, dann hätte die Ausstellung einpacken

00:25:12: können.

00:25:12: Ja, ja, ja.

00:25:13: Das sehen

00:25:13: das aus.

00:25:13: Von daher zurücknehmen,

00:25:14: auch in olfaktorischer Sichtweise, ganz reduziert.

00:25:20: Das sollen dann andere machen.

00:25:21: Ja.

00:25:22: Haben sie auch

00:25:22: immer.

00:25:22: Und wie funktioniert die Ausstellung selber?

00:25:24: Also diese interaktive, meine ich, den interaktiven Part.

00:25:28: Also kann man da auch was riechen in Röhrchen?

00:25:31: Ja, sicher.

00:25:32: Das hat mich auch sehr gewundert, als ich am Anfang da war, wie sich Gerüche, Düfte, Aromen gegeneinander abgrenzen lassen.

00:25:39: Also sie haben im Prinzip jeden Meter was Neues.

00:25:43: was sich aber nicht michen darf natürlich.

00:25:46: Sie haben sicherlich so eine Grundmelange im Haus, aber es ist schon sehr dezidiert beschränkt.

00:25:52: Das sind ja auch flüchtige Aromen, die man wirklich nur in der Penetranz, nur an einer Stelle dann auch wahrnimmt.

00:26:00: Und dann, das tollste sicherlich auch, wenn das am Anfang gar nicht so klar war, dass das kommt, wie alles andere auch, diese Duftorgel, die im obersten Geschoss steht, da können dann Besucher und Besucherinnen selber kreativ werden und eben ihre Duftstoffe dann mischen.

00:26:16: Sie haben dann einen riesen Auswand.

00:26:17: Sie können auch an allem dann schnuppern und sich dann ihren Paffa kreativ zusammenstellen.

00:26:23: Das kauft man dann oder bekommt es dann abgefüllt, wenn man das Haus wieder verlässt.

00:26:28: Das ist ja eine tolle Idee.

00:26:32: Ich höre auch von vielen, die jetzt da waren, wir haben da uns auch unseren Duft kreiert.

00:26:36: Der riecht natürlich zu Hause, dann ist wie ein Bein, den man in den Urlaub kauft, der schmeckt zu Hause auch anders.

00:26:41: Oder den man selber

00:26:42: gemacht hat.

00:26:43: Von daher ist der Duft vielleicht etwas anders als in dieser Umgebung, wo man dann natürlich auch... Ja, man muss natürlich auch in so einem Museum auch ein paar Highlights setzen, natürlich auch für die Kinder und so.

00:26:55: Man will ja dann eine ganze Bandbreite der Bevölkerung auch reinholen.

00:26:59: Da sind noch viele Schulklassen da und das wird super angenommen, das Haus.

00:27:04: Da gehört natürlich zu, dass man auch so ein bisschen was, so ein Giveaway, irgendwie auch wenn es ein paar Euro kostet, dann mitnimmt, dass man sich dran erinnert und vielleicht mal wiederkommt.

00:27:12: Ja, auf jeden Fall.

00:27:13: Also vor allem dieses selber machen, das kommt bei Kindern, glaube ich, auch sehr gut an.

00:27:16: Ja, klar.

00:27:16: Und im Jahr zwanzig, vierundzwanzig wurde das ja eröffnet, ne?

00:27:19: Ich frage mich nur, gerade wie neutralisiert man das denn wieder?

00:27:21: Man kennt es ja, wenn man in der Parfait-Abteilung ist, nach fünf, spätestens, kann man gar nichts mehr beurteilen.

00:27:26: Jetzt habe ich gelernt, auch Kaffeebohnen helfen, also immer wieder einen Kaffee riechen.

00:27:30: Gibt es da sowas auch?

00:27:32: Das ist mir jetzt nicht aufgefallen.

00:27:34: Nein, wird nicht neutralisiert.

00:27:36: Ich rufe da mal an und frage mal nach.

00:27:38: Die Museumsleiterin

00:27:39: ist aber auch heute zugegen, wir sind noch verabredet

00:27:42: und

00:27:42: vielleicht kann ich sie auch noch mal hier vorbei bringen.

00:27:45: Die ist da voll im Thema.

00:27:46: Ja,

00:27:47: super.

00:27:48: Ja, die hätte sie auch kommen können.

00:27:50: Wie war denn die Zusammenarbeit mit der Stadt an

00:27:52: sich?

00:27:53: Ja, was soll ich jetzt sagen?

00:27:54: Die war natürlich fantastisch, wirklich traumhaft.

00:27:58: Besser ging es nicht.

00:28:00: Ja, ich muss natürlich schon gestehen, der Wettbewerb war natürlich auch mit einem gewissen Budget belegt und das haben wir gerissen.

00:28:09: Wie öfters.

00:28:12: Dass nicht nur uns betreffen in unserer Büro sind und dass den meisten Architekturbüros unterstellen, auch wenn man den Bestand viel arbeitet, von da ist das... ist das Natur gegeben, würde ich mal sagen.

00:28:23: Aber in dem Fall gibt es natürlich einige Entschuldigungen.

00:28:28: Also erst mal einen Baugrund, dann gab es archäologische Grabungen, die das ganz verzögert haben.

00:28:33: Dann finden sie dann ein Nachbargebäude, was nicht unter Kellert ist, was eben von der Gründungssituation der Probleme bereitet.

00:28:41: Und so hat sich das etwas in die Länge gezogen und natürlich auch in Kosten niedergeschlagen.

00:28:46: Es gab also mindestens fünf Runden auch im Stadtrat, wo das Museum auf der Klippe stand.

00:28:52: wo man wieder beraten hat, wie ist die Preisentwicklung, können wir das mittragen und brauchen wir sowas wirklich.

00:29:01: Und da muss ich sagen, also da sind einige Damen und Herren dann auch laut geworden und wir haben das jetzt gestartet und das ist für Holzminden extrem wichtig, dass wir endlich das hier bekommen, auch mit dieser Industrie im Rücken, sodass die das durchgeboxt haben.

00:29:19: gegen alle Wirklichkeiten.

00:29:21: Und es kam dann auch bis zum Schluss immer wieder Kleinigkeiten, wo es dann Drote zu klemmen oder zu kippen.

00:29:27: Und ja, das haben wir alle gemeinsam durchgestanden.

00:29:30: Und das ist auch einem Bau her natürlich hoch anzurechnen.

00:29:33: Ja.

00:29:34: Es hängt natürlich immer an Einzelpersonen.

00:29:36: Bei der Grundsternlegung war dann eben auch der Bürgermeister Dalen und hat dann auch, es kommt dann meistens um Nämens, jetzt hat ein bisschen mehr gekostet.

00:29:43: Aber wir machen das.

00:29:45: Es ist ein tolles Haus, wichtig für uns und wir bleiben dran.

00:29:48: Ja.

00:29:49: Eigentlich muss man schon von vornherein einpreisen.

00:29:52: Es gibt gar kein Projekt, das einfach im Rahmen

00:29:56: lag.

00:29:56: Ja, vor allem wir bauen ja fast ausschließlich für öffentliche Auftage.

00:30:01: Man hat immer den Eindruck, irgendjemand hat der Worksheen gezählt und dann Strich drunter gemacht und das ist die Bausung.

00:30:06: Genau, die passen hier, aber die würden erst mal so gering sein, damit das durchkommt wahrscheinlich, oder?

00:30:12: Ja, das hat häufig was mit Fördermittel zu tun und man muss dann den ersten Flock einschlagen, ist natürlich der Fluch der bösen ersten Zahl, an die sich alle dann abarbeiten und es ist dann häufig halt bei uns als Architekten.

00:30:26: auf uns fällt es dann zurück, wenn die nicht

00:30:27: passt.

00:30:28: Und ich habe es vielleicht zwar mal erlebt, dass die Paste, da hat einer mal gut kalkuliert, aber in der Regel... Passt das

00:30:36: nicht.

00:30:36: Das ist so ein Architekten-Thriller.

00:30:39: Der Fluch,

00:30:39: der bösen

00:30:40: Zahl, der ersten Zahl.

00:30:42: Ja, die politische Zahl, die sitzt.

00:30:44: Du hast eben gesagt, die Stadtgesellschaft hat sehr positiv draufregelt.

00:30:48: Jetzt wird gut angenommen.

00:30:49: Genau.

00:30:50: Welche Rolle das Haus spielt, das haben wir jetzt auch erfahren.

00:30:52: Spätestens herausgehört aus dem Kampf, also wie sich einige dafür eingesetzt haben, dafür gekämpft haben.

00:30:59: Welche Bedeutungen haben solche Orte für euch als Architekten?

00:31:03: Wahrscheinlich eine große.

00:31:04: Das ist so ein richtiger Traumauftrag, oder?

00:31:10: Ja,

00:31:11: sogar ist tieffragbar.

00:31:13: Ich kann mir vieles erträumen.

00:31:16: Bei Projekten ist ein kleines Projekt.

00:31:20: Man muss bei diesen kleinen Projekten, wo man wirklich dann mit Herzblut dabei ist und mit viel Liebe reingeht, aufpassen, dass man nicht Hauptsponsor wird.

00:31:29: Und das kann die Hawaii gar nicht abdecken, was da im Büro geleistet wird, auch von allen Beteiligten, von Mitarbeitern geleistet wird, an Überstunden, die dann gar nicht geschrieben werden, einfach, weil es so toll ist, weil man dranbleiben möchte und weil man die Vision hat, wir bauen ein tolles Haus.

00:31:48: Und weil wir das ja auch lernen im Studium, dass wenn es Spaß macht,

00:31:52: das okay ist.

00:31:53: Da wirft man dann vieles über Bord.

00:31:57: motiviert sich natürlich dann auch selber und ist der erste höchst motivierende Faktor, als wenn der Robo steht.

00:32:04: Und

00:32:04: wenn es dann fertig ist übergeben wird, ist natürlich nichts schöner, als wenn man dich dann anhört, das Publikum kommt, wir sind ausgelastet, wir hatten es auch zum Tag der Architektur halt angemeldet und ich weiß nicht, wie viele Gruppenführungen wir machen mussten, hintereinander, die waren von Anfang an schon überrollt.

00:32:21: Ja, weil das Interesse extrem groß war und das ist eigentlich ein besseres Kompliment für die Architektur, für die, die es ersonnen haben als jeder Artikel in welchen Fachzeitschriften oder sowas.

00:32:34: Ich kann auch noch eins draufsetzen und wir bauen ja relativ viel die Schwimmbäder, also Hallen und Freibäder und wir bauen auch sehr viel im Bereich Kita, Schulen, Universitäten und die schönsten Erlebnisse sind einfach im Schwimmbad, wenn man dann so eine Gemeinde oder eine Stadt oder Kleinstadt, nach zehn Jahren vielleicht Wasserentzug, ein Schwimmbad zurückgeht.

00:32:58: Sie glauben gar nicht, wie begeistert die alle sind.

00:33:00: Endlich wieder Wasser unterm Kiel, endlich.

00:33:04: Die kleinen Kids-DLRG ist da, ein Bürgermeister ist da.

00:33:07: Ich hab's kürzlich erlebt, in Kastelniestetal haben wir einen Watt übergeben, da springt der Bürgermeister, zieht dich aus wie auf die Badehose, springt dann ins Wasser und alle sind begeistert.

00:33:17: Da

00:33:18: werd ich ganz wehmütig, weil gerade Schwimmbäder sind so was, was es rein weil sie dicht macht.

00:33:24: Ja

00:33:24: klar, unsere Kinder müssen ja schwimmen lernen.

00:33:26: Eben, die ganze Gesellschaft freut sich, hier schwimmen wir da.

00:33:28: Ja,

00:33:28: das ist fantastisch.

00:33:30: Also wirklich eine Aufgabe, die wir uns hier seit einigen Jahren auch vehement widmen und auch in den Außenlandbrückern Niederlassung.

00:33:39: Und das läuft da ganz gut.

00:33:40: Es vergeht auch keine Woche im Prinzip, wo nicht wieder ein Schwimmbad an den Markt kommt.

00:33:45: Und das ist eine ganz interessante Nische auch.

00:33:48: Und aber diese Freude, wenn so was fertig ist, wenn man das dann übergibt, das ist toll.

00:33:53: Also noch viel schöner als Kindergarten, macht dann auch Spaß, wenn die Kinder tanzen und singen, aber das ist natürlich ein ganz anderes Thema, wenn man halt viele Leute erreicht und so eine ganze Stadt erreicht mit dem, was man da sich ausgedacht

00:34:08: hat.

00:34:09: Du hast eben gesagt, aus dem Lutherhaus hast du was mitgenommen.

00:34:13: Nämlich, dass du die Räume so gestaltest, dass man am Ende vielleicht nicht ein Papascherwerk reinbaut.

00:34:18: Was nimmst du aus diesem Projekt mit?

00:34:20: Ich glaube ein ganz anderen Ansatz, dass es sich lohnt, dran zu bleiben, dass man gegen alle Wiedrigkeiten einfach an einer Idee, die man selber für prägnant und stark hält und auch für den Ort angemessen, für die Aufgabe angemessen, dass man die wirklich verfolge, ich will gar nicht sagen durchsetzt gegen alle Wiedrigkeiten, aber dass man, wir sind ja alle Überzeugungstäter, dass man einfach die beteiligten, die dann wirklich Entscheidungsträger sind, in dem Fall jetzt auf städtischer Seite, die es ja auch finanzieren, dass man schafft und immer dran, weil die Begeisterung, die man selber für so ein Projekt hat, so ein Thema hat es dann auch umzusetzen und die Leute mitzunehmen, zu überzeugen.

00:34:57: Und ich glaube, das ist in Holzminen ganz gut gelungen.

00:34:59: Weil es ist so außergewöhnlich, wie das Projekt daherkommt, so merkwürdig, wie es erstmal erscheinen mag.

00:35:05: Es ist ja auch, die sind Chameleon, was sich Tag und Nacht ändert.

00:35:09: Die Fassade ist ja nicht herrmählich abgeriegt.

00:35:12: Das sind auch Dorschbrüche, sodass man in der Dunkelheit von außen sieht, was ihnen so passiert.

00:35:21: Es lohnt sich dran zu bleiben als Architekt und es ist immer sehr, sehr schade, wenn man dann vorher einknickt, weil so viele Knüppel sich in die Beine geworfen, wenn nur Steine in den Weg gelegt werden und man den Weg nicht so konsequent verfolgt.

00:35:35: Es war in dem Fall, glaube ich, wirklich ein Glücksfall, dass wir es durchgestanden haben, aber auch von Auftraggeberseite, von städtischer Seite, dass die den Weg mitgegangen sind.

00:35:45: Das nehme ich auf jeden Fall mit.

00:35:46: Die Aufgabe kann noch so klein sein, aber es lohnt sich einfach, dran zu bleiben.

00:35:51: Es macht selber Spaß und ja auch zum ganzen Team und dem Büro Spaß.

00:35:56: Ja, auch wichtig für uns, dass wir uns nach außen positionieren, unsere Architektur in die Welt tragen und dafür machen wir den Job.

00:36:05: Super.

00:36:05: Ja, dann ganz herzlichen Dank für das Interview, Klaus Anderhalten.

00:36:09: Sehr gerne.

00:36:09: Vielen Dank.

00:36:10: Und das war's für heute.

00:36:12: Wenn ihr in Sachen Bauwende auf dem Laufenden bleiben wollt und aktuelle News nicht verpassen wollt, dann könnt ihr auf der Seite Bauwende-News.de.

00:36:24: Alle Infos zur Bauwende gebündelt finden.

00:36:27: Auch alle Podcast-Folgen und den Bauwenden-Newsletter abonnieren, um alle aktuellen Nachrichten

00:36:33: von

00:36:33: Heinze direkt ins Postfach zu bekommen.

00:36:36: Ich freue mich, wenn ihr beim nächsten Mal wieder rein hört.

00:36:39: Habt eine schöne Zeit.

00:36:40: Tschüss!

00:36:48: Moderation, Redaktion, CastingCunicut, Executive Producer, Andreas Göppel, Producer, Project Management, Nadine Schodiakis, Sound Design & Editing, CastingCunicut, Design & Visual Assets, Heinze Media, Social Media Content, Claudia van Ravenstein.

00:37:08: Im Auftrag der Heinze GmbH.

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